Super Chipflake Ü: Quest for the Uncooked Schnitzel im Test für Nintendo Switch

Manche Helden retten Prinzessinnen, andere ganze Welten. Super Chipflake Ü: Quest for the Uncooked Schnitzel verfolgt einen deutlich bodenständigeren Ansatz: Der Protagonist kämpft gegen den eigenen knurrenden Magen – und begibt sich dafür auf eine skurrile Entdeckungsreise durch das ebenso schräge wie charmante Land „Schländ“.

Vielleicht kennt ihr den YouTube-Kanal Chipflake und vielleicht kennt ihr auch Christian Wasser (besser bekannt als SambZockt), dessen „Die Technik von …“-Serie wir hier bei Nintendo Connect schon häufiger aufgegriffen haben. Darin analysiert er die technischen Grundlagen zahlreicher Spiele, lobt Entwickler für ihren Einfallsreichtum und kritisiert aktuelle Pokémon-Titel. Jetzt liegt mir sein eigenes Spiel vor, das ich kritisieren darf – hihi.

Leider bin ich kein Entwickler und spiele aktuelle Pokémon-Titel trotz der berechtigten Kritik eigentlich ganz gerne. Aber schauen wir uns Super Chipflake Ü mal gemeinsam an.

Super Chipflake Ü ist reich an Geheimnissen und kuriosen Bewohner:innen.

Das Debütprojekt der Hamburger SalsaShark Studios verbindet klassische Collectathon-DNA mit humorvollen Figuren und einer ungewöhnlichen Frage: „Können wir ein Open-World-Collectathon auf der Nintendo Switch in 1080p bei 60 FPS ohne Ladezeiten umsetzen?

Heraus kommt ein kompaktes Open-World-Abenteuer, das bewusst auf Kämpfe, Lebenspunkte und überladene Interface-Elemente verzichtet. Kann das Spaß machen?

Schländ als kompakter Abenteuerspielplatz

Es gibt im Spiel keine Karte. Die Orientierung erfolgt über markante Landmarken, visuelle Eigenheiten der Umgebung und das eigene räumliche Gedächtnis. Erkundung wird belohnt, und man sollte sich die Umgebung gut einprägen, da die Schnitzel-Quest unter anderem eure Ortskundigkeit ordentlich testet. Aber keine Sorge: Die Spielwelt fühlt sich schnell vertraut an. Wer aufmerksam spielt, findet sich erstaunlich gut zurecht.

Das zentrale Ziel bleibt stets klar: Fünf Zutaten müssen gefunden werden, um das legendäre Schnitzel des Schnitzelville-Kochs zu kreieren. Zahlreiche exzentrische NPCs liefern neue Aufgaben und kleine Geschichten, die uns bei Laune halten, während wir Klopfmasse, Paniermehl, Öl, eine Zitrone und natürlich … Liebe suchen.

Wer nicht weiter weiß, findet hilfreiche Kurzvideos auf dem YouTube-Kanal des Studios.

Erkundung statt Kampf: Plattforming, Rätsel und Experimentieren

Zu Beginn des Spiels habe ich mich gefragt, warum es nicht zumindest ein rudimentäres Kampfsystem gibt – wie bei Ruffy and the Riverside zum Beispiel. Einfach ein paar kleine Gegner, die sich Chip in den Weg stellen und hinter seinen getragenen Items her sind. Christian hatte aber wohl keine Lust, ein Inventarsystem zu entwickeln, und eine Katze, die gerade stapelweise Gegenstände mit sich herumträgt, kann eben nicht kämpfen.

Werkzeuge wie Schaufel, Enterhaken oder Speed-Schuhe eröffnen neue Möglichkeiten, die Welt vertikal und horizontal zu erschließen. Schnitzelville – der Ort, an dem ihr die besagte Ausrüstung findet – ist das erste Ziel. Schaut euch in der Stadt gut um, damit ihr versteht, wie ihr im Spiel vorwärtskommt. In Schnitzelville gibt es allerdings keine Zutaten zu finden.

Die Schaufel kann Items ausgraben. Ein „Steinkreis“? Da lässt sich bestimmt etwas ausbuddeln. Eine andersfarbige Stelle am Boden? Hier einfach mal graben. Ob ihr auf Gras, Sand oder Erde buddelt, bestimmt, welche Items ihr erhalten könnt. Es gibt einen Hippie in Schnitzelville, der uns mit Upgrades versorgt und die Wahrscheinlichkeit für Item-Funde erhöht. Bezahlen müssen wir ihn mit sogenannten Katzenminzkristallen.

Die Speed-Schuhe übernehmen das Aufwärtsmomentum beim Springen. Lauft ihr also Schrägen hoch und springt, wird der Sprung extra hoch. Mit gutem Timing kann man so an steilen Wänden hochspringen und mächtige Abkürzungen nutzen. Zudem helfen sie uns dabei, Pizza auszuliefern – damit wir eine der fünf Zutaten für das Schnitzel erhalten.

Katzen lieben gemütliche Wohnungen

Wer ein Fan von Innenbereichen ist, darf sich freuen, denn in Schnitzelville ist Tag der offenen Tür. Manch ein Bewohner wundert sich zwar, weshalb ihr einfach zur Tür hereinplatzt, freut sich aber eventuell auch über eure Gesellschaft oder bittet euch um Toilettenpapier. Einer hat sich zum Beispiel ausgesperrt. Wir tun das Nächstlogische, dringen durch das Fenster ein und sorgen für Unordnung – natürlich nur während der Suche nach dem Schlüssel.

Items tragen, kombinieren und neu denken

Die zentrale Spielmechanik von Super Chipflake Ü ist das Tragen und Kombinieren von Items. Ein klassisches Inventar existiert nicht – alle Gegenstände werden direkt in den Händen getragen und gestapelt.

Um mehr Items tragen zu können, wendet ihr euch an den zuvor angesprochenen Hippie in Schnitzelville. Items lassen sich kreativ miteinander verbinden, um neue Effekte freizuschalten, Hindernisse zu überwinden oder NPCs auszuhelfen. So lassen sich drei Äste beispielsweise in ein Holzbrett verwandeln – wovon ein NPC gleich drei Stück für den Bau einer Brücke benötigt. Wie auch immer das für eine ganze Brücke ausreichen soll.

Holzbretter? Wie wäre es mit Toilettenpapier und einer Vase, Sir?

Leider kann Chipflake keine Items tragen, während er die Speed-Schuhe trägt oder die Schaufel beziehungsweise den Greifhaken benutzt. Hier kommen die Items wortwörtlich zum Tragen. Der Ventilator macht euch schneller – auch mit Dingen in der Hand. Sucht dafür nach einer Feder und einer Metallplatte. Werden mehrere kompatible Items – wie etwa Ventilator und Schweballon – gleichzeitig getragen, können sich ihre Effekte sogar kombinieren.

Neue Kombinier-Rezepte werden durch Gespräche mit Sabrina freigeschaltet. Ein Ingame-Buch zeigt euch alle gesammelten Gegenstände, offenen Quests und potenziellen Kombinationshinweise. Pfeilsymbole signalisieren, welche Items weiterverwendet werden können – ein dezentes, aber hilfreiches Orientierungssystem.

Super Chipflake Ü: Quest for the Uncooked Schnitzel fordert bewusst Geduld und Aufmerksamkeit: Die kurzen Tutorial-Texte zu Beginn des Spiels sollten unbedingt gelesen werden, da die Mechaniken nicht sofort selbsterklärend sind.

Humor, Charaktere und kleine Geschichten

Ein wesentlicher Reiz liegt im humorvollen Tonfall des Spiels und den liebevoll gestalteten Figuren. Die Bewohner:innen von Schländ sind bewusst überzeichnet, teilweise absurd und oft überraschend herzlich. Viele Nebenquests leben weniger von mechanischer Komplexität als von Dialogen, situativem Humor und kleinen erzählerischen Ideen.

So treffen wir ganz am Anfang auf Brocko, dessen Steine entlaufen sind. Er sucht allerdings keine gewöhnlichen Steine: Der eine soll aussehen wie eine Krankenschwester mit pinken Haaren, während der andere eine Polizei-Aufmachung hat. Die Anspielung ist klar – bei Pokémon-Fans der ersten Stunde dürfte es spätestens bei diesem Bild klingeln:

Brockos modernes Leben.

Besonders „oldschool“ ist die Dating-Quest gestaltet. Um das Herz von Alex in einer Dating-Show zu erobern, können wir entweder per Trial-and-Error auf die gestellten Fragen antworten oder in Schnitzelville gezielt nach Hinweisen suchen. Haltet hierfür am besten Papier und Stift bereit, um möglichst gut vorbereitet zu sein.

Die Vase gehört eher zu Bares für Rares, statt in eine Dating-Show.

Technik und Performance auf Nintendo Switch

Technisch setzt das Spiel ein klares Ausrufezeichen: Die Entwickler geben an, dass die Nintendo-Switch-Version in 1080p bei 60 Bildern pro Sekunde läuft – ohne Ladebildschirme nach dem Start des Spiels. Das stimmt auch, soweit ich das beurteilen kann, allerdings sind Innenräume ihre eigene Instanz. Zum einen gibt es eine Schwarzblende, zum anderen setzt die automatische Speicherung ein, sodass man auch mal eine Pause einlegen kann.

Als Nintendo Switch 2-Besitzer, würde ich mich richtig über eine dafür optimierte Version des Spiels freuen, war mit der Performance und Auflösung auf Nintendo Switch aber auch sehr zufrieden. Rückt mal ein Dev-Kit für SalsaShark Studios raus bitte, Nintendo!

Auch auf dem Steam Deck ist eine Optimierung vorgesehen. Schließt euer Steam Deck – sofern ihr die PC-Version des Spiels besitzt – an den Fernseher an und genießt das Spiel mit bis zu 4K-Ausgabe bei 60 FPS. Da wünscht man sich doch eine Version für Nintendo Switch 2. Letzteres hängt allerdings davon ab, wie gut sich das Spiel verkauft.

Visuell setzt Super Chipflake Ü auf eine farbenfrohe, stilisierte Darstellung mit klaren Formen. Auf Nintendo Switch waren Pop-ups zu beobachten, die besonders bei hoher Geschwindigkeit mit den Speed-Schuhen auffielen, mich aber nicht störten. Auch das könnte auf Nintendo Switch 2 besser werden – also Spiel kaufen, wenn ihr das Spiel und seinen deutschen Entwickler unterstützen wollt oder auf die Wunschliste setzen.

Neben den angesprochenen Pop-ups hatte ich noch zwei weitere technische Problemchen. Ohne Day-1-Patch bin ich auf dem Trash Place an einer Stelle hängen geblieben und kam nur raus, indem ich das Spiel beendet und neu gestartet habe. Dank Autosave war das auch kein Problem und ich stand anschließend vor Chips Haus – also im Startgebiet. Das soll laut Christian mit dem Update behoben sein. Und dann war da noch… das gebrochene Bein.

Keine Ahnung, wie das zustande kam, Chipflake konnte sich aber noch normal fortbewegen. Nur hing das eine Bein ein wenig merkwürdig in der Luft. Ein Neustart half auch hier.

Umfang, Motivation und Wiederspielwert

Wer auf 100 Prozent spielen möchte, kann Sammelobjekte wie Katzenminzkristalle aufspüren sowie Extras freischalten – etwa Kurzfilme, Musik-Remixe oder versteckte Artworks. In den Artworks sind viele Dinge zu sehen, die es nicht mehr ins Spiel geschafft haben. Uns wurde allerdings verraten, dass einige davon nachträglich eingebaut werden könnten. Das hängt – ihr ahnt es – davon ab, ob sich das Spiel wirtschaftlich trägt.

Dank neuer Kombinier-Rezepte und Utensilien wie den Speed-Schuhen entsteht ein stetiger Lern- und Verbesserungsprozess. Die 100-Prozent-Belohnung soll sich lohnen, sagt man.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es Sticker gibt? Jede abgeschlossene Quest belohnt euch mit einem Sticker, den ihr wiederum bei einem NPC in Schnitzelville zu Geld machen könnt – die zweite Währung neben den Katzenminzkristallen. Schaut euch in der Stadt genau um, und ihr werdet schnell verstehen, was als Nächstes zu tun ist.

Die Einstellungen sprechen meine Sprache

Im Optionsmenü, das man über die Plus-Taste und „Einstellungen“ erreicht, gibt es unter anderem die Sprachoption. Hier könnt ihr wahlweise zwischen Deutsch und Englisch wechseln. Und obwohl ich die Musik des Spiels grundsätzlich mag, bin ich froh, dass sich Musik-, Soundeffekt- und Gesamtlautstärke separat einstellen lassen. Die Jahrmarkt-Musik in Dauerschleife hat ansonsten fast schon Horrorfilm-Potenzial – ideal für eine Folterszene.

Schade ist, dass es auf Nintendo Switch keine Möglichkeit gibt, auf Musik von Nintendo Music zurückzugreifen. Das wäre für manch ein Spiel ein spannendes Feature.

Aber, nur um das nochmal hervorzuheben: Es gibt echt ein paar Melodien, die mir auch nach dem Spielen noch eine Weile im Kopf blieben. Anders als bei manch einer AAA-Produktion. Die Stadtmelodie aus Pokémon-Legenden: Z-A kann ich beispielsweise nicht mehr hören. Und wenn ich aus einem Interview richtig informiert bin, hat Super Chipflake Ü rund 200.000 Euro an Produktionskosten verschlungen, was ich beachtlich finde.

Ein ungewöhnlicher Collectathon

Super Chipflake Ü: Quest for the Uncooked Schnitzel benötigt ein wenig Zeit zum Warmwerden – wie bei einem guten Schnitzel. Statt Kämpfen und Skilltrees setzt das Spiel auf Neugier, Experimentierfreude und humorvolle Entdeckungen. Die kompakte Open World, das kreative Item-System und der charmante Präsentationsstil schaffen eine eigenständige Identität, die sich klar an Fans von Banjo-Kazooie oder Conker’s Bad Fur Day richtet.

Super Chipflake Ü erscheint am 19. Januar 2026 für Nintendo Switch und PC (via Steam). Die UVP im Nintendo eShop liegt bei 19,99 Euro –  bis zum 26.01. zahlt ihr nur 17,99 Euro.

78 100 0 1
Pop-ups stören mich persönlich nicht unbedingt, sind aber vorhanden und deutlich sichtbar. Bugs zwangen mich dazu das Spiel zu schließen und neu zu starten und der Musik-Loop kann nervig werden, wenn man länger in einem Gebiet verweilt. An vielem soll jetzt aufgrund von Nutzerfeedback gearbeitet werden. Ich bin mir daher relativ sicher, dass dann spätestens zum Nintendo Switch 2 Upgrade eine viel bessere Version des Spiels auf meinem Tisch liegen wird. Würde ich Super Chipflake Ü empfehlen? Ja, definitiv! Es hat seinen Charme, kostet nur'n Zwanni (aktuell sogar nur 17,99 €) und das Herumtüfteln mit den Items, sowie sammeln der vielen Dinge, macht Spaß.
Pop-ups stören mich persönlich nicht unbedingt, sind aber vorhanden und deutlich sichtbar. Bugs zwangen mich dazu das Spiel zu schließen und neu zu starten und der Musik-Loop kann nervig werden, wenn man länger in einem Gebiet verweilt. An vielem soll jetzt aufgrund von Nutzerfeedback gearbeitet werden. Ich bin mir daher relativ sicher, dass dann spätestens zum Nintendo Switch 2 Upgrade eine viel bessere Version des Spiels auf meinem Tisch liegen wird. Würde ich Super Chipflake Ü empfehlen? Ja, definitiv! Es hat seinen Charme, kostet nur'n Zwanni (aktuell sogar nur 17,99 €) und das Herumtüfteln mit den Items, sowie sammeln der vielen Dinge, macht Spaß.
78/100
Total Score

Pro

  • Charmante Figuren und gelungener Humor
  • Originelles Spielkonzept
  • Musterbeispiel (Performance und Auflösung) auf Nintendo Switch

Contra

  • Der Humor ist Geschmackssache
  • Hauptquest relativ kurz
  • Musik-Loop kann nerven, wenn man zu lange an einem Ort verweilt
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Trustpilot
TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste
Total
0
Share