Spielelegende Hideo Kojima hat in einem Essay seine Sicht auf Bewerbungsgespräche geteilt – und nennt sie „einen Ort, an dem Lügen auf Lügen treffen“. Gleichzeitig erzählt er, wie ein ehrliches Gespräch mit einem Personalmanager sein Leben veränderte.
Inspiration durch Film & eigene Erfahrungen
In einem Beitrag für das japanische Frauenmagazin An An schrieb Kojima, dass ihn der 2024 erschienene Film Rokunin no Usotsuki na Daigakusei (6 Lying University Students) an seine eigenen Job-Interviews in den 1980er-Jahren erinnert habe.
Damals wollte der junge Kojima unbedingt eine kreative Laufbahn einschlagen, stand jedoch vor großen Hürden:
- Er war Geisteswissenschaftler an einer wenig renommierten Privatuniversität.
- Ihm fehlten Auslandserfahrungen, Sportvereinszugehörigkeit und Netzwerke.
- Viele große Unternehmen sortierten Bewerbungen allein nach Universitätsnamen aus.
„Ich hatte keine Wahl, außer mir selbst etwas vorzumachen und mit der Jobsuche zu beginnen“, schreibt Kojima.
Lügen als Überlebensstrategie
Kojima schildert, dass Lügen fast unvermeidbar waren, um überhaupt eine Chance zu haben. Bewerber mussten sich verstellen, auffallen und den Firmen gefallen:
Alle mussten ihre wahre Persönlichkeit verstecken und sich wie Chamäleons anpassen. Dieses falsche Alltagsleben war weit entfernt von der traumverfolgenden Jobsuche.
Als er in Interviews erwähnte, dass er Romane schreibe, erntete er nur Spott. Erst als er einem Personalchef in einem Medizintechnik-Unternehmen seine wahren Gefühle offenbarte, änderte sich alles.
Der ehrliche Rat, der alles veränderte
Der HR-Manager riet ihm direkt:
Ich denke, Sie sind besser für ein kreatives Feld geeignet, Kojima. Versuchen Sie es dort.
Dieser Rat überzeugte Kojima, sich ausschließlich auf die Spiele- und Spielzeugindustrie zu konzentrieren. Ab diesem Zeitpunkt sprach er offen über seine Schreiberfahrungen, seine Ideenbücher und seine kreative Arbeit.
Das führte 1986 zu seiner Einstellung bei Konami, wo er mit Metal Gear seinen ersten Meilenstein schuf. Der Rest ist Geschichte: die Metal Gear Solid-Reihe, Death Stranding und schließlich die Gründung von Kojima Productions.
Heute selbst auf der anderen Seite
Kojima betont, dass auch Interviewer lügen – da sie im Namen des Unternehmens sprechen und nicht immer ihre persönliche Meinung sagen können. Er selbst halte es jedoch anders:
Ich lüge nicht. Ich gehe ehrlich auf Studierende ein und gebe auch denen Ratschläge, die für den Job nicht geeignet sind – so wie es einst jener HR-Manager tat, dessen Namen ich längst vergessen habe, der aber mein Leben verändert hat.
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