Grand Theft Auto: The Trilogy – The Definitive Edition, da wäre mehr drin gewesen…

“Hallelujah! Die wohl beliebtesten Old-School-GTAs, vereint im modernen Gewand auf aktuellen Plattformen, sind da!” – So dachten wohl viele im Oktober, als Rockstar Games offiziell die Sau durch das Dorf getrieben hat und einen schicken Trailer mit den grafischen Neuerungen präsentierte.

erschien am 11. November 2021 für PC, Xbox One, Xbox Series X|S, PlayStation 4, PlayStation 5 und Nintendo Switch. Ein Rezensionsmuster der Nintendo Switch-Fassungen wurde uns von Rockstar Games zur Verfügung gestellt. Die zum Zeitpunkt dieses Artikels aktuellen Updates der Spiele wurden bei der Bewertung berücksichtigt: GTA 3 1.0.3 / Vice City 1.0.4 / San Andreas 1.0.3

Versteht mich nicht falsch, es freute mich auch irgendwie, aber ich war gesund… skeptisch. Mir war bewusst, dass die Nintendo Switch-Fassung nicht so schick ausschauen könnte und schon gar nicht in fluffigen 60 FPS laufen würde. Um dem Fazit vorzugreifen, ich bin dann doch eher positiv über das Endprodukt auf der Nintendo Switch überrascht, während auf den Next Gen Konsolen und PC wider Erwarten die negativen Neuigkeiten türmen.

Von schlechter Performance, noch im Spiel vorhandenen, aber nicht mehr lizenzierten und daher vom Spieler auch leider nicht auswählbaren Songs und dem (erwartbaren) hochkochen über das noch immer im Code von Grand Theft Auto: San Andreas schlummernde “Hot Coffee”-Minispiel war ja alles dabei. Aber mal fern davon ab; Hier in dieser Review geht es einzig und allein um die Nintendo Switch-Fassung der Spiele.

Keine Stadt gleicht der anderen

Um mal den unbedarften Interessierten abzuholen: In Grand Theft Auto lässt man uns als Spieler auf eine Open World los, in der wir Aufträge erledigen und die Welt erkunden. Das erledigen wir per Pedes oder in einem Fahrzeug, bewaffnet nur mit unseren Fäusten oder halt diversen Schusswaffen.

Mit jedem Spiel dieser Trilogie ändern sich aber nicht nur einige Mechaniken, sondern auch unser Umfeld. Während wir in Grand Theft Auto 3 “nur” in Libery City, einem persiflierten New York, unterwegs sind, erkunden wir in Grand Theft Auto: Vice City die namengebende Vice City (Miami in Florida). In Vice City gibt es ungleich mehr zu entdecken und auch die Zeitperiode ist deutlich “älter”. Auch können wir hier eigene Immobilien kaufen und so über die Karte hinweg diverse Stützpunkte aufbauen. 

In Grand Theft Auto: San Andreas, dem letzten Spiel der Trilogie, kommen auch noch Gang und Role Play Mechaniken hinzu. In jedem Spiel konnten wir Autofahren, aber nun verbessern wir mit der Zeit auch unseren Fahr-Skill, oder gehen in die Muckibude, um mehr Lebensenergie zu bekommen und fester zuschlagen zu können. In den lokalen Fast Food Läden können wir auch essen gehen und so unsere Lebensleiste auffüllen… aber machen wir das zu oft ohne “Ausgleich”, wird unser Charakter CJ eher ein Diabetes Monster mit wenig Ausdauer.

Was San Andreas auch deutlich zu GTA 3 und Vice City abhebt, ist die riesige Karte, komplett mit vielen Dörfern und anderen Großstädten. Wer jetzt nicht ganz versteht: das namengebende San Andreas steht hier für die Region, in der wir unterwegs sind. San Andreas soll eine Art Kalifornien sein, inkl. Los Santos (Los Angeles), Las Venturas (Las Vegas) und vielem mehr.

Leider ist San Andreas aber auch genau das Spiel der Reihe, welches in meinen Augen von der Überarbeitung der Grafik-Engine am wenigsten profitiert hat. Im Gegenteil.

The Good, the bad and the ugly

Bringen wir es auf den Punkt, die original Spiele habe ich auf dem PC gespielt und, wenn ich nur Screenshots der originalen Fassungen im Netz anschaue, bin ich mit der Nintendo Switch-Fassung doch recht zufrieden – wie sie ausschaut und läuft. Die einzige wirkliche Ernüchterung durch alle Spiele hinweg ist, dass selbst im Docked-Modus die Spiele nur 720p bieten. Und dann auch wiederum nicht wenigstens in soliden 30 Frames, sondern eher so um die 20-25, was bei dieser Grafik eigentlich nicht sein müsste.

“Immerhin ist der Nebel weg!”, möchte man meinen. Tatsächlich ist das mit dem Nebel ein zweischneidiges Schwert. Zum einen finde ich es richtig gut, wie weit man nun schauen kann und theoretisch kann man den Gegenverkehr auf den Straßen nun eher sehen. Theoretisch ist hier aber das Zauberwort. Eben dieser Gegenverkehr materialisiert sich noch immer recht kurzfristig vor uns, was Ausweichmanöver nur begrenzt einfacher macht als, wenn der Nebel noch präsent wäre.

Und grafisch leidet San Andreas am meisten unter dem entfernten Nebel. Dort sind wir auch ab und an länger in der Luft unterwegs und sehen alles bis zum Karten ende… “Ist doch toll!”, möchte man meinen, sieht aber nicht so toll letztlich aus. Anstatt den Nebel zu entfernen, hätte er vielleicht einfach nur deutlich mehr Abstand zum Spieler bekommen sollen. Das mit dem Nebel ist auch ein großes Problem beispielsweise in der Nintendo Switch Online-Version von The Legend of Zelda: Ocarina of Time. Was ist da bloß los?

Was die Charakter-Modelle angeht, schwankt man hier zwischen gut und Böse. Einiges ist sehr schön verbessert worden und die Figuren haben jetzt sogar FINGER! Etwas, was mir auch erst nach einem Blick auf alte Screenshots aufgefallen ist, was die Figuren damals nie hatten… FINGER! Andere Figuren wiederum sind trotz dieses hübschen Details das absolute Gegenteil und sitzen zum Beispiel so deformiert auf Fahrrädern, als ob ihre Gliedmaßen keinerlei Muskel haben und “schlabbern” so zwischen Schulter und Lenker rum.

Soundtechnisch gibt es hier nicht viel Neues. Sound Effekte wurden kaum überarbeitet, aber die Musik ist noch immer die Gleiche und lädt gerne auch einfach nur zum chilligen Cruisen auf dem Highway ein – nicht zwingend mit unserem Doge Viper. Einige Lieder sind leider nicht mehr Teil der vielen Radiostationen, die wir in unseren Wagen empfangen können, aber noch immer passt die Stimmung. 

Untertitel lassen sich auch anpassen, etwa in der Größe, was es einfacher macht, dem Geschnatter unserer Kollegen auf dem Beifahrersitz in Gefechten zu folgen, wenn auch das “Peashooter”-Geräusch vieler Waffen noch immer nicht wirklich gefährlich klingt… 

Ah Shit, here we go again

Ich erinnere mich gerne an die 3 Spiele, habe damals sogar auf dem Schulhof einen richtigen Streit vom Zaun gebrochen, weil wer meine San Andreas-Karte aus dem Tornister geklaut hat und der Lehrer einschreiten musste. Mit einem etwas wohligen Gefühl kehrte ich nach Vice City und San Andreas zurück und fuhr, nachdem die ersten Barrieren in der Welt weg waren, eigentlich nur durch die Gegend, schwelgte in Erinnerungen und schuf neue… in dem ich irgendeinen dummen Stunt versucht habe… Oder mich abermals mit der Polizei angelegt habe, einfach nur weil. Ganz wie in alten Zeiten. Auch Cheat-Codes funktionieren weiterhin!

Der Komfort der neueren Grand Theft Auto-Spiele wurde leider nicht übertragen. Es reicht also nicht wie in GTA 4 den Einsteigen-Knopf zu drücken und unsere Figur rennt zur nächsten Autotüre, um… einzusteigen. Nein, wie damals müssen wir neben der Autotüre stehen, bevor unsere Figur darauf reagiert. Aber in San Andreas können wir mit einem Tritt, den Meister Miyagi stolz gemacht hätte, Leute vom Motorrad holen und direkt Gas geben…

Auch sind Achievements Teil der Spiele, wozu wir ein Rockstar-Social-Konto benötigen, um die Liste an Erfolgen überhaupt einsehen zu können. Andere Vorteile erhalten wir aber durch eine Verlinkung nicht. Auch gibt es keine Art von richtigem Autosave, was einigen Spielern dieser Tage komisch aufstoßen könnte, aber so gewollt ist.

Auch wenn nie gesagt wurde, dass da mehr als eine grafische Politur in der Trilogie sein würde, vermisse ich einige Quality of Live-Verbesserungen. Da wäre halt einfach mehr drin gewesen als was die Trilogie letztlich bietet. Eine “Definitive Edition” ist das leider nicht.

Nostalgie Trip für jeden, der es braucht

Wer unbedingt nochmal in Grand Theft Auto 3, Grand Theft Auto: Vice City und Grand Theft Auto: San Andreas reinschauen möchte, wird hier durchaus sein Glück finden, aber ich persönlich sehe nicht viele Menschen, die die Spiele bereits mal durchgespielt haben, nochmals die komplette Story unmittelbar durchspielen. Durch die Möglichkeit der Nintendo Switch aber nun zwischendurch mal mit Kopfhörern unterwegs in der Bahn ein paar virtuelle Passanten zu überfahren, während 99 Luftballons aus dem Autoradio dröhnt, lässt sich das Spiel aber gerne auch mal zwischendurch als Lückenfüller missbrauchen.

Grand Theft Auto: The Trilogy - The Definitive Edition
65 100 0 1
Wer die drei GTA-Spiele noch nie gespielt hat, aber neugierig ist, macht im groben eigentlich auch nichts falsch. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass es sich hier noch immer um drei ältere Spiele mit gut 20 Jahren auf dem Buckel handelt, und nur die Grafik “aufgehübscht” wurde. Tatsächlich würde ich hier aber eher auf einen Sale warten.
Wer die drei GTA-Spiele noch nie gespielt hat, aber neugierig ist, macht im groben eigentlich auch nichts falsch. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass es sich hier noch immer um drei ältere Spiele mit gut 20 Jahren auf dem Buckel handelt, und nur die Grafik “aufgehübscht” wurde. Tatsächlich würde ich hier aber eher auf einen Sale warten.
65/100
Total Score

Pro

  • Fühlt sich heimisch an
  • Viel zu Entdecken, da echte Städte und Regionen als Vorbild dienten

Contra

  • 720p in Docked und ruckelige 30 Frames
  • Grobe Texturen und einige Charakter-Modelle etwas skurril
  • Nicht sehr viele Collectibles
One comment
  1. Ich kann aber wirklich nicht verstehen, wie wenig Mühe man sich gegeben hat, dass diese Spiele nichtmal die 60FPS schaffen. Da die Spiele nun keine Leistungsfresser sind. Aber schön zu sehen, dass nicht nur Nintendo lieblose Remaster rausbringt^^

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Trustpilot