Nintendo hat eine weitere Runde an DMCA-Takedowns durchgeführt und setzt damit seinen Kampf gegen Switch-Emulation fort.
Vorgeschichte: Bereits 8.500 Yuzu-Klone entfernt
Bereits im Mai 2024, rund zwei Monate nachdem sich Nintendo und die Yuzu-Entwickler außergerichtlich auf einen Vergleich geeinigt hatten – nachdem Nintendo die Entwickler zuvor auf Schadensersatz verklagt hatte –, hatte das Unternehmen mehr als 8.500 Klone des Switch-Emulators Yuzu entfernen lassen, mittels einer einzigen DMCA-Meldung an GitHub. Laut der damaligen GitHub-Mitteilung bearbeitete die Plattform die Anfrage gegen das gesamte betroffene Netzwerk von 8.535 Repositories, da dieses die Grenze von 100 Repositories überschritt. Wenige Monate später traf es auch den Konkurrenz-Emulator Ryujinx, dessen Entwicklung im Oktober 2024 eingestellt wurde, nachdem Nintendo direkt Kontakt mit dem Entwickler aufgenommen hatte.
Im Februar 2026 startete Nintendo eine weitere DMCA-Offensive und forderte GitHub auf, die verbliebenen Yuzu-Repositories sowie Repositories mit mindestens 12 weiteren Switch-Emulatoren zu entfernen. Bereits damals zeigte sich, dass sich Entwickler aktiver Projekte wie Citron oder Eden zunehmend auf private Server oder selbst gehostete Git-Instanzen ausweichen, um der zentralen GitHub-Infrastruktur und damit Nintendos Zugriff zu entgehen.
Sieben neue DMCA-Meldungen, über 400 entfernte Repositories
Wie TorrentFreak berichtet, hat Nintendo diese Woche sieben separate DMCA-Meldungen an einem einzigen Tag bei GitHub eingereicht. Die Gesamtreichweite ist beträchtlich: In den sieben Meldungen wurden insgesamt mehr als 400 Repositories erfasst.
Die sieben Meldungen im Detail
Die ausführlichste Meldung betrifft Suyu, den Emulator, der nach dem Zusammenbruch von Yuzu an Popularität gewann. Da das gemeldete Netzwerk größer als 100 Repositories war, bearbeitete GitHub die Meldung gegen das gesamte Netzwerk, das 311 Repositories umfasste.
| Übergeordnetes Repository | Projekt | Betroffene Repositories |
|---|---|---|
| vstyler96/suyu | Suyu (Yuzu-Nachfolger) | 311 (gesamtes Netzwerk) |
| skyline-emu/skyline | Skyline (Android, unabhängig) | 29 (gesamtes Netzwerk) |
| NicolasArvani/yuzu | Yuzu-Fork | 14 (gesamtes Netzwerk) |
| liushuyu/yuzu-android | Yuzu (Android-Port) | 8 (gesamtes Netzwerk) |
| exverge-0/yuzu-EA4176 | Yuzu (Early-Access-Build 4176) | 21 gelistete Forks |
| irlbunny-archive/MonoNX | MonoNX (C#-basiert) | 17 gelistete Forks |
| IpwnedU/yuzu-master | Yuzu-Fork | Nur übergeordnetes Repository |
Bei vier der sieben Meldungen veröffentlichte GitHub eine eigene Zählung des bearbeiteten Netzwerks inklusive des übergeordneten Repositorys. Bei den übrigen drei Meldungen wurden keine Netzwerkdetails veröffentlicht, weshalb sich die Tabelle dort auf die in der jeweiligen Meldung selbst genannten Repositories stützt, darunter einige, die als „[privat]“ geschwärzt wurden.
Skyline: Eigenständiger Emulator statt Yuzu-Fork
Bemerkenswert unter den betroffenen Projekten ist Skyline, das im Gegensatz zu den meisten anderen Zielen kein Yuzu-Fork war, sondern ein eigenständiger Switch-Emulator für Android-Geräte. Die Entwickler stellten das Projekt bereits 2023 freiwillig ein, doch wie so oft überlebte der quelloffene Code. Nintendos aktuelle Meldung erfasste nun ein Netzwerk von 29 Skyline-Repositories, darunter Code, der bereits seit Jahren inaktiv war.
Repositories größtenteils offline, teils freiwillig entfernt
Die meisten der betroffenen Repositories verweisen inzwischen auf einen Hinweis, der Besucher darüber informiert, dass sie entfernt wurden. In manchen Fällen erscheint stattdessen ein 404-Fehler, was darauf hindeutet, dass die jeweiligen Entwickler das Repository nach Erhalt der Meldung freiwillig selbst gelöscht haben.
Nintendos rechtliche Begründung
Die gemeldeten Repositories bieten Nintendo-Switch-Emulatoren an, verlinken darauf oder ermöglichen anderweitig Zugriff darauf“, heißt es in der Meldung. „Nintendo-Switch-Emulatoren sind in erster Linie dafür konzipiert, Nintendo-Switch-Spiele abzuspielen. Konkret umgehen diese Nintendo-Switch-Emulatoren auf unrechtmäßige Weise die technischen Schutzmaßnahmen (TPMs) von Nintendo, um illegale Kopien von Nintendo-Switch-Spielen auszuführen.
Nintendo-Switch-Spiele sind mittels proprietärer kryptografischer Schlüssel (prod.keys) verschlüsselt, die vor unbefugtem Zugriff auf sowie unbefugter Vervielfältigung der urheberrechtlich geschützten Spiele schützen.
Während des Betriebs verwenden die Emulatoren in den gemeldeten Repositories zwangsläufig unautorisierte Kopien dieser kryptografischen Schlüssel, um unautorisierte Kopien von Nintendo-Switch-Spielen beziehungsweise ROMs zur Laufzeit oder unmittelbar davor zu entschlüsseln, ohne Nintendos Genehmigung.
Zwei zitierte Präzedenzfälle – ohne echtes Gerichtsurteil in der Sache
Zur Untermauerung des Umgehungsvorwurfs verweist jede der sieben Meldungen auf zwei Gerichtsentscheidungen als Präzedenzfälle, wobei keine davon inhaltlich vor Gericht angefochten wurde.
Der erste Fall ist das Vergleichsurteil von 2024 gegen Tropic Haze, das Unternehmen hinter Yuzu, das mit einer Zahlung von 2,4 Millionen US-Dollar endete. Der zweite Fall ist neueren Datums: Nintendos Verfahren gegen den Streamer Jesse Keighin, bekannt als „EveryGameGuru“, der im vergangenen Oktober zur Zahlung von 17.500 US-Dollar verurteilt wurde, nachdem ein Gericht in Colorado ein Versäumnisurteil gegen ihn erlassen hatte, da Keighin offenbar nicht mehr reagierte und Beweise vernichtete.
Im einen Fall handelte es sich um einen außergerichtlichen Vergleich, im anderen um ein Versäumnisurteil. In keinem der beiden Fälle hat ein Gericht die Frage der Emulator-Umgehung inhaltlich in der Sache selbst geprüft.
GitHubs Umgang mit unklaren Fällen
Auf der Stufe der Takedown-Meldung selbst muss Nintendo keinen rechtlichen Präzedenzfall nachweisen. GitHub gibt an, Umgehungsvorwürfe sorgfältig zu prüfen und im Zweifel zugunsten der Entwickler zu entscheiden, sprich Inhalte online zu lassen, wenn die Rechtmäßigkeit unklar ist. Durch die bereits etablierte Yuzu-Blaupause laufen Nintendos Meldungen mittlerweile jedoch nahezu routinemäßig durch.
Ausblick: Entfernen ist einfach, dauerhaft offline halten schwieriger
Sämtliche der in dieser Runde betroffenen Emulatoren galten eigentlich bereits als erledigt. Sie wurden jedoch geforkt, gespiegelt oder wiederbelebt, wodurch sie erneut auf Nintendos Radar gerieten – ein Muster, das sich bereits zuvor zeigte, etwa als der eingestellte Emulator NxEmu nach einer dreijährigen Pause wiederbelebt wurde, oder als Gerüchte um eine mögliche Wiederbelebung von Ryujinx aufkamen. Für Nintendo ist das Entfernen der Repositories von GitHub dabei der einfache Teil der Aufgabe – den Code dauerhaft offline zu halten, ist die deutlich größere Herausforderung, da neue Forks mitunter schneller entstehen können, als die entsprechenden Meldungen sie entfernen können.
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