Mit Yoshi and the Mysterious Book kehrt der grüne Nintendo-Dino nach sieben Jahren Pause in einem neuen Solo-Abenteuer zurück. Das Spiel erscheint am 21. Mai 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2 und wurde erstmals im Rahmen einer Nintendo Direct vorgestellt. Schon nach den ersten Stunden wurde dabei deutlich: Dieses Yoshi-Spiel will bewusst nicht einfach nur bekannte Mechaniken reproduzieren, sondern verschiebt den Fokus der Reihe spürbar in Richtung Erkundung, Experimentieren und systemisches Gameplay.
Während frühere Serienableger wie Yoshi’s Crafted World oder Woolly World vor allem durch charmante Optik und zugängliches Plattforming überzeugt haben, wirkt Yoshi and the Mysterious Book fast schon wie ein Gegenentwurf. Das Spiel setzt weniger auf Geschwindigkeit, lineare Levelabfolgen oder klassische Hindernisparcours und konzentriert sich stattdessen stärker auf Beobachtung, Interaktion und spielerisches Forschen.
Hinter der bewusst kindlich gehaltenen Bilderbuch-Optik steckt deutlich mehr Spieltiefe, als die Trailer vermuten lassen.

Yoshi stürzt sich ins Abenteuer
Im Kern bleibt Yoshi and the Mysterious Book zunächst ein typisches Yoshi-Spiel. Die Steuerung ist vertraut und präzise: Yoshi kann Gegner und Objekte mit der Zunge aufnehmen, Eier gezielt werfen, mit seinem Flatterflug größere Distanzen überwinden und per Stampfattacke Schalter aktivieren oder Hindernisse zerstören. Diese klassische Grundlage sorgt dafür, dass sich das Abenteuer sofort vertraut anfühlt. Gleichzeitig bleibt das Spiel extrem zugänglich, denn Yoshi selbst kann keinen direkten Schaden nehmen.
Yoshi kann zwar weiterhin in Abgründe stürzen, muss sich aber keine Sorgen machen, wenn ihn ein Bienenschwarm attackiert. Aber selbst der Sturz hat keine großen negativen Konsequenzen, da unser Held einfach wieder auf eine rettende Plattform gezeichnet wird.
Relativ schnell wird klar, dass sich der Fokus diesmal deutlich vom klassischen Plattforming entfernt. Das zentrale Spielelement ist die namensgebende Enzyklopädie „Enzo“, ein sprechendes Buch, das seine eigenen Inhalte nicht lesen kann und daher auf Yoshis Hilfe angewiesen ist. Mithilfe eines magischen Monokels untersucht man auffällige Kreaturen innerhalb der Buchseiten und taucht anschließend direkt in deren Welt ein. Die einzelnen Level wirken dadurch weniger wie klassische Kurse und eher wie kleine interaktive Ökosysteme voller ungewöhnlicher Wesen und versteckter Zusammenhänge.
Der eigentliche Gameplay-Loop besteht nicht primär darin, Level möglichst schnell zu absolvieren, sondern der vertikalen und horizontalen Erkundung. Jede Kreatur besitzt Eigenschaften, die sich durch äußere Einflüsse verändern können. Manche reagieren auf Nahrung, andere auf physische Interaktionen oder Umweltfaktoren.
Das Spiel bringt dem Spieler gleich zu Beginn bei, dass man neu entdeckte Kreaturen zunächst einmal fressen sollte, um etwas über deren Geschmack herauszufinden. Auch lohnt es sich die Kreaturen mit einem Ei abzuwerfen, auf sie drauf zu hüpfen, oder in den Boden zu stampfen. All das wird mit kleinen Zeichnungen im Buch festgehalten.
Neu ist auch die Fähigkeit, eine Kreatur mit dem Druck auf X huckepack zu tragen.
Besonders clever ist dabei, wie Nintendo immer wieder kleine Aha-Momente erzeugt. Ein frühes Beispiel liefert eine Blumen-Kreatur (Susel Dusel), die zunächst lediglich wie ein gewöhnlicher NPC wirkt. Erst durch Interaktion erkennt man, dass sie Knospen zum Blühen bringen kann, wenn Yoshi sie auf dem Rücken transportiert. Ändert man ihre Farbe, indem man Susel Dusel einen Apfel zu futtern gibt, erblühen auch die Blumen in dieser. Plötzlich verändert sich der Blick auf die Umgebung, weil scheinbar dekorative Elemente spielerische Bedeutung erhalten. Später werden diese Ideen deutlich komplexer.
Ein anderes frühes Beispiel dafür liefern die Shy-Guy-Abschnitte. Dort müssen verschiedene Shy Guys auf dem Rücken von Yosho zurück zu ihrem Haus gebracht werden, während aggressive Mäuse (Mini-Mauser) versuchen, Yoshis „Fracht“ vom Rücken zu stehlen.
Zunächst wirken die Mäuse lediglich wie klassische Störenfriede. Erst später erkennt man, dass man sie selbst transportieren und gezielt einsetzen und werfen kann, um höher gelegene Plattformen zu erreichen. Dort stibitzen sie dann ebenfalls begehrte Sachen, wie Glyphen, Grinseblumen, oder Shy Guy, die Yoshi dann entsprechend an sich nimmt. Genau diese Momente gehören zu den größten Stärken des Spiels: Lösungen ergeben sich nicht aus offensichtlichen Tutorials, sondern aus Experimentieren und Beobachtung.
Viele Ziele sind bewusst nicht klar markiert worden. Anders als andere moderne Nintendo-Spiele setzt Yoshi and the Mysterious Book weniger auf permanente Wegführung und stärker auf Eigeninitiative. Dadurch fühlt sich jede neue Entdeckung deutlich befriedigender an. Teilweise erinnert diese Struktur sogar leicht an Metroidvania-Spiele. Neue Erkenntnisse oder Kreaturenfähigkeiten motivieren regelmäßig dazu, frühere Abschnitte erneut zu besuchen, um bislang unerreichbare Geheimnisse freizuschalten.

Enzo gibt Hinweise darauf, wo und was ihr als Nächstes erforschen solltet, die Entscheidung ist jedoch euch überlassen. Einen noch offenen Eintrag von Susel Dusel, dem ihr erstmals in Kapitel 1 begegnet, könnt ihr auch abschließen, während ihr gerade eine andere Kreatur in einem späteren Kapitel erforscht.
Im Vergleich zu anderen Jump’n’Run-Spielen wirkt dieses Abenteuer von Yoshi deutlich entschleunigter. Statt schneller Reaktionsprüfungen fordert das Spiel vor allem Aufmerksamkeit und Kreativität. Das wird nicht jeden Spieler gleichermaßen abholen, funktioniert innerhalb des gewählten Konzepts aber erstaunlich konsequent.
Kreativität ist auch bei der Namensgebung der Kreaturen angesagt. Namen wie „Angelrud“, „Gackalup“ und „Wumarang“ sind schon recht witzig und passen perfekt zur Kreatur. Wem der Name „Spritzrüssler“ aber zu obszön ist, oder eine bessere Idee hat, kann dem Wesen auch einen ganz individuellen Namen geben. Dieser spiegelt sich dann überall wieder.
Ein lebendig gewordenes Forschungsjournal
Optisch schlägt Yoshi and the Mysterious Book einen speziellen Weg ein. Kein klar definierter 3D-Look, Bastelstil, keine Wolle. Nintendo setzt diesmal auf eine Mischung aus Aquarellmalerei, Skizzenbuch-Ästhetik und handschriftlichen Notizen.
Die einzelnen Level innerhalb von Enzo wirken wie Seiten eines lebendig gewordenen Forschungsjournals. Kritzeleien, Markierungen und kleine Beobachtungen erscheinen dynamisch während des Spielens und vermitteln das Gefühl, tatsächlich ein unbekanntes Ökosystem zu dokumentieren. Dieser Ansatz passt nicht nur hervorragend zum Forschungsgedanken des Spiels, sondern sorgt auch dafür, dass sich die Welt ungewöhnlich lebendig anfühlt.
Die Seiten von Enzo sind im Wandel, je weiter ihr mit eurer Forschung voran kommt.
Ein nettes Detail: Es gibt gleich zu Beginn 8 Yoshis in unterschiedlichen Farben. Entdeckungen werden im Buch in der Farbe des aktuell ausgewählten Yoshi festgehalten. Es ergibt Sinn, wenn man zwischendurch mal einen anderen Dino auf Entdeckertour schickt.

Die Kreaturen wirken verspielt, teilweise fast absurd, besitzen aber dennoch einen hohen Wiedererkennungswert. Um ihre Namen zu lernen, habe ich mich stets auf die Namensvorschläge von Enzo verlassen. Lediglich „Kirby“ und „Voltobal“, die im Spiel eigentlich anders heißen, erhielten von mir einen Spitznamen.
Diese Namen tauchen anschließend dauerhaft in Notizen, Beschreibungen und Dialogen auf, wodurch eine überraschend persönliche Bindung an die Spielwelt entsteht.

Der Soundtrack bleibt angenehm verspielt und ruhig, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Zusammen mit der handgezeichneten Optik entsteht ein fast meditatives Spielgefühl, das perfekt zur entschleunigten Struktur passt. Richtig „cozy“ kann man die Seiten des Buchs im eignen Tempo erforschen und bei Bedarf zu jederzeit eine Pause einlegen.
Werkzeuge vereinfachen die Komplettierung
Ab einem gewissen Punkt schaltet man Forschungswerkzeuge frei. Mit diesen könnt ihr sowohl alte als auch neue Level besuchen und so vielleicht die fehlenden Geheimnisse enthüllen. Mit dabei sind unter anderem ein Höhenmesser, ein Bioscanner, der weiter entfernte Kreaturen anzeigt und sogar verschiedene Radare, die euch den Ort der nächsten Frucht, Nuss, Chili oder Wassermelone zeigen.

Zum Freischalten der Werkzeuge benötigt ihr die in den Leveln gesammelten Grinseblumen. Die weiter oben genannten Glyphen verwendet man, um sich neue Entdeckungen vorhersagen (20 Glyphen) oder einen gezielten Hinweis (100 Glyphen) geben zu lassen.
Weniger Handlung, mehr Entdeckungsreise
Narrativ bleibt Yoshi and the Mysterious Book bewusst simpel gehalten. Bowser Jr. findet ein mysteriöses Buch und entdeckt darin eine wundersame Kreatur. Nachdem er hineingesogen wird, fällt das Buch vom Himmel auf die Insel der Yoshis und zieht schließlich auch Yoshi in seine Seiten hinein.
Zwischendurch kommt es immer mal wieder zu Begegnungen zwischen Yoshi, Bowser Jr. und Kamek – inklusive kleinen Bosskämpfen. Das macht Spaß, ist aber nicht wirklich sehr herausfordernd, wie der Rest des Spiels.
Die Geschichte dient dabei vor allem als Rahmen für die eigentliche Stärke des Spiels: die Kreaturen und ihre Interaktionen. Jede neue Entdeckung fühlt sich wie ein kleiner Fortschritt innerhalb einer größeren Forschungsreise an.

Stabiler Auftritt auf Nintendo Switch 2
Technisch präsentiert sich Yoshi and the Mysterious Book auf Nintendo Switch 2 erfreulich stabil. Selbst in Szenen mit vielen gleichzeitig aktiven Kreaturen oder Effekten bleibt die Bildrate konstant flüssig. Auch die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus.
Lediglich die Kamera zeigt in einigen vertikal aufgebauten Abschnitten kleinere Schwächen, wenn mehrere Interaktionspunkte gleichzeitig sichtbar sind. Diese Momente bleiben jedoch selten und beeinträchtigen den Spielfluss kaum.
Insgesamt vermittelt das Spiel den Eindruck einer technisch sehr sauber optimierten Produktion, die die Möglichkeiten der Nintendo Switch 2 sinnvoll nutzt, ohne sich in reinen Technikspielereien zu verlieren.
Hinter der Bilderbuch-Optik steckt überraschend viel Spieltiefe
Yoshi and the Mysterious Book, entwickelt von GoödFeël, ist kein klassischer Serienableger, sondern ein bewusst experimenteller Ansatz innerhalb der Yoshi-Reihe.
Die Mischung aus klassischen Yoshi-Mechaniken und überraschend systemischen Rätseln funktioniert erstaunlich gut. Hinter der niedlichen Bilderbuch-Optik steckt deutlich mehr Spieltiefe, als man zunächst erwarten würde. Besonders die kreativen Interaktionen zwischen den verschiedenen Kreaturen sorgen immer wieder für kleine Aha-Momente und verleihen dem Spiel eine angenehm frische Identität.
Nicht jede Designentscheidung wird dabei jeden Spieler gleichermaßen abholen. Das langsamere Tempo und die reduzierte direkte Action stellen einen deutlichen Bruch dar. Gleichzeitig entsteht daraus aber eines der kreativsten und ungewöhnlichsten Yoshi-Spiele.
Ein Abenteuer, das sich gleichzeitig vertraut und völlig neu anfühlt.
Yoshi and the Mysterious BookPro
- Entspannter und kreativer Gameplay-Ansatz
- Lebendig anfühlende Enzyklopädie
- Zugänglich und einsteigerfreundlich
- Viele charmante Kreaturen
- Hübscher Vorzeigetitel auf Nintendo Switch 2
Contra
- Für erfahrene Spieler wenig herausfordernd
- Wenig klassische Jump'n'Run-Action
- Kaum vorhandene Geschichte als großer Aufhänger
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bei euch bühen die Blumen, bei mir zu Hause blühen die ersten selbstgesäten Blumen 😉
Vielen Dank für den subtilen Hinweis. 😀