Digimon Story Time Stranger im Test für Nintendo Switch 2

Wibbly Wobbly, Timey Stranger

Es ist ein schöner Zeitpunkt, ein Digimon-Fan zu sein. Der Emotional Damage aus Digimon Beatbreak Folge 45 verheilt langsam, das TCG erfreut sich in meiner Gegend immer größerer Beliebtheit und das 2025 erschienene Digimon Story Time Stranger erhält aufgrund des Erfolgs schon 2027 eine große Erweiterung.

Und am 10. Juli 2026 erhielten auch Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 einen Port von eben diesem Spiel. Warum die Ports nicht zeitgleich mit dem Release auf PC, XBOX Series und PlayStation erschienen sind, ist mir unbekannt. Aber ich habe mich nun auf meiner Switch 2 ein zweites Mal in die Digiwelt von Digimon Story Time Stranger gewagt, nachdem ich bereits auf Xbox die Welt(en) gerettet habe.

Entsprechend versuche ich, nicht zu viel zu verraten, kann aber jetzt schon spoilerfrei allen Unentschlossenen sagen, dass hier nicht nur ein gutes Digimon-Spiel abgeliefert wurde, sondern auch ein solides JRPG, welches sich nicht vor anderen seiner Art verstecken muss.

Kämpfende Monster in meinem Tokio?!

Wir finden uns nach einem kleinen Anime-Style-Intro in Tokio wieder. Wir sind ein Agent von ADAMAS und unsere Aufgabe ist es, Anomalien zu untersuchen und im Idealfall zu beseitigen, bevor sie Schaden anrichten können. Unser Kontakt mit der Organisation erklärt uns in vagen Worten, was zu tun ist. Dabei fällt auf, dass dies die Figur ist, die wir nicht am Anfang gewählt haben. Wir wählen am Anfang eine von zwei Figuren aus, die uns zusagt, geben uns einen Namen und beginnen das Spiel. Die nicht gewählte Figur ist nun unser ADAMAS-Operator, hält den Kontakt zu uns offen und leitet Anweisungen weiter.

Nach etwas Aufruhr können wir uns in die Kanalisation schleichen, um diese mysteriöse Mauer in der Stadt zu umgehen. Und dort begegnen uns die vermeintlichen Anomalien: Digimon! Aber wir sind nicht allein und dürfen uns eines von drei Startern aussuchen und durchlaufen nun ein kleines Tutorial, in dem wir ein Gefühl für die Mechaniken bekommen.

Ein Mädchen, welches uns kennt (wir sie aber nicht), schließt sich uns an und nach einigen Twists und Turns, etwa einer Verfolgungsjagd durch ein MetalGreymon (Blau), kämpfen wir uns auf die Spitze des zerstörten Tokyo Metropolitan Buildings. Dabei lernen wir, u. a. mit den Daten der bekämpften Digimon auch neue zu erschaffen, welche uns nun im Team zur Seite stehen (oder unzeremoniell als Datenfutter bzw. EXP-Booster für unser Team herhalten) und auch die Grundlagen der Digitation.

Unterwegs erfahren wir auch, dass sich die Digimon untereinander in einer Art Krieg befinden. Nach einem Franchise-Klischee-Bosskampf gegen ein Kuwagamon auf dem Dach des Gebäudes überspitzen sich die Ereignisse aber und eine riesige Explosion erfasst uns. Ausgelöst durch eine riesige Faust, die einem riesigen Roboter eine runterhaut … Unser Abenteuer durch die Zeit beginnt. Wobei wir alles versuchen müssen, wieder zu richten … so lang und oft es eben braucht …

Das Szenario bis zum Kampf gegen Kuwagamon und noch etwas weiter könnt ihr übrigens bereits in der Demo auf allen Plattformen erkunden. Savegames lassen sich übertragen – also schaut es euch mal an, wenn ihr auch nur ansatzweise interessiert seid!

Nur mal kurz die Welt retten

Während der Agent, also wir, sich zwischen den Zeiten und mehreren Varianten der Zeitlinien wuselt, lösen wir viele Nebenquests sowie einige ungewöhnliche Herausforderungen, die uns u. a. Anomaliepunkte geben, um unseren Agentenrang zu erhöhen. Die Punkte investieren wir in verschiedene Skillbäume und nach einer gewissen Menge an investierten Punkten steigt unser Agentenrang, welcher uns mehr Möglichkeiten gibt – etwa, dass unsere Digimon höher digitieren, die Digitationsbedingungen verringert werden, wir mehr Erfahrungspunkte für unsere Reservisten-Digimon (auf der Wechselbank) erhalten oder auch neue Modi für unser Digivice mit den Cross Arts (zu Deutsch: Kreuzungskünste) freigeschaltet werden.

Dabei rüsten wir unsere Digimon nicht nur aus, sondern pushen bestimmte Werte, um bestimmte Digitationen freizuschalten. Dabei kann jedes Digimon, sofern die Werte vorhanden sind, hoch und runter digitieren und auch komplett andere „Wege“ gehen. So kann unser Gomamon mit etwas Know-how auch am Ende zu einem Beelzemon werden. Soweit auch schon aus Digimon Story Cyber Sleuth und Hackers Memory bekannt.

Was neu ist: Alle Angriffe, die nicht zum Digimon selbst gehören, können als Item gelagert und einem anderen Digimon verpasst werden. Dabei gibt es keine Regularien, ob ein Gabumon nicht eine Feuerattacke ausrüsten darf oder Ähnliches. Natürlich müssen wir aber darauf achten, dass die Attacke zum Digimon passt. Eine magische Elektro-Attacke hilft nicht viel, wenn die entsprechenden Attribute des Digimon eher niedrig sind und die entsprechenden Verteidigungswerte des Ziels hoch. Dazu kommt noch ein doppeltes Schere-Stein-Papier-System in Form von Digimon-Typus und Elementen. Letzteres ist aber bei vielen Digimon nicht intuitiv. Z. B. nimmt nicht jedes Wasser-Digimon mehr Schaden durch Elektroattacken.

Auch fein wegen der Attacken: Diese lassen sich ggf. farmen, wenn ihr ein Digimon zurückdigitiert und wieder von vorne aufzieht und dabei diese Attacke vorher vom Digimon abrüstet. Ist das balanced? Nein. Aber es gibt auch keinen PvP-Modus, wo das wirklich relevant wäre.

Es gibt auch ein rudimentäres passives Fähigkeitensystem, versteckt hinter den Persönlichkeiten eines Digimon. Das können Sachen sein wie: Teilt mehr Schaden aus, wenn unter einer bestimmten %-Menge Leben. Aber auch: Füllt beim Heilen auch etwas FP (quasi das Mana) des Ziels auf. Oder verringerte FP-Kosten auf bestimmte Arten von Attacken. Persönlichkeiten verschieben wir durch Casual-Gespräche mit unseren Digimon oder durch besonderes Training auf der Digifarm.

Und wer immer zu kniepig ist, Heilitems auf seine Digimon zu werfen: Wenn wir zwischen den Kämpfen stehen bleiben, regeneriert sich unsere Party binnen weniger Sekunden. Wie lange das dauert, steht da auch, aber das ist auch die Phase, in der wir mit unseren Digimon das erwähnte Casual-Gespräch führen können. Diese Text-Prompts wiederholen sich jedoch sehr häufig – leider, aber kein Beinbruch. Dennoch können wir mit einem Knopfdruck sehen, in welche Richtung eine bestimmte Antwort auf die Frage unseres Digimon einmündet. Wer wollte nicht schon immer ein „passioniertes“ LadyDevimon …

Solider Port, mit ein-zwei Abstrichen

Mit der Xbox-Fassung im Hinterkopf sieht Digimon Story Time Stranger auf der Nintendo Switch 2 gut aus. Dabei gibt es zwei Modi, welche nun mittlerweile salonfähig sind: Performance- und Qualitätsmodus.

Ich bin normalerweise nicht so aufmerksam bei solchen Dingen. Aber ich habe mehr vom HDR erwartet. Dieses Feature ist auch, zumindest laut Hinweistext, im Handheld zu sehen … Aber bis auf die schärferen Texturen fallen mir nur die stabilen 30 Frames pro Sekunde auf. Und auch wenn es sich bei diesem Spiel um ein rundenbasiertes RPG handelt, im Handheld spiele ich dann doch lieber mit den fluffigen und auch stabilen 60 FPS und ohne HDR – welches ich scheinbar sowieso nicht bemerke. Aber vielleicht habe ich nur einen Knick in der Optik. Daher hier ein Screenshot aus dem Performance- und einer aus dem Qualitätsmodus – beide mit der Switch im Docked-Modus!

Da man für jeden Moduswechsel das Spiel neustarten muss und beim Laden die Positionen der Begleiter zufällig ausgewürfelt werden, möchte ich mich hier für die mangelnde Geduld entschuldigen, solange neu zu laden, bis beide Screenshots so nah wie möglich beieinander sind.

Ansonsten habe ich bei der Menüführung nur zu beanstanden – und das hat jede Version des Spiels: Warum brauche ich ein Menü für Digitation, eines zum Ausrüsten, eines zum Laden und und und? Der Controller hat noch mehr Buttons und mit Modi lässt sich auch einiges anstellen. Sieht man ja auch bei Pokémon, wo wir mit einem Knopfdruck auswählen, ob wir ein kontextbasiertes Menü angezeigt bekommen möchten, einfach nur die Pokémon in der Box bewegen möchten oder gar mehrere.

Okay, der Pokémon-Boxen-Vergleich hinkt, denn eine Box gibt es hier nicht. Daher sieht es gerne unten aus wie Kraut und Rüben, aber immerhin lässt uns das Spiel bestimmte Digimon „schützen“. Wer also sein Starter-Digimon nicht aus Versehen irgendwann mal falsch verwerten will, kann es so davor bewahren.

Am Ende der (Review)-Zeit

Alles in allem macht man mit dem Spiel nichts falsch auf Nintendo Switch 2 oder auf den anderen Plattformen. Selbst Leute, die sich nie sehr mit Digimon befasst haben, aber Lust auf ein JRPG haben, sind hier gut aufgehoben und finden bald eine Party aus Digimon, die ihnen gefällt.

Achtung: Wer sich das Spiel und seine Editionen anschaut, könnte aber leicht verwirrt werden. Natürlich gibt es Story-DLC, die eine kleine Nebengeschichte erzählen und dabei einige neue Digimon hinzufügen, aber auch kosmetische DLC, Fanservice-DLC, aber auch ein JRPG-Quality-of-Life-DLC. Grundsätzlich kann ich hier den Season Pass empfehlen, welcher alle Story-DLC enthält.

Die Kostüm-DLC sind lediglich das: Kostüme für euren Charakter und die zwei regelmäßigen Begleiter im Spiel. Wobei, das ist zu hart gesagt. Mit jedem Kostüm-DLC gibt es auch eine kleine Nebenquest, die ein paar Anomaliepunkte gibt. Dabei muss man selber wissen, ob es einem wert ist.

Wer aber seinen JRPG-Grind minimieren möchte, sollte sich den „Digimon Story Time Stranger – Outer Dungeon„-DLC anschauen. Hier erhalten wir bald im Spielverlauf Zugriff auf Grind-Dungeons, wo wir schnell an Geld, Erfahrungspunkte und andere Items kommen, für die man sonst hart grinden muss. Die Erfahrungspunkte werden auch in Form eines Items abgelegt, damit wir diese auf ein Digimon unserer Wahl aussprechen können. Das und das Geld verkürzen den üblichen JRPG-Timesink-Schmerz ungemein. Ob es einem jedoch die 8 € zusätzlich wert ist, muss aber auch jeder für sich selber entscheiden.

Aber auch ohne die DLC erhaltet ihr für 69,99 € (Standard-Edition) im Nintendo eShop ein rundes Paket an Liebe zur Franchise und ein solides Spiel mit großartiger Story, dessen Twists man nicht auf 100 Meter Entfernung kommen sieht. Wer mehr Inhalte möchte, kann zur teureren Deluxe- oder Ultimate-Edition greifen. Sparen könnt ihr hingegen bei der physischen Version, die es z. B. bei Amazon günstiger gibt.

*Affiliate-Link. Über einen qualifizierten Kauf erhält Nintendo Connect eine kleine Provision.

Digimon Story Time Stranger ist erhältlich auf XBOX Series, PlayStation, Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 sowie dem PC. Ein Testmuster der Nintendo-Switch-2-Version wurde uns von Bandai Namco zur Verfügung gestellt.

84/100
Total Score

Pro

  • Story mit vielen unerwarteten Wendungen
  • Liebe zur Franchise
  • Abwechslungsreiche Herausforderungen
  • Überschaubares und doch komplexes RPG-System
  • Solide auf Switch 2 umgesetzt

Contra

  • Manchmal etwas grindy
  • Verwirrende Navigation bis zum Postgame
  • Etwas verwirrende Digitationsbäume und Digitationsbedingungen
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