Zoll-Rückerstattungen: Sony und Microsoft folgen Nintendos Beispiel und lehnen Weitergabe an Kunden ab

In zwei separaten Gerichtsverfahren vertreten Sony und Microsoft die Position, nicht dazu verpflichtet zu sein, staatliche Zoll-Rückerstattungen an ihre Kunden weiterzugeben. Beide Unternehmen hatten 2025 die Preise ihrer Konsolen infolge damals geltender US-Zölle erhöht. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA diese Zölle im Februar 2026 für illegal erklärt hatte, konnten betroffene Unternehmen entsprechende Rückzahlungen beantragen.

Sony rechnet mit über 500 Millionen Dollar Rückerstattung

Bereits im Juli hatte Sony seine Investoren informiert, laut einem Bericht von Game File mit rund 508 Millionen US-Dollar an Rückerstattungen von der US-Regierung zu rechnen. Der überwiegende Teil dieser Summe soll laut Unternehmensangaben der PlayStation-Sparte zugutekommen.

Sonys Position vor Gericht

In dieser Woche reichten Sonys Anwälte einen Antrag ein, mit dem sie eine drohende Sammelklage kalifornischer Spieler abwenden wollen. Ihre Kernaussage: Wer den regulären Marktpreis für ein freiwillig gekauftes Produkt bezahlt hat, habe dadurch keinen rechtlich relevanten Schaden erlitten.

Microsoft argumentiert ähnlich

Rund zwei Wochen zuvor hatte bereits Microsoft in einem vergleichbaren Fall, angestoßen von einem einzelnen Kläger im Bundesstaat Washington, ähnlich argumentiert: Es sei nichts Ungerechtes daran, zum ausgezeichneten Preis eine Xbox gekauft und dafür genau die vereinbarte Gegenleistung erhalten zu haben, unabhängig von späteren Spekulationen über die interne Kalkulation des Unternehmens.

Beide Verfahren dürften sich noch länger hinziehen.

Der Hintergrund: Zölle, Preiserhöhungen, Gerichtsurteil

Die betroffenen US-Zölle auf importierte Waren, darunter auch Spielekonsolen, traten Anfang 2025 in Kraft. Microsoft erhöhte daraufhin im Mai 2025 die Xbox-Preise unter Verweis auf „Marktbedingungen und steigende Entwicklungskosten“, im September folgte eine weitere Anpassung. Sony zog im August 2025 mit einer PS5-Preiserhöhung nach und sprach dabei von einem „herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld“; die zollbedingten Mehrkosten allein bezifferte das Unternehmen laut Game File später gegenüber Investoren für ein Quartal auf knapp 200 Millionen Dollar.

Mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs im Februar 2026, das die Zölle kippte, begannen die Hersteller, ihre gezahlten Abgaben zurückzufordern. Parallel dazu zogen betroffene Kunden vor Gericht: Sie argumentieren, die damaligen Preisaufschläge von mindestens 50 Dollar seien direkt auf die inzwischen für rechtswidrig erklärten Zölle zurückzuführen gewesen und müssten deshalb an sie zurückfließen.

Wie Game File berichtet, geht die Klage gegen Sony auf eine im Mai eingereichte Sammelklage kalifornischer Spieler zurück. Ihr Vorwurf: Sony Interactive Entertainment bereichere sich unrechtmäßig, wenn das Unternehmen die erhaltenen Rückerstattungen nicht an PS5-Käufer weitergebe. Wörtlich hieß es in der Klageschrift, Sony stehe kurz davor, für dieselbe Zollbelastung zweimal entschädigt zu werden, einmal von den eigenen Kunden über höhere Verkaufspreise, ein zweites Mal vom Staat über die Rückerstattung. Gefordert wird eine teilweise Rückzahlung an alle US-Käufer einer PlayStation seit dem 1. August 2025.

Eine ganz ähnlich gelagerte Klage gegen Microsoft reichte im Juli der Spieler Trevor Hastings ein.

Nintendo als Vorbild für die Verteidigungsstrategie

Wie bereits berichtet, hatte Nintendo Ende Juli in einem eigenen, thematisch identischen Verfahren eine Argumentation vorgelegt, die Sony und Microsoft nun aufgreifen: Nintendo oder seine Händler hätten für jedes Produkt einen Preis festgelegt, und es sei allein Sache der Kunden gewesen zu entscheiden, ob ihnen dieser Preis den Kauf wert war.

Nintendo hatte selbst bereits im März 2026 Klage gegen die US-Regierung eingereicht, um gezahlte Importzölle zurückzufordern, woraufhin das Unternehmen wiederum von zwei Spielern verklagt wurde, die eine Weitergabe möglicher Rückerstattungen fordern. Dieselbe grundlegende Dynamik, die sich nun bei Sony und Microsoft zeigt.

Sony ergänzte diese Nintendo-ähnliche Argumentation in dieser Woche laut Game File um einen weiteren Punkt: Die Kläger hätten bislang keinen Nachweis dafür erbracht, dass tatsächlich die Zölle für die Preiserhöhung im August 2025 verantwortlich waren, diese Behauptung sei „spekulativ und unschlüssig“. Stattdessen könnten auch andere Faktoren wie Inflation, Wechselkursschwankungen, Bauteilkosten, Logistik oder Nachfrageentwicklung eine Rolle gespielt haben. Eine konkrete Aufschlüsselung der tatsächlichen Kostentreiber blieben Sonys Anwälte allerdings schuldig.

Auch Microsoft verwies darauf, dass die Klageseite keinerlei konkrete Belege für einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Zöllen und der Preiserhöhung vorgelegt habe.

Bemerkenswert an Sonys Verteidigung: Das Unternehmen führt eine weitere PS5-Preiserhöhung vom Frühjahr 2026 ins Feld, also nach dem Kippen der Zölle. Die Logik dahinter: Wären die ursprünglichen Zölle tatsächlich der Auslöser für die erste Preiserhöhung gewesen, hätte es keinen Grund gegeben, die Preise nach deren Wegfall erneut anzuheben. Der zeitliche Ablauf zeige vielmehr, dass in die Preisgestaltung von PlayStation-Konsolen von jeher eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Kostenfaktoren einfließe.

Eine gerichtliche Entscheidung zu den Argumenten von Sony, Microsoft oder Nintendo steht laut Game File in allen drei Verfahren noch aus.

Eine Ausnahme: Playdate-Hersteller Panic

Einen anderen Weg schlug zuletzt Panic ein, das Unternehmen hinter der kleinen, gelben Handheld-Konsole Playdate: Laut eigener Ankündigung gibt das Unternehmen seine erhaltenen Zoll-Rückerstattungen direkt an die eigenen Kunden weiter. Damit ist Panic bislang der einzige Hardware-Hersteller der Branche, der ein solches Versprechen abgegeben hat.

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