Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed

Wer kennt ihn nicht? Den wohl bei Gaming- und Animefans bekanntesten Stadtteil Tokyos, Akihabara. In eben diesem Stadtteil spielt das Spiel Akiba’s Trip: Hellbound and Debriefed. Oder auch “Akiba Strip”, was manche aufgrund der Schreibweise des Logos oftmals herauslesen. Akiba ist die Kurzform für Akihabara und wie man erwartet, trifft man in diesem Spiel auf Maids, Otakus und viele anderen illustren Charaktere.

Worum geht es in Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed?

Man spielt einen jungen Japaner, der mit Freunden zusammen in Akihabara unterwegs war. Anstelle aber einen gemütlichen Shoppingtrip zu unternehmen, wird man von einem Vampir angegriffen und fast zu Tode geprügelt. Man hat aber noch Glück im Unglück gehabt und wird von einem anderen Vampir mit dessen eigenen Blut gerettet. 

Gefunden werden wir von einer Gruppe junger Geeks und Niro, einer Organisation, die sich die Bekämpfung von Schattenseelen oder einfacher ausgedrückt, Vampiren, auf die Fahne geschrieben hat. Diese überrumpeln einen mit dem Fakt, dass man nun selbst eine Art Schattenseele ist und bei übermäßigem Sonnenlicht verbrennt.  Nun steht man vor der Wahl, entweder wir schließen uns Niro an und bekämpfen die Schattenseelen oder wir verbrennen selbst. 

Nach dieser Einführung ist die Story des Spiels relativ klar. Als Person mit übermenschlichen Kräften müssen wir nun Schattenseelen finden und diesen die Kleider vom Leib reißen, damit diese unschädlich gemacht werden können.

Strippen als Waffe? Das geht!

Da unser Charakter im Kampf gegen Schattenseelen ein absoluter Neuling ist, bekommt man erstmal einen Einführungskurs in die hohe Kunst des Strippens. Wie auch sonst sollte man diese Vampire erledigen, als sie der prallen Sonne auszusetzen?

Sobald man das Strippen von anderen erlernt hat, gehts auch direkt los mit den etlichen Missionen die man bekommt. Dafür muss man sich aber auch immer wieder weiter ausrüsten, Waffen sammeln und aufwerten und und und, denn sonst wird man sehr schnell von den Vampiren, die man eigentlich ihrer Kleider entledigen will, selbst erledigt. Denn auch unser Charakter kann seine Kleider vom Leib gerissen bekommen.

Wir prügeln uns Anfangs per Hand, später mit einer großen Anzahl an möglichen Waffen durch Akihabara. Man könnte sagen, es ist ein RPG-Brawler der spezielleren Art.

Wo wir anfangs noch mit unseren bloßen Fäusten kämpfen, erlangen wir von unseren Gegnern relativ schnell auch weitere Ausrüstung oder Waffen. Zum Beispiel können wir von Bandmitgliedern die Westen erlangen, wenn wir gegen diese verkleideten Vampire gewinnen, oder auch mal von einem rüpelhaften Otaku seine Eisenstange erlangen.

Wir sollten uns sogar öfters mal mit den versteckten Vampiren prügeln, da diese des Öfteren auch Geld oder interessantere Ausrüstungsgegenstände fallen lassen können und Geld kann man in einem Einkaufsmekka wie Akihabara immer gebrauchen.

Finden können wir diese Vampire, indem wir den eingebauten Scanner unserer Handykamera benutzen, denn Vampire tauchen in Fotos nicht auf. Wenn wir nach bestimmten Gegenständen suchen, können wir unser Gegenüber vorab auch scannen um zu sehen, was man von ihnen bekommen kann und welche Gegenstände einen bestimmten Skill brauchen.

Das Kämpfen sieht anfangs ziemlich simpel aus, ist jedoch herausfordernder als man denkt. Der Grund dahinter ist der, dass, wenn man nicht vorsichtig ist, man einen zufällig vorbeilaufenden Passanten treffen kann und gefühlt jeder in Akihabara ist absolut angriffslustig. Verprügelst du just einen Vampir im Katzenmaid Kostüm und triffst aus Versehen eine professionell gekleidete Geschäftsfrau, prügelt diese kurzerhand ebenfalls auf dich ein und ehe man es sich versieht, hat man selbst keine Kleidung mehr und verbrennt.

Eine andere Sache, die mitunter sehr frustrierend ist, ist der Fakt, dass wenn man die Ortsränder nicht in Betracht zieht, man ziemlich schnell mitten im Kampf dann den Ort wechselt und man erst dann wieder zurück in das Viertel muss und den Kampf wieder komplett von vorne anfangen darf. Besonders ärgerlich, wenn man eventuell gerade keine Hose mehr anhat, denn das Kleidungsstück ist dann fürs Erste verloren und man muss es sich dann beim Schrotthändler zurückkaufen, oder eine Ersatzhose anziehen.

Verliert man jedoch Kleidungsstücke während eines Kampfes und beendet diesen gerade noch so erfolgreich, ist man im Nu wieder komplett bekleidet. Verbesserungen für Waffen, Kampfskills und Kleidung kann man in den etlichen Geschäften Akihabaras kaufen. Willst du zum Beispiel mit Ausländern reden können, musst du dir erst ein Wörterbuch kaufen. Ist deine Eisenstange zu schwach, gehst du zum Händler in der Seitenstraße und kaufst dir Tungsten, welche deine Waffe verbessern. 

Wer jemals in einem Einkaufsmekka wie Akihabara war, weiß, ohne Moos nichts los. Glücklicherweise bekommt man die Möglichkeit, neben den Storymissionen auch Seitenmissionen zu erledigen, die in Level aufgeteilt sind und unterschiedlich hohe Bezahlung haben. 

Übrigens ist das Handy hier der wichtigste Gegenstand. In diesem Handy finden wir unter Notizen alle möglichen hilfreichen Tipps und wenn man mal nicht weiß welcher Shop wo ist, wird man in den Notizen fündig. Zusätzlich bekommt man alle Aufträge, die man angenommen hat, per E-Mail erklärt und auch Twitter haben wir auf unserem Handy und gibt einen Einblick in das nerdige Otakuleben das man bei Akihabara oft erwartet.

Eine Reise in das Akihabara von 2011 samt nostalgischer Grafik

Wer sich noch an Spiele aus 2011 erinnert, der erinnert sich an die oft schwammigen oder auch pixeligen Texturen, übersteuerte Helligkeit und andere Dinge.

Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed ist Remaster des Original Akiba’s Trip Plus, es bleibt bei der alten grafischen Darstellung und wenn man bei bestimmten Händlern einkauft, hat man das Bedürfnis die Helligkeit anzupassen, nur um das Gesicht des Händlers besser sehen zu können.

Hat man sich an die veraltete Grafik aber gewöhnt, merkt man, dass es recht gut hier passt, das Spiel hat dadurch einen speziellen Charme und es macht Spaß, sich durch das alte Akihabara zu prügeln. 

In Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed gibt der Soundtrack den Ton an. Passend zu der Location, in der du dich befindest, spielt im Hintergrund der Soundtrack entweder ruhige ernste Musik oder auch leichte Rapmusik beim Einkaufen ab.

Das Voiceover der Figuren im Spiel passt ganz gut, wobei man hier einige Stimmen eventuell erkennt, sollte man des Öfteren Spiele auf Japanisch spielen. Das einzige was ab und an störte war, wenn die Tonabmischung nicht richtig funktionierte und die Musik lauter war, als die Stimmen der Charaktere, was man jedoch leicht im Menü einstellen kann.

Ein nostalgisches Action-RPG mit weniger Fanservice als ursprünglich erwartet

Als ich das Muster für Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed von Marvelous Limited Europe erhalten habe, habe ich die relativ typische Erwartung gehabt, dass in diesem Spiel viel Fanservice geboten wird. Obwohl es klar einige Situationen gibt, in welchen etwas angedeutet wird, war das Spiel ernster und auch herausfordernder als erwartet. 

Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed wirkt eher wie ein PlayStation Portable Port mit einigen grafischen Verbesserungen. Man merkt, wenn man sich vorher schonmal mit Akihabara beschäftigt hat, dass dieses Spiel den Charme vom Stadtteil wiedergeben wollte. Und trotz dass die Texturen typisch PSP sind, finde ich, dass das wirklich gut gelungen ist. Ob nun der Bahnhofsvorplatz, die typischen Seitengässchen mit den kleinen Shops oder auch die großen Technikläden die in 2011 bereits vorhanden waren, man erkennt die Liebe zum Detail in diesem Spiel.

Das Spiel hat eine überraschende Tiefe und ist nicht so seicht, wie man es vielleicht denken mag, zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, 3 verschiedene Wege im Spiel einzuschlagen, je nachdem wie du dich im Spiel entscheidest. Die Charaktere im Spiel, wie zum Beispiel die Akiba Freiheitskämpfer sind gut geschrieben mit ihren speziellen Persönlichkeiten, ob man nun die dauerhaft im Maid Kostüm auftretende Sara, der Otakuhafte Fotograf Gonchan oder auch der Freund von unserem Charakter, Nobu-kun, der 2D Charaktere mehr liebt wie 3D Frauen. Es ist vieles vertreten in diesem Spiel und das macht den Reiz des Spieles aus. Die Geschichte und die Charaktere drum herum sind gut geschrieben, haben eine angenehme Tiefe und setzen die richtige Stimmung im Spiel.

Trotz dass Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed eine relativ kleine Karte hat und man auch relativ schnell durch die Story spielen kann, gibt es etliche Ablenkungen, die das ganze aufwerten. Man kann ein Maid-Café besuchen, in diesem Minispiele spielen, um Maid Points zu bekommen. Man kann Nebenmissionen erledigen, um Geld zu verdienen und wenn man will, kann man auch die Hilfe seiner kleinen Schwester, die im Übrigen eine richtige Tsundere (Ein Charakter, der sich durch eine zickige und streitsüchtige Art auszeichnet, sich aber unter bestimmten Umständen zurückhaltend und liebenswert verhält) ist, in Anspruch nehmen oder einfach nur sich von ihr beleidigen lassen, wie es einem lieber ist. 

All dies zusammen macht den Reiz und den Charme von Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed aus. Leider wurde mein Spielspaß auch durch ein paar Dinge geschmälert. Kommen wir zum grafischen Teil. Im Zeitalter der Remaster ist man mittlerweile eher gewohnt, dass die Grafik auf den heutigen Stand gebracht wird, ich musste mich erst an die polygonarmen und veralteten Figuren im Spiel gewöhnen und die verwaschenen und pixeligen Texturen fallen in den ersten Momenten schon stark auf. Da die Story jedoch recht interessant ist, gewöhnt man sich nach einer Weile an die Grafik, sodass diese für mich kein Grund wäre, das Spiel nicht zu spielen.

Anders hingegen verhält es sich mit den Kämpfen. Die Hitbox ist manchmal schwierig herauszufinden, die Kämpfe brechen ab, wenn man aus Versehen an das Ende des Kartenabschnitts kommt und da die Level schlauchförmig sind, werden Kämpfe auch schnell unfair, da es oft in einer Art Massenschlägerei endet. Der Vorteil hier ist, dass man die Schwierigkeit herunterschrauben kann, so dass man weniger taktisch angreifen muss.

Zusätzlich ist das Spiel leider nur auf Englisch verfügbar und hat keine deutschen Untertitel.

Für wen ist Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed also geeignet? 

Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed
70 100 0 1
Ich denke, das Spiel eignet sich für diejenigen die Laune an Action-RPGs haben und nicht unbedingt die neueste Grafik brauchen, um ein Spiel genießen zu können. Das Spiel ist erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Plus ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz ist aufgrund der Schwierigkeiten mit dem Kampfsystem nötig. Wenn das auf euch zutrifft, werdet ihr viel Spaß an diesem Spiel gewordenen Liebesbrief an Akihabara haben. Ich hatte trotz meiner anfänglichen Zweifel überraschend viel Spaß und finde gerade die Option, mehrere Enden freizuschalten sehr interessant und nostalgisch.
Ich denke, das Spiel eignet sich für diejenigen die Laune an Action-RPGs haben und nicht unbedingt die neueste Grafik brauchen, um ein Spiel genießen zu können. Das Spiel ist erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Plus ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz ist aufgrund der Schwierigkeiten mit dem Kampfsystem nötig. Wenn das auf euch zutrifft, werdet ihr viel Spaß an diesem Spiel gewordenen Liebesbrief an Akihabara haben. Ich hatte trotz meiner anfänglichen Zweifel überraschend viel Spaß und finde gerade die Option, mehrere Enden freizuschalten sehr interessant und nostalgisch.
70/100
Total Score

Pro

  • Gut geschriebene Story und tiefgründige Charaktere
  • Mehrere Schwierigkeitslevel
  • Viele, teils verrückte Waffen und Ausrüstungen (Keyboard, Baguette etc.)
  • Wiederspielwert durch verschiedene Enden und Handlungsstränge
  • Nischenspiel für Japanfans
  • Abwechslungsreich durch Nebenquests, Minispiele und viele Interaktionen mit Figuren

Contra

  • Leider nur auf Englisch, Japanisch, Chinesisch und Koreanisch
  • Alles ab Casual könnte bereits zu großer Frustration führen
  • Kampfsystem hakelig und oft frustrierend
  • Grafik ziemlich outdated und gewöhnungsbedürftig
  • Zu nischig für einige aufgrund der speziellen Handlung
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