Die Welt endet – NEO: The World Ends with You

Vor 14 Jahren erschien ein Titel, der nicht nur schnell eine riesige Fanbase aufbauen konnte, sondern auch ein Geheimtipp unter Gamern wurde. Ursprünglich für den Nintendo DS erschienen, hat The World Ends with You damals schon durch seinen fantastischen Stil, Soundtrack und sein Gameplay überzeugen können. Nun erscheint endlich der Nachfolger NEO: The World Ends with You (Neo heisst übrigens Neu) und wir verraten euch in unserem Test (und Video) ob Square-Enix wieder ein Hit gelungen ist.

Sieben Tage Nervenkitzel

In der Welt von NEO: The World Ends with You gibt es neben der realen Welt (RG – Realground) auch die UG (Underground), wo ein perfides Spiel stattfindet. Im sogenannten Spiel der Reaper geht es um Leben und Tod, allerdings gelangt man inzwischen (nicht wie in The World Ends with You) auch unfreiwillig als Spieler in den UG. Rindo und sein Schulfreund Fret landen nämlich im Spiel und ihr begleitet die beiden auf ein Abenteuer ums Überleben. Das Spiel der Reaper ist hierbei simpel aufgebaut: ihr habt genau eine Woche Zeit, um nicht letzter Platz bei den täglichen Aufgaben zu sein. Das Team, das an Tag 7 den letzten Platz belegt, darf sich nicht freuen und es heißt nur eins: Auslöschung. 

Rindo, Fret und kurze Zeit später Nagi, eine Pin-Sammlerin, und Minamimoto, ein vielleicht bekanntes Gesicht für einige, gründen die Wicked Twisters, welche ganz schön viel Wirbel ins Spiel bringen. Neben euch gibt es vier weitere Teams, welche ums Überleben kämpfen. Die Variabeautys werden von der bildschönen Kanon angeführt, die Purehearts von dem Influencer Motoi, die Deep River Society von Fuya und letztendlich die Ruinbringers, welche stets an der Spitze sind. Früh im Spiel fällt den Protagonisten auf, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann, denn das gesamte Team besteht lediglich aus drei Mitgliedern, wobei der Anführer unbekannt ist. Scheinbar gewinnen sie auch immer das Spiel der Reaper und möchten gerne, dass erneut eine Woche gespielt wird, anstelle wiederbelebt in das RG zu gehen. Tatsächlich gelingt es den Wicked Twisters sogar die Ruinbringers an Tag 7 auf eine harte Probe zu stellen, doch was danach geschieht, steht in den Sternen Shibuyas.

Spielplatz Shibuya

Wer The World Ends with You schon einmal gespielt hat, wird sich sofort im Nachfolger wohl fühlen, denn extrem viele Spielelemente wurden übernommen und sogar verfeinert. Während einer Mission könnt ihr euch, sofern die Route „Freigeschaltet“ ist, frei in Shibuya bewegen und machen, was ihr wollt. Ihr könnt euch modisch einkleiden, mit den Noise (und anderen Teams) kämpfen, lecker Essen gehen oder auch einfach nur die Umgebung und die Menschen beobachten. Jedem Charakter kann man ganz einfach im Menü eine Vielzahl an verschiedensten Kleidungsstücken anziehen. Diese besitzen (wie bei jedem Rollenspiel eigentlich) gewisse Werte und Fähigkeiten, welche sich aber erst ab einem bestimmten Style-Wert aktivieren. Neben LP, Angriff und Verteidigung sind dies die einzigen Werte, um die ihr euch während eures Abenteuers kümmern müsst. Ausrüstung verändert nicht das Aussehen der Charaktere, da sonst interessante Bilder entstehen könnten, da in meinem Spielstand Rindo und Fret mit einem Kleid herumrennen würden. Klamotten, Pins und Nahrung könnt ihr in einem der zahlreichen Geschäfte Shibuyas gegen Yen erwerben. Einige Klamotten könnt ihr sogar nur über das Eintauschen von Pins und extrem seltenen Materialpins ergattern. Diese sind zwar besonders stark, benötigen aber manchmal eine gewisse Vorarbeit.

Neben den Hauptmissionen gibt es auch häufig ein paar Nebenmissionen für euch. Diese geben euch nicht nur wertvolle Freundespunkte, sondern auch Verknüpfungen für euer soziales Netzwerk. Im Sozialen Netzwerk könnt ihr dauerhafte Verbesserungen für euer Team erwerben und einige davon verstärken eure Mächte enorm.

Nahrungsmittel hingegen erhöhen eure Werte permanent für das gesamte Spiel, aber auch hier könnt ihr nicht einfach fröhlich vor euch hinschlemmen, denn nach jeder Mahlzeit erhöht sich die Satt-Anzeige (in Form einer Batterie). Diese entleert sich nach jedem Kampf ein wenig, allerdings könnt ihr es auch übertreiben und über 100 % Sättigung gelangen. Danach könnt ihr so lange nichts essen, bis ihr einmal die Anzeige wieder auf 0 % heruntergeklappt habt. Wer viel Zeit in diese Mechanik steckt, kann sehr schnell seine Werte stark verbessern. Jeder Charakter hat auch seine Lieblingsgerichte, welche manchmal einen Wert zusätzlich verbessern. Die Werte, welche bei der Bestellung des Gerichtes angegeben sind, erhält man allerdings immer. Damit man nicht einen Charakter beliebig nach oben trainieren kann, müssen alle Mitglieder der Party etwas bestellen, damit man auch Essen bekommt. Das geht auch ganz schön schnell ins Geld, daher ist es auch wichtig viele Kämpfe mit den Noise zu machen, damit ihr Geld-Pins oder Pins für den Verkauf habt. 

Pintastisch – Schnapp sie dir alle!

Das Kampfsystem musste natürlich, dadurch das The World Ends with You einen Touchscreen zur Verfügung hatte, komplett verändert werden. Allerdings wurde die Essenz beibehalten und gut umgesetzt. Jeder Charakter im Team kann einen Pin ausrüsten und im Kampf benutzen. Dabei hat jeder Pin die unterschiedlichsten Eigenschaften: Reaktivierungszeit, Anzahl oder Dauer der Benutzungen, Element und auch das Entwicklungstempo. Dabei ist jeder Fähigkeit bzw dem Pin auch ein Knopf zugeteilt: X, Y, L, R, ZL und ZR. Am Anfang könnt ihr immer nur jeden Knopf einmal ausrüsten, später kann man dies jedoch ändern und auch sogenannte Super-Pins ausrüsten. Diese sind viel mächtiger als die normalen Pins, allerdings entwickeln diese sich sehr selten oder auch langsam. Einige Pins reaktivieren sich auch gar nicht, sind dafür aber auch sehr mächtig. Dazu gehören unter anderem auch die Pins, welche eine sofortige Heilung auslösen. Durch über 300 Pins stehen euch auch so viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um eine extrem starke Kombination zu erschaffen, um alle Noise auszulöschen. Solltet ihr in einem Kampf eure Pin-Angriffe gut aneinanderreihen, so steigt euer Groove, mit dem ihr bei 100 %, 200 % und später auch 300 % eine mächtige Attacke ausführen könnt. Groovig sein im Kampf wird also belohnt.

Jedes Noise hat vier Pins, welche ihr von ihm ergattern könnt. Das können Materialien sein, Geld oder auch Kampf-Pins. Hierbei hilft uns das Noise-Kompendium, der beste Freund des Spielers. Im Kompendium sind alle Noise (und andere Feinde) aufgelistet, welche ihr in eurem Abenteuer bekämpft habt. In NEO: The World Ends with You könnt ihr jederzeit den Schwierigkeitsgrad ändern (sofern ihr diesen freigespielt habt) und andere Pins von den Feinden erhalten. Jedoch haben die nur eine gewisse Fundwahrscheinlichkeit. So lässt zum Beispiel ein Noise auf Schwer einen unbekannten Pin mit 5 % Wahrscheinlichkeit fallen und das ist bekanntlichermaßen nicht besonders häufig. Nun könnt ihr, indem ihr euch das Spiel schwerer macht, eure Stufe verringern (Minimalstufe 1) und erhöht pro reduziertem Level die Fundrate um 1. Allerdings sinken auf der anderen Seite eure gesamten Lebenspunkte, wodurch ihr schneller einen Kampf verliert. Sollte die Erhöhung der Fundrate immernoch nicht reichen, so habt ihr noch weitere Möglichkeiten diese zu erhöhen. Zum einen gibt es bestimmte Ausrüstung, die das ermöglicht und zum anderen könnt ihr sogenannte Eskalationen aneinanderreihen. Wenn ihr zum Beispiel eine Kampfkette von 4 erzeugt, so wird eure gesamte Fundrate mal vier gerechnet. Bei einer Fundrate von 10 habt ihr also auf einmal satte 40. Allerdings werden Kämpfe, je weiter sie in einer Kampfkette hinten liegen, stetig schwerer. Solltet ihr auch nur einen Kampf verlieren, müsst ihr die gesamte Kette von vorne beginnen. Durch diese ganzen Werkzeuge und Einstellmöglichkeiten könnt ihr also euer Kompendium schön komplettieren, wenn es auch kein Leichtes wird. Denn schließlich heißt es: Schnappt sie euch alle!

Stylisch, Stylischer, NTWEWY

Wie auch im Vorgänger kann NEO: The World Ends with You in zwei weiteren Punkten glänzen: Grafik und Musik. Shibuya strahlt nur so vor Charme und sieht gerade auf einem OLED-Fernseher fantastisch aus. Die Farben sind kräftig und die Gebäude ragen ständig über dem Spieler, obwohl man manchmal das Gefühl hat, dass sie einen verfolgen. Im Handheld-Modus sieht das Spiel natürlich auch klasse aus, aber ich denke, dass der Titel besonders auf dem neuen OLED-Modell der Nintendo Switch ein sehr gutes Bild machen wird. Merkwürdigerweise ist die Performance in beiden Modi sehr unterschiedlich, denn im Handheld-Modus läuft der Titel sehr häufig über 30 FPS (meist 45, selten auch 60) und im Docked-Modus sind es meistens 30 FPS oder gar 25. Normalerweise ist es bei den meisten Titeln genau anders herum. Insgesamt läuft der Titel sehr rund, wenn auch die Bildrate gerne mal sinkt (allerdings meistens nur bei Spezialangriffen). Im späteren Spielverlauf sind allerdings auch gerne einmal über 8 Noise im Kampf beteiligt und die kleine Switch hält sich dennoch sehr wacker. Weniger erfreulich waren die 3 Crashes, welche ich hatte. Zum Glück traten diese nur außerhalb von Kämpfen auf und werden auch mit dem Day-One Patch behoben. Durch die Autosave-Funktion konnte ich nach dem Crash auch sofort weiterspielen, ohne dass ich Fortschritt verloren habe. 

Der Soundtrack ist einfach nur eine Wucht. Auch wenn viele Titel (gute) Remixes von den Songs aus TWEWY sind, so sind auch beinahe alle neuen Titel extrem gut und bleiben sofort im Ohr. Die meisten Lieder besitzen auch Gesang, was die Atmosphäre stark fördert. Shibuya ist eine lebendige Stadt und dies wird dadurch sehr schnell deutlich. Dabei gibt es auch nicht nur eine einzige Musikrichtung, sondern viele verschiedene wie zum Beispiel Rock, Hip-Hop, Techno oder auch J-Pop. Viele Songs liegen auch in einer englischen und japanischen Form vor, was auch ein weiteres cooles Detail ist. Leider ist nur ein Teil des Spiels synchronisiert, was zu sehr vielen Textboxen zum Lesen führt. Dennoch sind die synchronisierten Texte sehr gut und sowohl die englische, als auch japanische Sprachausgabe muss sich nicht verstecken. Ob Englisch oder Japanisch könnt ihr im Hauptmenü ändern und ist, wie immer, ein sehr willkommenes Feature.

Würdiger Nachfolger und Geheimtipp des Jahres

NEO: The World Ends with You
94 100 0 1
Ich bin ehrlich, ich bin ohne Erwartungen an NEO: The World Ends with You herangegangen, habe dann die Demo gespielt und merkte sofort, dass der Titel den Charme von The World Ends with You versprüht. Die Story ist voller Wendungen und zwingt einen dazu, doch noch einen weiteren Tag spielen zu wollen. Gekoppelt mit dem wundervollen Kampfsystem, der erneut supertollen Musik und dem einzigartigen Stil wirkt alles Rund. Das Spiel versucht hierbei auch immer wieder neue kleine Mechaniken hineinzubringen, was allerdings gegen Ende leicht abflaut. Dadurch wirken einige Aufgaben so, als ob man sie schon mal erledigt hätte. Ebenfalls ist die Performance im Docked-Modus nicht immer die Beste. Mit guten 40-50 Stunden Spielzeit und einem gigantischen Endgame werdet ihr das Spiel jedoch nicht allzu schnell loslassen. So hat ein Nachfolger zum Meisterwerk The World Ends with You auszusehen.
Ich bin ehrlich, ich bin ohne Erwartungen an NEO: The World Ends with You herangegangen, habe dann die Demo gespielt und merkte sofort, dass der Titel den Charme von The World Ends with You versprüht. Die Story ist voller Wendungen und zwingt einen dazu, doch noch einen weiteren Tag spielen zu wollen. Gekoppelt mit dem wundervollen Kampfsystem, der erneut supertollen Musik und dem einzigartigen Stil wirkt alles Rund. Das Spiel versucht hierbei auch immer wieder neue kleine Mechaniken hineinzubringen, was allerdings gegen Ende leicht abflaut. Dadurch wirken einige Aufgaben so, als ob man sie schon mal erledigt hätte. Ebenfalls ist die Performance im Docked-Modus nicht immer die Beste. Mit guten 40-50 Stunden Spielzeit und einem gigantischen Endgame werdet ihr das Spiel jedoch nicht allzu schnell loslassen. So hat ein Nachfolger zum Meisterwerk The World Ends with You auszusehen.
94/100
Total Score

Pro

  • Fesselnde Story mit reichlich Wendungen und Verrat
  • Shibuya erstrahlt im vollen Glanze
  • Soundtrack mit Ohrwurmgarantie
  • Individuell einstellbarer Schwierigkeitsgrad (mit Belohnungen, wenn man schwerer und riskanter spielt)
  • Mit über 300 Pins zahllose Möglichkeiten für den Kampf gegeben
  • Sehr gute englische und japanische Sprachausgabe (frei wählbar)

Contra

  • Gelegentliche Ruckler im Kampf (Docked-Modus)
  • Gegen Ende sind die täglichen Missionen nur noch ein Beiwerk (leichte Ermüdungserscheinungen)
  • Nicht alles ist synchronisiert
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