Ex-Pokémon-Jurist: „Nintendo-Patent wird einfach ignoriert“

Nintendo hat kürzlich ein Patent für die Beschwörung sogenannter „Sub-Charaktere“ angemeldet, bereits genehmigt bekommen und Kritik geerntet. Die Formulierungen darin sind so weitreichend, dass sie theoretisch große Auswirkungen auf die gesamte Spieleindustrie haben könnten.

Einschätzung von Don McGowan

In einem Interview mit Eurogamer äußerte sich Don McGowan, ehemaliger Chief Legal Officer der Pokémon Company, kritisch. Er glaubt, dass das Patent in der Praxis kaum Bestand haben wird:

Ich wünsche Nintendo und Pokémon viel Glück, wenn der erste Entwickler das Patent einfach ignoriert. Vor Gericht würden Jahrzehnte von Prior Art – also bereits existierenden Mechaniken – deutlich machen, dass dieses Patent nicht haltbar ist.

Damit spielt McGowan auf die unzähligen Spiele an, die schon lange über Beschwörungsmechaniken verfügen.

Vergleich mit Bandai Namcos Ladebildschirm-Patent

McGowan verweist außerdem auf den Unterschied zum berühmten Bandai Namco-Patent für Mini-Games während Ladezeiten. Dieses war einzigartig und hielt 20 Jahre lang stand. Im Gegensatz dazu sei Nintendos aktuelles Patent viel zu allgemein gefasst.

Anwalt Richard Hoeg: Abschreckung statt Klage?

Der Spielejurist Richard Hoeg sieht die Sache differenzierter. Auch wenn Nintendo im Ernstfall Probleme hätte, das Patent vor Gericht durchzusetzen, könne allein die Existenz des Patents Entwickler abschrecken:

Wenn Nintendo signalisiert, dass es jederzeit zuschlagen könnte, reicht das möglicherweise schon, um Investoren und Studios vom Nachahmen abzuhalten – ganz ohne Klage.

Fokus auf Pokéball-Mechanik

Einige Diagramme im Patent erwähnen ausdrücklich eine Art „Ball“ zum Beschwören der Sub-Charaktere. Sollte sich dies tatsächlich auf ein Pokéball-ähnliches Feature beziehen, könnten Entwickler, die bewusst auf solche Designs verzichten, weniger Gefahr laufen, in rechtliche Konflikte mit Nintendo zu geraten.

Offener Ausgang

Ob Nintendo sein neues Patent tatsächlich aggressiv durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Das Unternehmen zeigt mit diesem Schritt, dass es fest entschlossen ist, den Rechtsstreit gegen Pocketpair und Palworld mit allen Mitteln zu führen.

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