Vor beinahe 10 Jahren hat Frictional Games Soma veröffentlicht und damit viele Fans gefunden. Vorher war das Studio bekannt für seine sonderbaren Horror-Games Penumbra oder auch Amnesia. Soma war einer der wenigen Titel, der es noch nicht auf Nintendos Heimkonsole geschafft hatte, doch nun hat das Warten endlich ein Ende und Nintendo-Fans können jetzt auch in den Genuss dieses Unterwasser-Horrortrips kommen. Ob der Titel sich auch auf Nintendo Switch entfalten kann, erfahrt ihr, wenn ihr euch mit uns auf eine Tauchfahrt begebt.

Eine einfache Operation
Nach einem Albtraum erwacht ihr im Körper von Simon Jarett im Jahre 2015 und müsst erst einmal selbst herausfinden, was genau passiert ist – oder passiert sein könnte. Ihr erfahrt, dass Simon einen schweren Autounfall gehabt haben muss und dadurch einen permanenten Hirnschaden davongetragen hat. Um eventuell wieder normal leben zu können, unterzieht Simon sich einer neuen Hirn-OP, die verspricht, dass er von seinen Schäden befreit wird.
Auf einmal erwacht Simon aber in einer futuristischen Umgebung. Kein Sonnenlicht entdeckt er, sondern nur kalte, metallische Gänge, und er hat keine Ahnung, was passiert sein könnte. Durch einige Tagebücher und Rückblicke erfährt er, dass er sich auf Station Upsilon befindet. Die Station gehört zum sogenannten PATHOS-II-Komplex und befindet sich am Grund des Nordatlantischen Meeres.
Etwas, was Simon beunruhigt, ist der Fakt, dass er keine weiteren Menschen findet und vermutet, dass er dort unten allein ist. Nachdem er weiter Upsilon erkundet, wird er von einem metallischen Monstrum gejagt und muss geschickt an ihm vorbeischleichen. Kurz bevor er die Station verlassen möchte, tritt er in Kontakt mit Catherine Chun, die sich in Station Lambda befindet. Von ihr erfährt Simon, dass er sich im Jahr 2104 befindet und die Menschheit durch einen Kometeneinschlag nahezu komplett ausgelöscht wurde.
Nachdem er aber weiter mit Catherine reden wollte, bricht der Mantel der Station und Wasser dringt hinein. Simon lebt, indem er sich in einem Tauchanzug befindet. Allerdings habe er nie einen angezogen. Nach diesen merkwürdigen Ereignissen macht sich Simon auf den Weg zu Catherine und erfährt dabei Dinge über die Menschheit, die er lieber vergessen würde. Doch eins ist klar: Allein ist Simon unter dem Meer nicht.
Der Horror steckt im Detail
Soma entpuppt sich, ähnlich wie auch Amnesia, als Puzzle-Titel mit der Angst, jederzeit von einem Monster gejagt zu werden. Im Prolog lernt ihr, wie ihr mit Objekten interagieren könnt und wie man durch geschicktes Erkunden Hinweise und Lösungen für Rätsel findet.
In der Klinik, wo die OP stattfinden soll, müsst ihr irgendwo ein Passwort für die Tür finden – doch dieses klebt natürlich nicht praktisch am Monitor als Zettel. In einer E-Mail erfahrt ihr von einem neuen Passwort, das irgendwo im Raum versteckt wurde. Dies zieht sich durch das gesamte Spiel.
Allerdings könnt ihr mit sehr vielen Gegenständen interagieren und sie aufheben, sodass die Lösung nicht immer leicht zu finden ist. Doch in der Ferne hört ihr Schritte, hört komische Geräusche und Schreie von Dingen, die mit euch in den Stationen oder auf dem Meeresgrund sind. Wenn ein Monster in eurer Nähe ist, merkt ihr das an Interferenzen im Sichtfeld – das Bild scheint gestört, verzerrt.
Durch Schleichen, Ablenkungen und Achtsamkeit könnt ihr euch Raum für Raum an den Monstern vorbeischleichen. Solltet ihr aber ungeschickt sein, so könnt ihr noch die Flucht in Erwägung ziehen. Gelingt dies ebenfalls nicht, verliert ihr einen Großteil eures Lebens und könnt euch nur noch eingeschränkt bewegen. Ein weiterer Fehltritt bedeutet den Game Over.
Leben regeneriert sich extrem langsam oder kann an merkwürdigen Auswüchsen regeneriert werden. Jedes Mal, wenn ihr eines dieser Auswüchse verwendet, beschleicht euch das Gefühl, dass etwas Simon übernimmt.
Ob ein Roboter oder Ähnliches freundlich gesinnt ist, erfährt man leider immer erst, wenn es zu spät ist. Jede Station oder jedes Gebiet hat eigene Twists und Besonderheiten, um ans Ziel zu gelangen. Mal erklimmt man ein gesunkenes Schiff, mal trotzt man Unterwasserstürmen am tiefsten Punkt des Meeres.
Insgesamt wurde der Titel nie langweilig – das verdankt er dem unglaublich guten Pacing. Zwischen Horror, Ruhe und Rätseln ist immer eine gute Mischung vorhanden.
Besonders an Soma ist, dass ihr kein klassisches Inventar oder Interface besitzt. Es gibt keine Lebensanzeige, alles wird durch Hinweise und Simons Verhalten signalisiert. Das verstärkt das Gefühl von Einsamkeit und Hilflosigkeit enorm.
Die Story wird geschickt durch Audiologs, Computerterminals und Rückblenden erzählt – subtil, immersiv und mit zunehmender Tiefe.

Technik und Audio – Zwischen Licht und Schatten
Da ich Soma vorher noch nie gespielt hatte, konnte ich neutral an die Switch-Version herangehen. Im Nachhinein fielen jedoch viele Punkte auf, die leider negativ auffallen.
Der Titel macht einen ordentlichen Ersteindruck auf der Hybridkonsole, doch die Sichtweite wurde drastisch reduziert. In Extremfällen konnte man Gegner nicht einmal aus fünf Metern Entfernung erkennen – das sorgte für Frust, denn eigenes Versagen war hier oft nicht die Ursache.
Unterwasserbereiche litten stark atmosphärisch, da große Objekte wie Gebäude oder Schiffe nicht dargestellt wurden. Auch Fische und andere Meereslebewesen, die sich um Simon herum befinden sollten, sind auf der Switch nicht sichtbar.
Positiv hervorzuheben ist hingegen, dass der Titel meist flüssig mit 30 FPS läuft und nur selten Performance-Probleme aufweist.
Zum Testzeitpunkt gab es keinen Patch oder eine Switch-2-Version, welche die vom Entwickler angestrebte Qualität erreichen würde. Sollte es ein Update geben, informieren wir euch natürlich.
Sounddesign & Musik – Absolute Spitzenklasse
Die Musik und Soundkulisse in Soma ist schlichtweg fantastisch und verstärkt die Atmosphäre immens. Mit guten Kopfhörern oder 5.1-Anlage lassen sich Geräuschquellen präzise orten, was sowohl spielerisch als auch emotional einen Unterschied macht.
Wenn Musik erklingt, ist sie perfekt auf die Szenerie abgestimmt. Unter Wasser begleitet euch eine ruhige, atmosphärische Klanglandschaft, während in Gefahrensituationen scharfe Instrumente wie Monsterklingen durch den Mix schneiden.
Die englische Sprachausgabe ist sehr gelungen. Die Sprecher vermitteln die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ihrer Rollen überzeugend und eindrucksvoll.
Optional: Der sichere Modus
Wer Angst vor einem hohen Schwierigkeitsgrad hat, aber dennoch die Story erleben möchte, kann den sicheren Modus aktivieren. Monster verfolgen euch dann nicht mehr und können euch nicht töten. Ihr nehmt zwar noch Schaden, sterbt aber nicht direkt.
Achtung: Dadurch geht viel Atmosphäre verloren, denn die Angst weicht der Bequemlichkeit – ein klarer Einschnitt ins Erlebnis.

Atmosphärisches Horror-Abenteuer mit technischen Schwächen
SOMAPro
- Einzigartige Atmosphäre
- Soundkulisse auf sehr hohem Niveau
- Performance ist gut...
Kontra
- Linear
- Kein Wiederspielwert
- ...aber die Sichtweite erinnert an N64 Zeiten