Nintendo of America glaubte nicht an den Erfolg von Pokémon in den USA

Heute gilt Pokémon als eines der größten Videospiel- und Multimedia-Franchises der Welt – doch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Pokémon Rot & Blau in den USA war der Erfolg alles andere als sicher. Nintendo of America selbst glaubte nicht daran, dass die Reihe außerhalb Japans funktionieren würde.

Diese Einschätzung teilten offenbar auch andere Unternehmen, darunter der damalige Spielzeughersteller Toy Biz, wie ehemalige Mitarbeiter nun in Interviews mit Time Extension bestätigten.

Skepsis im eigenen Haus

Schon Shigeru Miyamoto erinnerte sich 1999 daran, dass ihm gesagt worden sei, Pokémon werde „niemals amerikanische Spieler ansprechen“ – und er selbst habe nicht daran geglaubt, dass es je eine englische bzw. internationale Versionen geben würde.

Auch Gail Tilden, die erste Chefredakteurin von Nintendo Power, berichtete später, dass ein RPG auf dem Game Boy aus Marketingsicht „tödlich“ gewirkt habe. Innerhalb Nintendos US-Zentrale gab es sogar Überlegungen, die Grafik zu ändern, oder die Spieler in einer Baseball-Liga antreten zu lassen, was dem nordamerikanischen Markt eher zusagt.

Leslie Swan: Ohne Gail Tilden wäre Pokémon im Westen vielleicht nie erschienen

Die damalige Localization-Direktorin Leslie Swan erklärte jetzt, dass es viel Überzeugungsarbeit brauchte, um Pokémon überhaupt in den USA starten zu lassen. Vor allem Gail Tilden habe maßgeblich daran gearbeitet, dass Nintendo of America das Potenzial der Reihe erkannte:

Es war keineswegs beschlossene Sache, dass Pokémon in den USA erscheinen würde. Gail hat wirklich hart daran gearbeitet, dass es passiert.

Toy Biz: „Wir haben es nicht verstanden“

Nicht nur Nintendo hatte Zweifel. Toy Biz, damals stark im Lizenzgeschäft tätig, lehnte eine frühe Zusammenarbeit ab. Jesse Falcon schilderte, dass 4Kids Entertainment 1998 das Franchise anbot – doch bei Toy Biz hieß es nur: „Wir verstehen es nicht.“

Ein folgenschwerer Fehler: Denn schon kurz darauf löste die Reihe die weltweite Pokémania aus. Toy Biz stieg zwar später 2000 ins Geschäft ein und produzierte unter anderem Magnetfiguren und Pokémon-Murmeln – allerdings zu einem deutlich höheren Preis und mit eingeschränkten Lizenzen.

Rückblickend wirkt es fast unvorstellbar, dass Nintendo of America und große Lizenzpartner Pokémon unterschätzten. Heute hat die Marke über 450 Millionen verkaufte Spiele und ein Milliarden-Franchise geschaffen – ein Paradebeispiel dafür, wie Skepsis gegenüber einem ungewöhnlichen Konzept zum größten Fehleinschätzen der Videospielgeschichte wurde.

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