In einer aktuellen Podcast-Episode haben die ehemaligen Nintendo of America-Mitarbeiter:innen Kit Ellis und Krysta Yang spannende Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen NoA und The Pokémon Company gegeben. Dabei beschreiben sie die Beziehung als mitunter „adversarial“ (widersprüchlich, konfrontativ) und sprechen von einem „Tauziehen um Kontrolle“.
Interne Spannungen: Wer bestimmt die Marke?
Besonders die US-Teams von The Pokémon Company scheinen in der Zusammenarbeit oft auf Konfrontationskurs mit Nintendo of America gegangen zu sein. Laut Ellis und Yang gab es immer wieder Reibungen zwischen den Unternehmen, insbesondere wenn es darum ging, wer die Kontrolle über die Marke hat.
Krysta Yang beschreibt die Situation als eine Art Konkurrenzkampf:
Wenn es um Videospiele ging, wollten sie [The Pokémon Company], dass wir sie einbinden. Aber wenn es um die Marke als Ganzes ging, sagten sie: ‚Das ist unser Bereich, haltet euch raus.‘
Kit Ellis ergänzt:
Wir hatten oft das Gefühl, dass wir aneinandergeraten sind. Vor allem die US-Teams von The Pokémon Company waren sehr fordernd und detailversessen.
Pokémon-Namen, Eisfiguren und „verbotene“ Begriffe
Ein wiederkehrender Streitpunkt war die Aussprache von Pokémon-Namen. The Pokémon Company legte großen Wert auf korrekte Betonungen und bestand darauf, dass selbst Nintendo-Größen wie Reggie Fils-Aimé (ehemaliger NoA-Präsident) ihre Aufnahmen neu einsprechen, falls die Namen nicht perfekt waren.
Wir sollten Reggie dazu bringen, einen Clip neu aufzunehmen, weil eine Aussprache nicht exakt passte. Das war nicht machbar – sein Terminplan ließ das einfach nicht zu.
Ein weiteres Beispiel für die Perfektion, die TPC verlangte, waren Eisfiguren auf Events:
Sie haben eine meiner Eisfiguren schmelzen lassen, weil Ottaros Zehennagel nicht die richtige Proportion hatte.
Auch in der Kommunikation gab es strikte Regeln. So mussten die drei Starter-Pokémon stets als „Partner Pokémon“ bezeichnet werden und durften nicht einfach als „Starter“ betitelt werden. Zudem durften sie nie einzeln, sondern immer als Dreiergruppe gezeigt werden.
Interne Rivalitäten und „Salz in der Wunde“
Krysta Yang führt einen Teil der Spannung auch auf die interne Vergangenheit der Unternehmen zurück. Einige Mitarbeiter der US-Pokémon-Abteilung arbeiteten früher bei Nintendo, mussten aber nach einer Standortverlagerung ihre Jobs aufgeben.
Es gab ein bisschen Salz in der Wunde. Diese Leute mussten ihren Job aufgeben, weil Nintendo sein Sales- und Marketingbüro verlegt hat – und jetzt arbeiteten sie bei The Pokémon Company.
Diese Umstände haben laut Ellis und Yang den Wettbewerb und die Rivalität zwischen den Teams verstärkt.
Ein Blick hinter die Kulissen
Die Berichte von Kit Ellis und Krysta Yang geben einen spannenden Einblick in die internen Dynamiken zwischen Nintendo of America und The Pokémon Company. Sie zeigen, dass selbst innerhalb der Nintendo-Welt nicht immer harmonische Zusammenarbeit herrscht – sondern auch Machtkämpfe und unterschiedliche Vorstellungen über die Kontrolle einer der größten Gaming-Marken der Welt.