Pokémons Kampfsystem könnte schon bald nicht mehr rundenbasiert sein

Pokémon-Spiele setzen seit 30 Jahren auf ein rundenbasiertes Kampfsystem. Bereits Pokémon-Legenden: Arceus begann 2022 damit, eingespielte Strukturen aufzubrechen, etwa durch Kämpfe direkt in der Spielwelt sowie ein neues Tempotechnik- und Krafttechnik-System. Mit Pokémon-Legenden: Z-A ging die Reihe im vergangenen Jahr dann noch einen entscheidenden Schritt weiter: Die Kämpfe liefen dort erstmals vollständig in Echtzeit ab, ganz ohne klassisches Runden-Prinzip – eine Neuausrichtung, die eingespielte Gewohnheiten und Strategien vieler Spieler auf den Kopf stellte.

Zwei Entwickler, ein Kampf, viele Antworten

Game Freak veröffentlichte anlässlich des 30-jährigen Pokémon-Jubiläums ein Video, in dem Spieledesigner Shigeki Morimoto und Champions-Co-Director Kazumasa Iwao offen über die Entstehung des Kampf-Simulators Pokémon Champions sprechen.

„Die Kämpfe haben sich geändert, spielt jetzt bitte die neue Version“ – genau das wollte Game Freak vermeiden

Der zentrale Punkt des Videos, übersetzt via ResetEra:

Ich denke, einer der wichtigsten Gründe dahinter war, dass sich das Kampfsystem, also die Regeln für kompetitive Pokémon-Kämpfe, die wir über die gesamte Pokémon-Reihe hinweg so lange verwendet haben, im weiteren Verlauf der Serie möglicherweise nach und nach verändern wird.

Und wenn das passiert, gibt es Menschen, die den bisherigen Stil der Pokémon-Kämpfe seit Jahrzehnten genießen, zurückgehend bis zu Rot und Grün, Gold und Silber und so weiter. Einfach zu sagen: ‚Die Kämpfe haben sich geändert, spielt jetzt bitte die neue Version‘, fühlte sich also nicht richtig an. Das hat uns bei Game Freak schon eine ganze Weile beschäftigt.

Gleichzeitig wollen wir natürlich, dass sich die Reihe weiterhin neuen Herausforderungen stellt. Aber wir wollten auch das bisherige Kampfsystem nicht vernachlässigen. Also dachten wir uns: Vielleicht wäre es gut, ein Spiel zu machen, das das bestehende Kampfsystem fortführt und es den Spielern erlaubt, es unbegrenzt weiterzuspielen. Ich denke, das war wirklich der Ausgangspunkt für die Entwicklung von Pokémon Champions.

Konkrete Details dazu, wie sich das Kampfsystem künftig verändern könnte, verrieten die beiden nicht. Sollten sich Echtzeit-Kämpfe à la Legenden: Z-A als Zukunft der Serie erweisen, dürfte das bei einem Teil der Fans gut ankommen, bei anderen dagegen für Unmut sorgen. Laut aktuellen Leaks soll das für nächstes Jahr angekündigte Wind and Welle zumindest vorerst beim klassischen, rundenbasierten Stil bleiben.

Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn ich Pokémon fangen dürfte, indem ich einfach einen Ball auf sie werfe – ohne dabei einen Kampf zu triggern. Bis wir mehr dazu herausfinden, vergeht sicherlich noch einige Zeit.

Ein Spiel für Leute wie sie selbst

Und ja, dieses Projekt – Pokémon Champions – ist offenbar zu einem gewissen Grad Chefsache im besten Sinne: Iwao erzählte, dass Morimoto einfach unglaublich gerne kämpft und sich eine Umgebung wünschte, in der genau das dauerhaft möglich ist. Im ursprünglichen Konzeptpapier für Champions habe Iwao sogar Fotos von sich und Morimoto als Zielgruppen-Beispiel verwendet – nach dem Motto: dieses Spiel ist für Leute wie uns gemacht. Morimoto gab zu, tatsächlich bis heute mehrere Tausend Kämpfe bestritten zu haben. „Ich wundere mich manchmal selbst, dass ich mein eigenes Spiel so viel spiele“, scherzte er.

Kein Grinding, keine Aufzucht – bewusst

Anders als die Hauptspiele verzichtet Pokémon Champions komplett auf klassische Aufzucht-Elemente. Laut Morimoto war das Absicht: Wer zu viel Zeit mit Training und Levelaufbau verbringt, kommt zu selten zum eigentlichen Kampf. Und der Kampf ist schließlich der Punkt der ganzen Sache. Die größte Herausforderung bei der Entwicklung sei es gewesen, trotzdem eine Motivation zu schaffen, die Spieler dauerhaft bei der Stange hält, ganz ohne den gewohnten Fortschritts-Loop früherer Spiele.

Tempo, Tempo, Tempo

Dem Team war es wichtig, dass sich Kämpfe zügig spielen lassen. Effekte und Animationen wurden verkürzt, Trefferanzeigen und visuelle Effekte laufen gleichzeitig statt nacheinander ab. Und zum ersten Mal in der Serie zeigt Pokémon Champions exakte Prozentzahlen für Trefferwahrscheinlichkeiten an, statt der vagen Umschreibungen, die man aus den Hauptspielen kennt. Als kompetitives Spiel sollte Fairness maximal transparent sein.

Warum Champions nicht wie Schwert und Schild aussieht

Bei der Frage, warum die Charaktere in dieser Welt eigentlich täglich weiterkämpfen, entstand die Idee eines Ortes, an dem sich Menschen regelmäßig zum sportlichen Wettkampf treffen. Um sich bewusst vom frischen, eher gediegen-sportlichen Look von Pokémon Schwert und Schild abzuheben, entschied sich das Team für eine glamourösere, fast schon Entertainment-Kampfsport-artige Ästhetik – angelehnt an echte Turnierszenen wie PJCS oder WCS mit riesigen Monitoren und abgedunkelten, glitzernden Hallen.

Ein ganzes Team nur für Attacken und Fähigkeiten

Interessantes Detail am Rande: Bei Game Freak gibt es offenbar ein eigenes, internes Team, das für nahezu alle Fähigkeiten, Mega-Entwicklungs-Eigenschaften und erlernbaren Attacken sämtlicher Pokémon verantwortlich ist. Jedes Teammitglied sucht sich dabei Pokémon aus, mit denen es sich besonders gut auskennt. Konflikte sind laut Iwao vorprogrammiert: „Es wird richtig zum Wettstreit. Manche wollen einfach zu viele Pokémon für sich beanspruchen“, erklärte er lachend. Am Ende diskutiert das Team gemeinsam, bis eine Einigung steht.

Der eigentliche Clou: Sofort ausprobieren

Beide Entwickler betonten, dass genau das der größte Vorteil von Pokémon Champions gegenüber früheren Spielen sei: Neue Team-Ideen lassen sich sofort umsetzen. Früher habe man oft ewig dasselbe Team benutzt, weil Änderungen zu aufwendig waren – man dachte sich „eigentlich könnte ich mal X mit Y kombinieren“, entschied sich dann aber doch lieber für einen normalen Kampf, weil der Aufwand zu groß war. In Pokémon Champions ist eine neue Idee wortwörtlich in Sekunden umgesetzt. „Das hört einfach nicht auf. Man spielt einfach immer weiter“, so Iwao.

Datengetriebenes Teambuilding dank Tausender täglicher Kämpfe

Da täglich Tausende Kämpfe stattfinden, lässt sich einsehen, welche Attacken und Strategien andere Spieler gerade erfolgreich einsetzen. Wer ein neues Pokémon ausprobieren möchte, kann sich direkt an den aktuell stärksten Kombinationen orientieren, statt bei null anzufangen.

Für Einsteiger gibt’s die Auto-Teamzusammenstellung

Wer neu im kompetitiven Pokémon-Kampf ist, hat es laut den Entwicklern naturgemäß schwer, aus der riesigen Auswahl das passende Team zu bauen. Genau dafür gibt es die praktische Auto-Teamzusammenstellungs-Funktion: Ein erster Kampf zeigt, wo die Schwächen liegen, danach lässt sich das Team gezielt anpassen. Verliert man, merkt man sich einfach, welches gegnerische Pokémon Probleme gemacht hat, und baut beim nächsten Versuch entsprechend um. Genau dieser Trial-and-Error-Ansatz soll laut dem Team den eigentlichen Spielspaß ausmachen.

Iwao hat nicht mal Pokémon HOME verknüpft

Ein überraschendes Geständnis: Iwao gab zu, bis heute keine Verbindung zu Pokémon HOME eingerichtet zu haben. Trotzdem sammle er über das ins Spiel integrierte Scouting-System stetig neue Pokémon und habe jede Menge Spaß dabei. Sein Tipp: Wer direkt zu Beginn seine eigenen Pokémon aus HOME importiert, verpasst möglicherweise die Chance, über das Scouting-System ganz neue, bislang unbekannte Pokémon kennenzulernen. „Vielleicht werde ich irgendwann sogar ein echter Pokémon-Champion“, scherzte er.

Morimotos gemeine Experimentierfreude

Zum Schluss noch ein kleines Geständnis von Morimoto: Er nutzt gerne extrem niedrig bewertete Spielerprofile, um neue Strategien auszuprobieren. Iwao warnte scherzhaft, dass das für unerfahrene Gegner durchaus traumatisch enden könnte, wenn sie plötzlich auf ein völlig unverständliches Morimoto-Team treffen.

Nächste Runde folgt

Am Ende des Videos kündigten beide bereits eine Fortsetzung an: In einem weiteren Video wollen Iwao und Morimoto gegeneinander antreten – ausschließlich mit Pokémon, die sie über das Scouting-System gesammelt haben.

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