Samurai Warriors 5

Seien wir mal ehrlich; Geschichtsunterricht in der Schule war immer sehr trocken. Je nach Lehrer tendenziell sogar sterbenslangweilig. Gerne haben Lehrer sich auch an einem Thema über Jahre festgebissen und man hat nie wirklich erfahren, was außerhalb der Weltkriege so in der Geschichte der Menschheit passiert ist.

Vielleicht stempeln wir so die Geschichte unrechtmäßig als langweilig ab und lernen erst auf anderen Wege die Geschichte anderer Perioden kennen. Und die Samurai Warriors-Reihe befasst sich mit den Kriegen in Japan, wobei der aktuelle Samurai Warriors-Titel mit der 5 im Namen eher ein Reboot darstellt. Das bedeutet, dass kein Vorwissen aus den Vorgängern nötig ist, sondern alles nochmal von vorne erzählt wird. Und um besagtes Samurai Warriors 5 soll es hier in dieser schriftlichen Review nun auch gehen.

Feudale Kriegsführung

Die Geschichte um Nobunaga Oda kennt man dann auch eher beiläufig oder aus diversen Anime angeschnitten. Details fehlten und irgendwann spielt man Spiele wie Samurai Warriors 5 und folgt der Geschichte von eben Nobunaga und erfahren, das er Japan weit Schlachten führte, aber zu einem eigentlich sehr noblen Ziel: Ganz Japan unter einer Fahne zu vereinen.

Auch erfahren wir, das Nobunaga einen Bruder hatte, Nobuyuki.  Dieser zettelte symbolisch Aufstände gegen Nobunaga an, um dann symbolisch Selbstmord zu begehen, um den Truppen mehr Bindung zu eben Nobunaga und seiner Herrschaft zu geben: Wer erwischt wird, wird niedergemacht – Und wenn es die eigene Familie ist. Zwangshochzeiten waren an der Tagesordnung, ebenso wie Anschläge während der Hochzeit. Das feudale Japan war halt nicht unbedingt besser als das europäische Mittelalter.

Die Geschichte folgt dabei nicht nur Nobunaga durch die Schlachten, sondern beleuchtet auch Schlachten von der Gegenseite aus oder komplett andere Schlachten in denen relevante Persönlichkeiten aus seinem Gefolge, oder seine Gegenspieler, teilgenommen haben. Als zweiter großer Charakter wird Mitsuhide Akechi etabliert, aber auch vermeintliche Zweit-Charaktere wie Hideyoshi Hashiba sind präsent. Das Spiel erzählt nicht zwingend mit exakter Genauigkeit, sondern eher mit Anime-typischer Überzeichnung die Geschehnisse der Sengoku-Ära, welche 1467 bis 1568 nach Christus in Japan stattfand. Manche Krieger, die wir steuern, verfügen auch über eine Art von Magie, oder Nobunaga selber entfacht ein Feuerinferno mit dem Schwung seines Katanas… Historisch akkurat ist anders, aber hey: Es ist noch immer ein Videospiel!

Und wo wir beim Videospiel sind: Genauso wenig hat Nobunaga alleine mehrere tausende Leute in der Schlacht über den Haufen gemäht. Und wenn doch wäre Japan damals sicher viel menschenleerer gewesen. Wer den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstanden hat, Samurai Warriors 5 ist ein Warriors bzw. Musou-Spiel. Ein paar Krieger gegen scheinbar die Welt. Dabei nutzen wir Kombos, um uns möglichst effizient durch die Horden an Gegnern zu schnetzeln und erledigen diverse Aufgaben um den Sieg auf dem Schlachtfeld zu erlangen.

Auch stehen uns ein paar “Ultimative Fähigkeiten”, also Fähigkeiten mit Cooldown, zur Verfügung, die jeder Krieger mit der Zeit lernt. Etwa kann Nobunaga selber mit dem Katana nicht viel gegen Schildträger ausrichten. Aber mit dem Helmberster springt er hoch in die Luft (Anime-typische Überzeichnung halt) und rammt die Gegner förmlich in den Boden. Hat der Helmberster seinen Cooldown, reicht aber auch ein Sprung in die Luft, gefolgt mit der X-Taste um einen “Helmberster Light” auszuführen, ohne jegliche Art von Cooldown. Andere Kämpfer wirbeln mit zwei Schwertern wie ein Wirbelwind über das Feld und ziehen auch Gegner näher ran um ihnen dann nach dem Angriff den letzten Stoß zu geben. Ein Pferd steht jedem Kämpfer ebenfalls zur Verfügung, mit dem wir über das Schlachtfeld rauschen können und so auch passive Boni während des Ritts erhalten.

Der große Spezialangriff, Musou-Angriffe genannt, setzt dann nochmal ein größeres Feuerwerk frei, sind aber anfangs enttäuschend schwach. Hier spielen Werte, Fähigkeiten und Ausrüstung rein, die wir zwischen den Schlachten optimieren können. Auf dem Schlachtfeld erhalten wir Gold, Waffen und Erfahrungspunkte. Je nach Wertung der abgeschlossenen Schlacht eben mehr oder weniger. Mit Gold können wir Ausrüstung kaufen und mit besonderen Materialien aus dem Zitadellen-Modus, dazu später mehr, die Gebäude unserer Burg aufwerten.

Wer bisher nur die üblichen verdächtigen der Musou-Spiele auf Nintendo Switch gespielt hat, also etwa Hyrule Warriors und Fire Emblem Warriors, merken wir hier einige Abweichungen. So kann jeder Krieger jede Art von Waffe tragen, hat aber eine bevorzugte Waffe, mit der er schneller auflevelt und neue Fähigkeiten sowie Kombos freischaltet. Waffen können in ihre Sockel und Gold zerlegt, oder später zu besseren Waffen verschmolzen werden.

Auch bietet jeder der 37 Kämpfer einen eigenen Talentbaum, welchen wir mit immer höher werdendem Level ausschmücken können. Erwähnte Sockel können wir in jede Waffe mit freien Plätzen einsetzen oder überschreiben und die Sockel selber auch mit Gold aufwerten. Pferde können auch aufleveln und Fähigkeiten antrainiert bekommen. Wollen wir die Erfahrung oder eine Fähigkeit eines Pferds auf ein anderes übertragen kommt auch die bekannte Verschmelz-Mechanik zum Einsatz… Was makaber genug ist, weil es sich hier um ein Lebewesen handelt.

Auch sparen wir nach Schlachten Fertigkeiten und Trainingspunkte an oder kaufen diese im Laden ein und können so im Dojo unsere Kämpfer außerhalb der Schlachten aufleveln lassen, sofern genug Punkte vorhanden sind. Im Zitadellen-Modus schlagen wir fiktive Schlachten, wo wir mit zwei Kämpfern und diversen Armeetypen für mehrere Minuten eine Festung verteidigen müssen und dabei zufällige Aufgaben erledigen. Dort erhalten wir auch Material um die Werkstätten wie Dojo, Schmied und die Stallungen aufzuwerten. Etwa können wir im Stall dann 10 anstelle von 5 Pferden halten, im Dojo können wir unsere Waffenfertigkeiten noch höher trainieren und so weiter.

Was auch im Zitadellen-Modus passiert, ist, dass sich bestimmte Kämpfer näher kommen können. Ähnlich wie in Fire Emblem erhalten wir so weitere kleine Zwischensequenzen, die das Verhältnis zwischen den einzelnen Charakteren zeigt. Etwa erfahren wir in einem vertraulichen Gespräch zwischen Mitsuhide und Nobunaga, dass Mitsuhide es als essenziell erachtet, sich im Kampf stets vorzustellen. Warum? Spoiler ich euch an dieser Stelle nicht.

Aber Achtung: Nicht jede Figur kann eine Bindung mit einer anderen aufbauen, was in der Geschichte begründet ist. Einige sind halt nicht mehr am Leben bevor andere Teil der Geschichte werden. Und diese Bindung hat auch jenseits dieser Zwischensequenzen keinerlei Relevanz, wenn wir nicht gerade auf die 100 % hinarbeiten wollen. Und natürlich können wir geschlagene Schlachten nochmals im Freien Modus angehen, wo wir dann größtenteils auch die Wahl der spielbaren Kämpfer nicht vorgegeben bekommen, sondern mit jedem freigespielten Charakter ins Getümmel stürzen können.

Grafisch anspruchsvoll mit zweckmäßiger Musik

Samurai Warriors 5 präsentiert sich in einem nüchternen Design, deutlich realistischer als die eben erwähnten Nintendo-Ableger und bietet eine erfreuliche Performance im direkten Vergleich zu Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung. Die Framerate bricht zwar ein paar Mal ein, aber die Grafik selber ist realistischer angelegt. Allerdings auf Kosten der Abwechslung. Während das eben erwähnte Musou-Spiel öfter mit der Umgebung spielt und auch verschiedene Tageszeiten und Wetterverhältnisse hat, bewegen wir uns hier oft schlauchartig durch, aus Versatzstücken zusammen gestellten, Schlachtfeld-Korridoren.

Ein riesiges Anwesen bildet am Anfang eine schöne Abwechslung, und ab und an ist auch ein größeres Feld auf dem Schlachtfeld, wo sich eine große Schlacht erahnen lässt. Aber meist sind wir in Schläuchen von A nach B unterwegs und erkennen öfters Versatzstücke wieder, weil diese eine Kurve halt schonmal vor ein paar anderen Schlachten bereits da war. Und in den ersten Kapiteln gibt es tatsächlich nur eine Situation wo es regnet und gewittert… Ansonsten scheint immer nur die Sonne.

Die Geschichte wird zwischen den Schlachten in der Spielgrafik erzählt, wobei die meisten Besprechungen der Schlüsselfiguren sind, warum die Armee gerade dort hin marschiert und was sonst gerade passiert ist. Schlüsselmomente werden in vor gerenderten Sequenzen aufwendig gezeigt, und können nicht nur zwischen den Schlachten abspielen, sondern auch auf dem Schlachtfeld selber. Tontechnisch bekommen wir meist nebenher plätschernde Musik präsentiert. Leider ist nicht viel Einprägendes dazwischen, ist aber durchaus zweckmäßig und hat auch ab und an seine Treffer. 

Ansonsten erhalten wir während der Schlacht saftige Töne auf die Ohren. Mit einer richtigen Soundanlage hören wir etwa, wenn Nobunaga zum Helmberster ansetzt, einen mächtigen Bass, der akustisch die Macht der Attacke nochmals unterstreicht. Während das Spiel selber in allen möglichen Textsprachen übersetzt wurde, auch Deutsch, ist die gehörte Sprache nur auf Japanisch vorhanden. Und zwar durchweg. Anders als in etwa Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung, wo irgendwann die Figuren in Grunzlaute verfallen.

Aber leider verpassen wir oft viele Dialoge, weil wir sie dank der japanischen Sprache nicht verstehen können – zumindest ich nicht. Und die Konzentration aufbringen, einem Textfeld zu folgen, ist auch eher mühselig. Aber alles in allem ist die Präsentation und die Akustik des Spiels stimmig und passt zueinander.

Der Weg zur Einigkeit

Samurai Warriors 5 will eine Geschichte über Schlachten erzählen. Das Musou-Genre ist perfekt dafür geeignet und wurde auch super umgesetzt. Wenn man sich allerdings viel mit den Musou-Spielen mit Nintendo-Marken auseinandergesetzt hat, merkt man, dass hier der gewisse Feinschliff fehlt. So sind uns etwa Übersetzungsfehler aufgeffallen. Manchmal ist es auch, gerade durch den Realismus, etwas schwer zu erkennen, wie man an den Gegner herantreten muss. Viele, viele Männchen wuseln  überall herum. Details wie Schilde erkennt man vielleicht gar erst zu spät und verliert durch Unachtsamkeit seinen Kombo-Meter.

Andere Gegner sind wahrliche Schadensschwämme und müssen gefühlt Minuten verkloppt werden, bevor sie endlich besiegt sind. Das ist dann ein gutes Zeichen nach der Schlacht nochmal über seine Ausrüstung und die eigenen Fähigkeiten zu schauen.

Mit 37 Kämpfern, welche alle, soweit ich das nachvollziehen kann, alle ihre Wurzeln in der Geschichte Japans haben, ist auch viel Geschichte zu lesen. Der Ladebildschirm dient oft zum Einblenden einer kurzen Biografie einer Figur und zeigt öfter Aussicht auf spätere Charaktere, aber ohne Details einer Biologie. Eine nette Idee einer Vorschau was da noch für Charaktere auftauchen werden. Auch scheint das Menü darauf ausgelegt zu sein, dass weitere Charaktere via DLC folgen können. Bleiben wir also gespannt, wer da noch Einzug in den Kader hält. Hoffentlich auch Teil einer Geschichte um nicht einfach nur “da” zu sein.

Noch ein Detail, was sich als praktisch herausgestellt hat: Wir können in Kämpfen einen Zwischenstand erstellen und das Spiel beenden. Beim nächsten Start des Spiels beginnen wir dort in der Schlacht, wo wir aufgehört haben. Das ist sicherlich für alle Plattformen ein ideales Feature, wenn man mal ein anderes Spiel spielen möchte oder halt keine Nintendo Switch mit Standby-Modus besitzt.

Auch gibt es wieder einen 2-Spieler-Modus, Co-Offizier-Modus genannt, aber dieser endete zumindest auf der Nintendo Switch in einer etwas abartigen Ruckelpartie, kurioserweise schlimmer als die Erfahrung die wir in Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung gemacht haben. Und einige Übersetzungen sind zum Zeitpunkt der Niederschrift schlichtweg falsch. Schalten wir etwa Kämpfer im Laufe der Story frei, erhalten wir die Meldung das diese für den freien Modus jetzt verfügbar sind. Nur steht dann da halt “nicht verfügbar”. 

Und… Ich habe keine Ahnung wo das hier sinnvoll untergebracht wäre: Der Kamerastick ist viel zu empfindlich und allgemein ist die Kamera manchmal mehr im Weg als Nobunagas Widersacher, wenn wir uns in eine Ecke manövriert haben.

Des Shoguns Urteil

Für wen ist nun Samurai Warriors 5 ein Spiel, das er oder sie sich zulegen sollte? Auch wenn es für viele eintönig klingen mag: Musou-Spiele leben von der Power-Fantasy. Ich habe ganz alleine 1.500 Mann besiegt und die Burg zu Kyoto eingenommen! Solche Spiele sind auch ideal zum Abschalten, ähnlich wie bei einem Lootgrinder à la Diablo 3, wenn uns auch nicht der Loot, sondern eher die Höhe des Kill- und Kombozählers antreiben.

Auch ist Samurai Warriors 5 ein kleines Content-Monster, wo man etliche Stunden drinnen versinken kann, um den Zeiger auf 100 % zu erarbeiten. Aber zum grundlegenden Durchspielen der Story sollte man mit etwa 30 Std. Spielzeit rechnen können.

Samurai Warriors 5 erschien am heutigen 27. Juli 2021 auf dem westlichen Markt für Nintendo Switch, PC, Xbox One und PlayStation 4, wobei der japanische Markt bereits seit dem 24. Juni auf den Schlachtfeldern der Senkogu-Ära unterwegs sein darf.

Samurai Warriors 5
75 100 0 1
Wer nichts mit so etwas anfangen kann, sollte am besten einen Bogen um jegliche Art von Musou machen. Wer noch gar keine Berührungspunkte mit dieser Art von Spiel hat: Zu Samurai Warriors 5 gibt es auf jeder Plattform eine kostenlose Demoversion, wo auch der Spielstand sich in die Vollversion importieren lässt.
Wer nichts mit so etwas anfangen kann, sollte am besten einen Bogen um jegliche Art von Musou machen. Wer noch gar keine Berührungspunkte mit dieser Art von Spiel hat: Zu Samurai Warriors 5 gibt es auf jeder Plattform eine kostenlose Demoversion, wo auch der Spielstand sich in die Vollversion importieren lässt.
75/100
Total Score

Pro

  • Power-Fantasy mit realistischem Setting...
  • Massenhaft Content...
  • Hervorragende japanische Tonspur...
  • Story folgt echter japanischer Geschichte...
  • … mit einem leichten Anime Augenzwinkern und weiteren Freiheiten.

Contra

  • … kann schnell repetitiv werden.
  • … 100 % zu erreichen ist eine Heidenarbeit. Fraglich ob sich das lohnt.
  • … aber eben nur japanisch und schwer während der Schlacht zu folgen.
  • Ruckeliger 2-Spieler Couch-Coop.
  • Texte während der Schlacht nur bedingt lesbar.
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