Rassismus-Vorwurf im ZDF Fernsehgarten: Kiewel entschuldigt sich – aber reicht das?

Ein eigentlich harmloser Pokémon-Moment im ZDF Fernsehgarten hat sich zur handfesten Rassismus-Debatte ausgewachsen. Anlass war die 90er-Dance-Party am vergangenen Sonntag, zu der Moderatorin Andrea „Kiwi“ Kiewel zwei Expertinnen eingeladen hatte, um anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Pokémon-Sammelkartenspiels über ihre Leidenschaft für Pokémon-Karten zu sprechen – live vor rund 1,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern.

Was geschah?

Im Gespräch ging es unter anderem um die „Pikachu World Collection“, eine Sammelkarten-Kollektion mit Pikachu-Karten aus verschiedenen Länder- und Sprachversionen. Kiewel bezeichnete eine japanische Karte zunächst als „chinesisch“ – obwohl auf der Karte deutlich „Japanese“ stand – und sagte anschließend lachend: „Ching Chong Chang“.

Zwei Probleme, nicht eines

Einfach Japanisch der sich mit seinem YouTube-Kanal auf die japanische Sprache und Kultur spezialisiert hat, analysierte den Vorfall in einem ausführlichen Video und arbeitet dabei zwei getrennte Punkte heraus: Zunächst handelt es sich um einen Wissensfehler – niemand muss japanische Schrift erkennen können, und man hätte die Gelegenheit vor Ort nutzen und fragen können. Das eigentliche Problem war jedoch ein anderes: „Ching Chong Chang ist keine Sprache, sondern eine Folge vermeintlich lustiger Laute“. Das Problem entsteht nicht durch das Nichtwissen, sondern durch das, was Kiewel daraus gemacht hat.

Warum der Spruch verletzt

Viele asiatische Menschen wurden mit genau diesen Lauten ihr ganzes Leben lang verspottet. Selbst wenn keine böse Absicht dahinterstand, hätte Kiewel viel reflektierter an die Sache herangehen müssen. Die Begrüßung ‚Nĭ hăo‘ oder ‚Konnichiwa‘ kann man durchaus mal gehört haben. TikTokerin Thi ergänzt: „Es geht darum, dass eine Sprache, die Kultur und letztendlich Menschen auf irgendwelche bedeutungslosen Laute reduziert werden. Wenn du es nicht besser weißt, dann hält man in dem Moment lieber die Klappe.“

Die Entschuldigung – und ihre Schwächen

Das ZDF reagierte mit folgendem Statement: „Im ‚ZDF-Fernsehgarten‘ mit dem Motto ‚90er Dance Party‘ wurde der damals aufkommende Pokémon-Trend beleuchtet. Die spontan getätigte Äußerung war der Live-Situation geschuldet und keinesfalls rassistisch gemeint. Andrea Kiewel bedauert ihre Worte und entschuldigt sich dafür. Das ZDF stellt sich explizit gegen jede Form von Rassismus.“

Das klingt allerdings eher wie eine Scheinentschuldigung. Es wird nicht erklärt, warum der Spruch Menschen verletzt, und nicht deutlich gemacht, was der Sender daraus lernen will. Eine überzeugendere Reaktion hätte laut Einfach Japanisch etwa so aussehen können: „Wir verstehen, dass dies ein rassistisches Stereotyp reproduziert und Menschen verletzt hat. Das hätte nicht passieren dürfen. Wir werden das intern besprechen und aufarbeiten.“

Ist das nun Rassismus?

Andrea Kiewel ist keine Rassistin – da sind sich die meisten einig. Aber die konkrete Aussage greift ein rassistisches Stereotyp auf und trägt es weiter.

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