Unvorhergesehen witzig – Unforeseen Incidents

Backwoods Entertainment, eine deutsche Spielefirma, hat vor vier Jahren Unforeseen Incidents herausgebracht und damit für eine positive Überraschung für die meisten Fans des Genres gesorgt. Der Titel lässt sich in das Point-and-Click Genre einordnen. Wer vielleicht Deponia oder Monkey Island gespielt hat, weiß was es damit auf sich hat.

Heute, am 27. Januar 2022, erscheint Unforeseen Incidents ebenfalls für Nintendo Switch und wir hatten die Ehre den Titel vorab ausgiebig testen zu können. Wie sich der das Spiel schlägt und ob es weiterhin ein Geheimtipp ist, verraten wir euch in unserem Spieletest.

Harper Pendrell – Symphatischer Trottel

Die Geschichte beginnt im entfernten Städtchen Yelltown, wo die Einwohner voller Angst leben, da sich derzeit ein gefährlicher Virus ausbreitet. Na das passt ja in Zeiten von Corona … Ihr begleitet Harper Pendrell, Hobbymechaniker und Bastler, auf ein Abenteuer, um herauszufinden, was es wirklich mit dem Virus auf sich hat.

Denn die Gesundheitsorganisation RHC hat angeblich alles unter Kontrolle und isoliert alle Menschen, welche Symptome aufzeigen. Nach einem Besuch bei Professor MacBride entdeckt Harper eine infizierte Frau auf der Straße, welche ihn darum bittet eine Person namens Helliwell zu finden. Harper ruft den RHC-Notruf an, damit das Eindämmungsteam ihr helfen kann, allerdings konnte er nicht ahnen, dass sie dadurch wahrscheinlich sterben wird.

Durch ihre Worte zweifelt Harper daran, dass die RHC nur Gutes tun möchte und plant zusammen mit Professor MacBride eine Infiltration des lokalen RHC Lagers, damit sie sehen können, was hinter den Kulissen alles abläuft. Harper ahnt aber nicht in was für ein Wespennest er hier reingestochen hat, denn während er, Helliwell und MacBride das Lager untersuchen, wird Yelltown “gereinigt”. Komplett zerstört und aufgelöst wird Harper von einer fremden Person betäubt und verschleppt, was das zweite Kapitel des Spiels einläutet. Zwar ist die Geschichte an einigen Stellen sehr vorhersehbar gewesen, dennoch packte mich die Story bis zum Ende. Einer der Gründe hierfür war auch der allgemein sehr gut geschriebene Dialog.

Wortwitze, Dialekte und rote Heringe

Überrascht war ich, als ich das Spiel zum ersten Mal gestartet habe, denn neben der Auswahl an der Schriftart standen 5 verschiedene Sprachen zur Verfügung. Als die Eröffnungssequenz startete, wurde mir schnell klar, dass nicht nur einige Zeilen vertont sind, sondern das komplette Spiel. Jeder Charakter wurde komplett Deutsch vertont und sogar mitunter von bekannten Sprechern.

Zwar hört man das ein oder andere Mal eine Stimme doppelt, allerdings ist die Wahl für die meisten Charaktere sehr passend gewesen. Zum Glück wurden auch diverse Charaktere mit einigen Dialekten versehen, was für viel Humor und Lacher gesorgt hat.

Der Schrottplatzbesitzer von Yelltown begrüßt uns mit Berliner Schnauze und genau das macht seinen Charakter aus. Hier sei aber auch der Dialog zwischen den Charakteren zu erwähnen, denn der hat die perfekte Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Komik getroffen. Nicht selten befindet sich Harper in einer ernsten Lage und er agiert mit extremem Leichtsinn und hat damit auch noch fast immer Erfolg. Er wird auch später einmal Dorftrottel genannt, was ihn als Charakter eigentlich sehr gut beschreibt. Die Interaktionen zwischen Harper und den einzelnen Charakteren haben die Entwickler (und Sprecher) sehr gut getroffen.

Natürlich gehören zu einem guten Point-and-Click-Adventure die Rätsel, welche in jeder Ecke versteckt sind. Einige lassen sich relativ leicht lösen (Nutze A mit B) und andere erfordern sehr viele graue Zellen. Ich konnte mir zwar oft vorstellen, wie die Lösung ausschauen würde, allerdings habe ich nicht die nötigen Schritte zwischendurch erkannt.

Insgesamt waren die Rätsel gut durchdacht und vielfältig. Viele konnte man nicht nur mit Gegnständen lösen, sondern musste unter anderem auch mit einem Telefon arbeiten. Besonders dieses Rätsel möchte ich hervorheben, da man hier über falsche Hinweise vom Weg abgebracht wurde. Diese nennt man üblicherweise rote Heringe. Sie sollen bewusst den Spieler in einer falsche Richtung lenken, damit er sich im Kreis dreht.

Dies war auch ziemlich oft bei Gegenständen der Fall, denn einige habe ich nie im Spiel benutzt, was natürlich auch gewollt war. Im letzten Kapitel waren die Rätsel meistens nicht mehr so komplex, aber um die nötigen Gegenstände zu finden und zu erhalten musste man oft “um die Ecke” denken.

Grafisch einzigartig

Die Grafik von Unforeseen Incidents kann sich sehen lassen, wenn sie auch gleichzeitig gewöhnungsbedürftig ist. Das komplette Spiel ist handgezeichnet, was ebenfalls für die Animationen gilt. Dadurch wirken diese meistens sehr steif, was allerdings verständlich ist.

Die Kulissen und Hintergründe bringen die Umgebungen sehr lebendig und glaubwürdig rüber. Yelltown, welches ironischerweise sehr gelb gehalten wurde wirkt ebenfalls wie eine mitteleuropäische Kleinstadt. Im dritten Kapitel befindet sich Harper in einer Großstadt und diese wirkt zwar relativ leer, strahlt dennoch ihren komplett eigenen Charme aus.

Begleitet wird der Titel ebenfalls von einem subtilen Soundtrack. In der Regel ist die Musik eher ein Beiwerk, aber in gewissen Situationen, zum Beispiel in traurigen, dominieren ruhige Lieder und Töne das Geschehen.


Unterhaltsames Point-and-Click-Adventure mit Schwächen

Unforeseen Incidents
80 100 0 1
Harpers Abenteuer ist mit ungefähr 10 bis 15 Stunden zwar nicht unendlich lang, unterhält aber wie ein guter Film oder ein gutes Buch. Die aberwitzigen Dialoge und Stimmen geben dem Spiel eine Idendität und sorgen zeigleich für die Motivation. Die Rätsel sind gut gestaltet, einige wirken jedoch unnötig kompliziert. Ebenfalls wird das Spiel gegen Ende sehr linear und man hat nicht mehr zu viele verschiedene Interaktionsmöglichkeiten. Kleinere Komfortfunktionen wie Schriftart und verschiedene Spracheinstellungen runden den Titel ab und lassen Unforeseen Incidents einen Geheimtipp für Fans des Genres werden. Solltet ihr also Deponia auf Nintendo Switch bereits gespielt haben, so schlagt hier ohne Bedenken zu.
Harpers Abenteuer ist mit ungefähr 10 bis 15 Stunden zwar nicht unendlich lang, unterhält aber wie ein guter Film oder ein gutes Buch. Die aberwitzigen Dialoge und Stimmen geben dem Spiel eine Idendität und sorgen zeigleich für die Motivation. Die Rätsel sind gut gestaltet, einige wirken jedoch unnötig kompliziert. Ebenfalls wird das Spiel gegen Ende sehr linear und man hat nicht mehr zu viele verschiedene Interaktionsmöglichkeiten. Kleinere Komfortfunktionen wie Schriftart und verschiedene Spracheinstellungen runden den Titel ab und lassen Unforeseen Incidents einen Geheimtipp für Fans des Genres werden. Solltet ihr also Deponia auf Nintendo Switch bereits gespielt haben, so schlagt hier ohne Bedenken zu.
80/100
Total Score

Pro

  • Vollständig auf Deutsch vertont
  • Kreative Rätsel...
  • Angenehme Spiellänge

Contra

  • ...wenn auch manchmal kryptisch und zu kompliziert
  • Grafikstil etwas gewöhnungsbedürftig
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