The Cruel King and the Great Hero – Ein RPG, wie aus dem Bilderbuch

Nicht jeder stürzt sich gleich dieser Tage in Elden Ring, ohne nicht auch erstmal ein paar Mal zu verlieren. Soulslike-Spiele brauchen Übung und vor allem Durchhaltevermögen. Ähnlich sieht es hier mit manch einem RPG aus. Wer heute etwa mit Baldurs Gate anfängt, könnte durchaus durch die ganzen Statuswerte erschlagen werden. Wenn man dann nicht versteht, wie was funktioniert, steht man wie ein Neuling mit der besten Ausrüstung vor Sklavenritter Gael in Dark Souls III – Theoretisch bestens gerüstet, aber ein hoffnungsloser Verlierer.

Während es bei Souls-Spielen nur wenige gute und Einsteiger freundliche Alternativen gibt, gibt es bei RPGs hingegen sehr sehr viele. Bekanntes Nintendo Beispiel wäre da die Mario & Luigi-Reihe, deren Zukunft leider sehr ungewiss geworden ist.

Nun haben wir hier The Cruel King and the Great Hero, welches unter dem Namen “Warui Ousama to Rippa-na Yuusha” bereits letztes Jahr am 24. Juni 2021 in Japan erschien. Das Spiel ist so ziemlich das simpelste RPG, welches ich seit langem gespielt habe und ideal für jüngere Spieler, um sich das Genre mal anzuschauen. Ein RPG, wie aus dem Bilderbuch, für Kinder und Genre-Neulinge. Wenn auch mit einem nicht zu vernachlässigbaren Haken.

Solltet ihr neugierig sein, eurem Kind dieses Spiel zu besorgen, dem möchte ich einen Knackpunkt verraten und einen Teil meines Fazits hier schonmal aufzeigen: Das Spiel beinhaltet lediglich englische wie japanische Bildschirmtexte und die Geschichte wird von einer japanischen Sprecherin vorgetragen. Außerdem handelt es sich nicht selten um etwas gehobenes Englisch, weswegen durchaus auch Wörter vorkommen, die ich zumindest nicht in der Schule gelernt habe. Eine Übersetzung hätte dem Spiel sicher gut getan!

Auf Bitten des Publishers werde ich vermeiden sehr viel zu spoilern – was in einer Review aber ohnehin nicht der Fall sein sollte. Ihr möchtet ja nur meine bescheidene Meinung erfahren und dann selbst loslegen. Aber einen Tipp vorweg noch zusätzlich: Vermeidet es Artworks im Spiel freizuschalten, wenn ihr Sorge habt, gespoilert zu werden.

Es war einmal die kleine Yuu

In The Cruel King and the Great Hero begleiten wir ein unerschrockenes Mädchen auf ihren vielen Abenteuern, als sie mit der Hilfe ihres mächtigen Schützerdrachen zur Heldin wird.

Unterwegs lernen wir dabei neue Freunde kennen, sammeln Gegenstände und helfen Leuten in allen Lebensumständen! Eine herzerwärmende Geschichte der Güte, Freundschaft und Familienzusammengehörigkeit, in einer wunderschönen, von Hand gezeichneten Welt.

Yuu ist ein Waisenkind, welches vom Drachenkönig aufgezogen wird und inmitten einer Gesellschaft aus Monstern aufwächst. Sie möchte in die Fußstapfen ihres leiblichen, leider verstorbenen, Vaters treten: Yuu möchte eine Heldin werden und den Dämonenkönig bezwingen, der damals auch ihren Vater von ihr genommen hat.

Der Drachenkönig überwacht ihr Training und lehrt sie, was einen Helden ausmacht. Er ist sogar so fürsorglich, dass er seine Pflichten als König der Monster vernachlässigt und Yuu auf ihren Abenteuern heimlich begleitet. So erspähen wir nicht selten den Kopf des Drachenkönigs im Hintergrund und sehen ihn so heimlich auch am Abenteuer teilhaben. 

Was er genau alles macht, will ich nicht offenlegen, aber sollte es zu einem der vielen Zufallskämpfe kommen, ist er in der Regel auch stets im Hintergrund mit dabei und freut sich wenn Yuu und ihre Kameraden den Gegner bezwingen. Auch greift er unbemerkt der kleinen Dame unter die Arme. Etwa, wenn es nicht weiter geht, oder im Kampf um ein paar extra dicke Zahlen an Schaden erscheinen zu lassen.

Das Spiel ist sehr rudimentär in seinen RPG-Mechaniken. Es gibt Lebenspunkte, Aktionspunkte, einen Ausweichwert, einen Rüstungswert und auch Fähigkeiten, die sich nach und nach mit dem aufleveln ausbauen. Dazu gibt es für jede Figur auch eine Waffenart, die sie tragen kann, eine Art von Rüstung sowie zwei Accessoires für das Aufrüsten von bestimmten Werten. Yuu etwa kann nur mit Schwertähnlichen Objekten kämpfen (Sie beginnt das Spiel mit einem Ast), einem Topf als Rüstung. Andere Figuren benötigen andere Items, die wir neben den Items für Yuu entweder mit Shells, der Währung der Monster, kaufen oder beim Absuchen der Pfade in Truhen finden können.

Im Kampf können wir auch das Übliche an Aktionen ausführen. Angreifen, Skills einsetzen, verteidigen oder weglaufen. Und viele der Gegner haben auch Schwächen die wir ausnutzen können. Etwa gibt es eine Sorte von Monstern, die es nicht leiden kann, ignoriert zu werden. Greifen wir diese Monster eine Zeitlang nicht an, werden sie benommen, können nicht angreifen und stecken mehr Schaden ein. Oder aber Yuu lässt sie laufen, was die Monster manchmal mit einer Schatztruhe belohnen, aber auf Kosten der sicheren Erfahrungspunkte und Shells.

Auch gibt es Fähigkeiten, die auf die Position der Gegner im Kampf Bezug nimmt, was die Sache dann doch etwas taktischer macht, als man erwartet. Viele Fähigkeiten bringen vor allem Yuus Begleiter ins Spiel, welche aber leider nicht permanent an ihrer Seite bleiben. Entsprechend können diese Fähigkeiten dann auch nicht mehr verwendet werden. Die Begleiter können jedoch später nochmal zurückkehren.

Sollten wir mal für eine Umgebung überlevelt sein, befähigt das Yuu auch auf dem Korridor der Karte laufen zu können, womit wir schneller unterwegs sind und uns so auch spielerisch gezeigt wird, dass wir uns hier das Grinden sparen können. Was aber leider durch das Fehlen eines Erfahrungspunktebalkens oder Zahlenwerten – abseits der Levelnummer – auch eher unbefriedigend für mich war. Das wird vor allem bei den Begleitern ärgerlich, weil diese gegebenenfalls Level aufholen müssen. Man hat allerdings ungünstigerweise wie erwähnt keinen Indikator wie viel noch zum nächsten Level fehlt.

Davon ab, bietet das Spiel zwar eine große Karte und mehrere Gebiete, aber dennoch ist oftmals viel Backtracking erforderlich, was selbst bei einer laufenden Yuu gefühlt viel zu lange dauert. Auch werden oft Wege blockiert sein, oder Truhen hängen an Ballons, unerreichbar für uns. Natürlich ist das neben den Nebenquests ein Anreiz, auch alte Gebiete wieder zu besuchen, dennoch ist es durch die Art zu reisen im Spiel sehr langwierig, weil die Korridore der Karte zu verwinkelt und lang sind.

Es gibt zwar eine Schnellreisefunktion, die nach etwa 2-3 Stunden genutzt werden kann, allerdings sind diese Punkte sind zu weit auseinander, als dass sie sich wirklich lohnen. Die Nebenquests heißen übrigens Acts of Kindness (Akte der Güte) und können im Scrapbook, dem Notizbuch, eingesehen werden, sobald man sie erhalten hat und in welcher Region sie zu finden sind. Da lohnt sich die Schnellreise eventuell doch mal.

Charmantes Design und Stilsicher

Stilistisch ist das Spiel an ein Kinderbuch angelehnt. Auch gibt es Standbilder, im Rahmen der Story, die dann noch etwas detaillierter ausgearbeitet worden sind. Wir waren oft begeistert, wie liebevoll viele der Figuren gestaltet sind. Dennoch muss man realistisch sagen, dass Yuu und ihre Kameraden die einzigen sind, die wirklich auch Emotionen zeigen und die Monster im Kampf, sowie im Dorf, letztlich nur eine Wipp-Animation haben.

Die Musik lässt oft mehr vermuten, denn gerade im Titelbildschirm bekommen wir eine schöne Melodie mit japanischem Gesang zu hören. Leider hören wir in The Cruel King and the Great Hero viel zu oft dieselben Melodien – immer und immer wieder. Letzten Endes sind es bedauerlicherweise auch nicht viele Songs, die einem im Gedächtnis bleiben.

Ideal für Kinder?

An und für sich ist The Cruel King and the Great Hero ein schönes kurzweiliges Spiel, welches man ideal nebenher spielen kann. Auch wenn es eher an jüngeres Publikum gerichtet ist, bereue ich jedoch nicht die etwa zehn Stunden, die ich ins Spiel investiert habe. Wer alle Orden (Achievements) erhalten möchte, wird aber noch deutlich länger mit dem Spiel beschäftigt sein.

Die große Überraschung der Geschichte sieht man zwar auf eine Meile noch bevor sie aus der Ausfahrt abbiegt, aber dennoch fühlte ich mich gut, wenn auch seicht, unterhalten.

Es sind jedoch zwei schwerwiegende Knackpunkte, die mich beim Spiel selber stören. So werden die englischen und japanischen Bildschirmtexte das Spiel unzugänglich für viele Kinder machen, die nicht gerade diese beiden Sprachen sprechen und lesen können. Na klar, die Handlung gewinnt keinen Preis, aber das will sie auch nicht. Das macht es aber nicht minder ärgerlich, dass es die Kinderzielgruppe in vielen Ländern nicht erreichen wird, wenn sich nicht gerade ein Elternteil die ganze Zeit mit daneben setzt.

Abseits der extra Items und Shells, die wir fürs Abschließen der Nebenquests erhalten, erhalten wir auch eine Anzahl an Sternen, mit der wir Auszüge aus dem Artbook im Spiel freischalten können. Diese sind auch sehr nett anzusehen und lassen uns öfter schmunzeln. Dennoch enthüllt das Artbook teilweise auch etwas von der Story, weswegen ihr keine Artworks freischalten solltet, bevor ihr nicht den Dämonenkönig besiegt habt. – Auch wenn die große Handlung spätestens ab Kapitel 3 ziemlich offensichtlich scheint und das Spiel ist sich dem auch bewusst. Kinder könnten trotzdem nicht direkt darauf kommen.

RPG für Einsteiger

Für wen ist The Cruel King and the Great Hero nun ein ideales RPG? Abseits von den Kindern sehe ich auch durchaus Erwachsene ihren Spaß mit dem Spiel haben, wenn sie auf der Suche nach einem entschleunigten und seichten Spiel sind. Gerade als Second Screen neben einer Serie, sehe ich hier auch die Erwachsenen, die sich mit dem Spiel beschäftigen. Die langen Laufwege und spärlichen Schnellreisepunkte können sehr schnell stören, weswegen es nicht verkehrt ist sich nebenher noch mit anderen Dingen zu beschäftigen.

The Cruel King and the Great Hero erscheint am kommenden Freitag, dem 11. März 2022 für 29,99 € digital im Nintendo eShop und PlayStation Store. Die Storybook Edition mit dem Spiel auf Datenträger, einem Plush der Heldin Yuu, einem Artbook sowie digitalem Soundtrack und Sammlerbox ist auch bereits auf diversen Bestellplattformen, wie etwa hier bei Amazon, für 59,99 € vorbestellbar.

*Als Mitglied der Affiliate-Netzwerke Amazon PartnerNet, Gamesrocket, Awin und dem MediaMarkt/Saturn-Partnerprogramm, erhält Nintendo Connect bei einer Bestellung über einen der oben genannten Links, eine kleine Provision. Für euch entstehen dabei keinerlei Zusatzkosten, die Produkte können mit „Abholung im Markt“ bestellt werden und es gilt auch weiterhin die Vorbesteller-Preisgarantie der Versandhäuser.

75/100
Total Score

Pro

  • Ideal für Kinder als Einstieg ins RPG Genre
  • Charmanter und liebevoller Artstyle
  • Viele kleinere Details im Hintergrund zu entdecken
  • Angenehme (japanische) Erzählerstimme

Contra

  • Veteranen könnten unterfordert sein
  • Langwierige Laufwege und kaum Schnellreisepunkte
  • Musik verkommt auf lange Sicht zum Gedudel im Hintergrund
  • Leider nur englische oder japanische Texte
0 Kommentare
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Trustpilot