Orbitals für Nintendo Switch 2 im Hands-on

Ein kosmisches Koop-Abenteuer

Couch-Koop-Spiele, bei denen beide Spieler wirklich aktiv zusammenarbeiten müssen, sind selten geworden. Orbitals, das kommende Nintendo-Switch-2-Exclusive von Entwickler Shapefarm und Publisher Kepler Interactive, will genau diese Lücke füllen – und das in einem einzigartigen Retro-Anime-Stil, der an die japanischen Zeichentrickserien der 80er und 90er Jahre erinnert. Ich durfte den Anfang des Spiels bereits anspielen und berichte hier von meinen ersten Eindrücken.

Orbitals erzählt die Geschichte von Maki und Omura, zwei unzertrennlichen Entdeckern, deren Heimatstation von einem tödlichen kosmischen Phänomen bedroht wird. Um ihr Zuhause zu retten, müssen die beiden sich in die Gefahren jenseits dieser Sturmwand wagen – durch Asteroidenfelder und verlassene Raumstationen –, wobei es allein auf Verstand, Herz und unbeugsame Entschlossenheit ankommt.

Das Spiel setzt visuell auf einen warmen, nostalgischen Anime-Look im Stil klassischer japanischer Serien, unterstützt durch handgezeichnete Cutscenes von Studio Massket und einen Soundtrack, der bewusst die Ästhetik vergangener Anime-Ären aufgreift. Studio Massket hat unter anderem an Pokémon, Attack on Titan und Naruto mitgewirkt.

Was mich überrascht hat: Die Story geht tatsächlich tiefer, als es die bisherigen Informationen und Videos vermuten ließen. Gezeigt wurde mir eine Rückblende, die 15 Jahre vor der Haupthandlung ansetzt – mit einer Eröffnungssequenz, in der Maki und Omura noch als Kinder während einer Katastrophe in eine Maschine gesteckt werden, die ihr Bewusstsein (im Kontext des Spiels „I.M.“ genannt) speichert. Diese Maschinen sind übrigens auch der narrative Grund dafür, warum die beiden nach eigentlich tödlichen Treffern sofort wieder „zusammengesetzt“ werden – ob das später noch dunklere Konsequenzen nach sich zieht, wurde während der Spielsession nicht aufgelöst.

Das hat der Geschichte für mich sofort mehr emotionales Gewicht gegeben, als ich erwartet hatte, und ich freue mich sehr auf den Release des Spiels.

Orbitals ist der Debüttitel des kleinen Indie-Studios Shapefarm (gegründet 2010) mit Sitz in Japan und Neuseeland. Shapefarm entwickelt gerne Spiele mit Anime-Charakteren und beeindruckenden Welten. Veröffentlicht wird Orbitals von Kepler Interactive, dem Publisher und Kreativstudio hinter Titeln wie Sifu, Rematch, Pacific Drive und Clair Obscur: Expedition 33. Technisch setzt es auf die Unreal Engine 5 und liefert ein reibungsloses Koop-Erlebnis ab.

Man merkt dem Spiel an, dass ein Ex-Hazelight Studios-Level-Designer (Jakob Lundgren), der an It Takes Two und Split Fiction gearbeitet hat, jetzt für Orbitals seine kreativen Ideen einbringt. Auch spannend: Ein Teil des Teams hat zuvor an Anime-Lizenzspielen wie Naruto to Boruto: Shinobi Striker und Samurai Jack: Battle Through Time gearbeitet – Orbitals ist quasi der Versuch, diese Erfahrung mit einer eigenen, originellen IP zusammenzuführen.

Orbitals sah ursprünglich völlig anders aus. Laut Kreativdirektor Marcos Ramos (im Gespräch mit GameSpot) war das Spiel zu Beginn aus der Top-down-Perspektive angelegt, hatte keinen Anime-Look und war auch nicht zwingend auf zwei Spieler ausgelegt – man konnte es solo oder zu zweit spielen. Statt Omura gab es einen kleinen Roboter, der Maki (der eigentlichen Hauptfigur) bei allerlei Nebenaufgaben an Bord zur Hand ging. Der Anime-Stil kam erst später dazu, als sich Ramos fragte, „was wäre, wenn Anime“ – aus dem Roboter wurde daraufhin Omura. Als das Team das Spiel dann komplett auf Koop umstellte, merkte man schnell, dass sich der Roboter-Charakter wie eine reine „Spieler-2“-Nebenfigur anfühlte, was dem Anspruch widersprach, dass in einem echten Koop-Spiel beide Charaktere gleichwertige Hauptfiguren sein sollten – daraufhin wurde Omura zu der eigenständigen Figur ausgebaut, die er heute ist.

Charaktere und Worldbuilding

Schon beim ersten Kennenlernen der Charaktere ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich Maki und Omura angelegt sind – selbst kleine Details wie die Art, wie die beiden die Schiffskatze namens Hiroto hochheben, erzählen etwas über ihre Persönlichkeit: Maki eher stürmisch-kindlich, Omura ruhig und besonnen.

Beim Erkunden des Schiffs selbst gab es jede Menge kleiner Worldbuilding-Momente zu entdecken – zum Beispiel ein Reparatur-Mitarbeiter, der sich in der Schwerelosigkeit draußen im All bewusst mitdrehen lässt, um so einen Schraubenzieher zu bedienen, oder ein schlafender Wissenschaftler, dem Maki einen Filzstift-Schnurrbart malt. Auch ein Raum voller leuchtender Röhren, die offenbar das Bewusstsein der Bewohner am Leben halten, war eine der eher unheimlicheren Lore-Entdeckungen.

In den Zimmern unserer beiden Protagonisten gibt es Musikinstrumente – Maki hat ein Schlagzeug, Omura ein Keyboard, aber auch ein Super Nintendo ist zu entdecken, mit dem man interagieren kann. Leider startete bei letzterem kein Arcade-Minispiel oder so.

Minispiele gibt es trotzdem, um sich die Zeit zu vertreiben. Von Seilspringen über einen Boxsack, Reaktionstest oder eine Schwungfeder sind verschiedene Aufgaben dabei.

Seilspringen wurde von uns im Verlauf des Spiels erst freigeschaltet, weshalb man davon ausgehen kann, dass noch weitere solcher Minispiele warten. Wer möchte, kann also die Ranglisten erklimmen, während man sich eine Auszeit von der Hauptmission gönnt.

Asymmetrische Koop-Mechanik

Das Herzstück von Orbitals ist die konsequent asymmetrische Zusammenarbeit: Beide Charaktere verfügen über unterschiedliche Werkzeuge und Fähigkeiten, die aufeinander abgestimmt eingesetzt werden müssen, um Rätsel zu lösen und voranzukommen.

Da Maki und Omura gleichberechtigt behandelt werden, ist es völlig egal, welchen Charakter ihr am Anfang wählt. Ihr könnt euch stets mit eurem Mitspieler absprechen, wer welches Werkzeug (Greifhaken, Strahlenkanone, Wasserwerfer etc.) nimmt und wer das Schiff navigiert, während der jeweils andere auf Asteroiden schießt.

Orbitals funktioniert ausschließlich mit einem echten menschlichen Mitspieler – einen KI-gesteuerten Partner gibt es nicht. Das Spiel setzt konsequent auf echte Kommunikation, lokal oder via GameShare. Im Gemeinschaftsraum der Raumstation befindet sich zudem ein Koop-Leaderboard, auf dem die Ergebnisse der Minispiele eingesehen werden können – ein kleiner Anreiz, sich auch abseits der Hauptmission zu messen.

Gespielt werden kann auf mehreren Wegen:

  • Lokal im Splitscreen – mit zwei Paar Joy-Con-2- oder Pro-Controllern an einer einzigen Nintendo Switch 2-Konsole
  • Lokal via GameShare – eine zweite Person spielt auf einem eigenen kompatiblen Switch- bzw. Switch-2-Gerät mit
  • Online via GameShare – eine zweite Person spielt auf einem Switch-2-Gerät
  • Über den „Orbitals Global Friend’s Pass“ – eine weitere Option für gemeinsames Spielen über Distanz

Wie erwähnt, sind die Werkzeuge nicht fix an einen Charakter gebunden – mein Mitspieler und ich hatten die freie Auswahl und konnten bei Bedarf die Tools untereinander tauschen. Das hat sich angenehm anders angefühlt als bei Titeln wie It Takes Two oder Split Fiction, wo man sich im Vorfeld bewusst durch die Wahl der Figur auf eine Schiene festlegt.

Konkret ging es zunächst simpel los: kleine Brände löschen, dann etwas kniffligere Synergie-Aufgaben, etwa wenn einer von uns mit dem Haken Verriegelungen öffnete und der andere die freigelegte Schaltung aktivierte. Interessant war auch ein Rätsel, das sich fast wie eine Zwei-Spieler-Version des Angel-Minispiels aus Stardew Valley angefühlt hat – wir mussten gemeinsam einen Wasserstand passend zu einer Ziel-Markierung regulieren.

Bei einer Aufgabe mussten wir das Schiff reparieren. Um den Motor neu zu starten, sollten wir im Wechsel X drücken, wenn unsere Farbe an der Reihe war – verwirrend wird es aber, wenn die Farbe zum Beispiel wechselt, sobald man eines der Pfeil-Symbole trifft.aber, wenn die Farbe zum Beispiel wechselt, sobald man eines der Pfeil-Symbole trifft.

Insgesamt hatte Orbitals für mich einen sehr verspielten, aber auch chaotischen Charakter. Manche Rätsel klappten auf Anhieb, andere musste man zunächst gemeinsam verstehen und gemeinsam erfolgreich absolvieren, damit es weiterging.

Die Anime-Ästhetik ist dabei kein aufgesetztes Stilmittel, sondern das erklärte Herzstück des Projekts: Das Tokioter Team orientiert sich bewusst am Retro-Anime der frühen 90er-Jahre und hat dafür Studio Massket ins Boot geholt – ein Animationsstudio, das an zahlreichen bekannten japanischen Anime-Produktionen beteiligt war. Gemeinsam entstanden die handgefertigten Zwischensequenzen des Spiels, die zusammen mit der vollständigen japanischen, englischen oder auch deutschen Synchronisation eine zusätzliche Authentizitätsebene schaffen.

Charaktere & deutsche Synchronsprecher

Neben den beiden Hauptfiguren Maki und Omura treten im Spiel noch weitere wichtige Charaktere auf, darunter Togen, Kinakoko und Jaga. Für die deutsche Sprachausgabe stehen folgende Sprecher:innen fest:

CharakterDeutsche(r) Sprecher:in
MakiFranciska Friede
OmuraTim Knauer
TogenVincent Fallow
KinakokoAnja Topf
JagaK.H. Moller
Youtube Video

Es freut mich vor allem, Vincent Fallow im Spiel zu hören, der beispielsweise in PRAGMATA dem Hauptcharakter Hugh Williams seine Stimme leiht oder als Clive aus Final Fantasy 16 zu hören ist. Optional findet ihr hier die internationale Sprachbesetzung des Spiels.

Optik, Ton und Atmosphäre

Als visuelle Inspirationen wurden Anime wie Cowboy Bebop, Dragon Ball und Neon Genesis Evangelion genannt. Optisch würde ich es selbst so beschreiben: wunderschönes Cel-Shading gemischt mit handgemalten Effekten, das sich wirklich wie eine echte Anime-Welt anfühlt. Das Spiel besitzt eine flüssige Performance ohne spürbare Einbrüche, wobei die Animationen der Charaktere bewusst mit 24 Bildern gezeichnet sind, um den filmischen Look perfekt einzufangen. Einbrüche der Performance gab es keine.

Steuerung & technische Umsetzung

Die Steuerung geht gut von der Hand. Spürbar lange Ladezeiten, Ruckler oder andere technische Probleme konnte ich keine feststellen.

Ein kleiner Vorbehalt betrifft das Bewegungsgefühl: Obwohl die Figuren augenscheinlich rennen, fühlt sich die Fortbewegung stellenweise eher wie Gleiten an, was die Navigation etwas ungenau wirken lässt. Viele der Rätsel gleichen das jedoch durch Autolock und großzügige Hitboxen aus, sodass es in den gespielten Abschnitten kein größeres Hindernis darstellte.

Erster Eindruck

Das Spiel soll bewusst zugänglich sein, wobei manche Plattforming-Passagen auch euer Geschick herausfordern. Ob der Schwierigkeitsgrad im späten Spielverlauf merklich anzieht, klären Alex und Daniela hier bei Nintendo Connect im ausführlichen Testbericht.

Orbitals überzeugt durch einen einzigartigen Grafikstil, sein intergalaktisches Koop-Gameplay und die deutsche Synchronisation. Wahlweise könnt ihr aber auch zahlreiche andere Sprachen – darunter Japanisch und Englisch – auswählen.

Das Verlieren von Fortschritt wurde bewusst locker gehandhabt: Abstürze in einen Abgrund, die Explosion eines Roboters oder andere Missgeschicke setzen die Spieler lediglich ein kleines Stück zurück – ein komplettes Wiederholen eines Abschnitts scheint kaum vorgesehen zu sein. In einem Fall landete ich nach einem knapp verfehlten Sprung sogar auf der eigentlich nicht erreichten Plattform. Ob sich das im späteren Spielverlauf noch ändert, bleibt abzuwarten – wer hier ein forderndes Erlebnis erwartet, muss unseren Test lesen.

Fans klassischer Retro-Anime-Serien dürfen sich außerdem auf versteckte Easter Eggs freuen: Laut Publisher Kepler Interactive sind im Spiel Anspielungen auf bekannte Retro-Anime-Serien verborgen. Welche das konkret sind, wurde bislang noch nicht verraten.

Community-Stimmung

Mir ist aufgefallen, dass im Internet durchaus ein gespaltenes Bild herrscht: Die Anime-Optik und der Stil werden durchgehend gelobt, gleichzeitig sorgt der verpflichtende Koop-Zwang (kein Einzelspieler-Modus) bei vielen für Frust, weil schlicht Mitspieler fehlen. Schreibt mir gerne eure Meinung zum Thema unten in die Kommentare und taggt unter unseren Social-Media-Posts gerne die Person, die mit euch zusammen durch das Abenteuer streifen wird.

Orbitals erscheint am 3. September 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2, digital sowie als physische Retail-Fassung.

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