Review: Mixtape ist ein emotionaler Roadtrip durch die Jugend

Mit Mixtape liefern die Entwickler von The Artful Escape ein außergewöhnliches Erlebnis ab. Das narrative Adventure von Beethoven & Dinosaur setzt dabei weniger auf klassische Gameplay-Mechaniken und stattdessen voll auf Atmosphäre, Musik und Emotionen. Herausgekommen ist ein Spiel, das sich oft eher wie ein interaktiver Coming-of-Age-Film anfühlt – und genau darin liegt seine größte Stärke.

Ich habe das Spiel auf PlayStation 5 gespielt und es wurde privat gekauft – es gibt auch eine Version für Nintendo Switch 2, zu der ich qualitativ allerdings nichts sagen kann.

Eine letzte Nacht voller Erinnerungen

Die Geschichte begleitet Stacy, Slater und Cassandra in ihrer letzten Nacht vor dem Ende der Highschool. Eigentlich wollen die drei nur gemeinsam zu einer Party fahren, doch unterwegs wird die Reise immer wieder von Erinnerungen an prägende Momente ihrer Jugend unterbrochen.

An ihrem letzten gemeinsamen Abend wagen sich drei Freunde auf ein finales großes Abenteuer.

Diese Rückblicke bilden das Herzstück von Mixtape. Statt einfach nur Zwischensequenzen abzuspielen, verwandelt das Spiel die Erinnerungen in stilisierte und teilweise surreal inszenierte Gameplay-Sequenzen. Man fährt Skateboard, rast in Einkaufswagen Hügel hinunter oder erlebt erste romantische Momente nach, inklusive intensivem Zungenkuss.

Durchlebt wird ein Mixtape aus Erinnerungen, das die großen und kleinen Momente des Teenagerlebens wieder aufleben lässt – vom ersten Kuss bis zum letzten Tanz.

Oft wirken diese Szenen bewusst überzogen und traumartig – genauso, wie man sich viele Momente aus der Jugend eben selbst in Erinnerung behält.

Musik wird hier zum eigentlichen Hauptcharakter

Wie der Titel bereits andeutet, spielt Musik eine zentrale Rolle. Stacy trägt ständig Kopfhörer und verbindet nahezu jede Situation mit einem passenden Song. Immer wieder erklärt sie direkt dem Spieler, warum ein Lied gerade perfekt zu einem bestimmten Moment passt.

Der Soundtrack zählt klar zu den größten Stärken des Spiels. Songs von The Cure, Iggy Pop, The Smashing Pumpkins, DEVO oder Roxy Music sorgen dafür, dass viele Szenen noch deutlich emotionaler wirken.

Die Musik fungiert dabei als „Soundtrack einer ganzen Generation“ und begleitet die Jugendlichen durch eine Welt aus Erinnerungen, Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens.

Musik und Erinnerungen greifen dabei gelungen ineinander und erzeugen eine Atmosphäre, die nur wenige Spiele so authentisch transportieren können.

Visuell eines der stilvollsten Spiele des Jahres

Optisch erinnert Mixtape häufig eher an einen experimentellen Animationsfilm als an ein klassisches Videospiel. Das Spiel setzt auf stop-motion-artige Animationen, cineastische Kamerafahrten, starke Farbfilter und viele visuelle Stilmittel, die an Musikvideos oder Filme der 90er erinnern.

Besonders die leicht ruckeligen Animationen der Figuren erzeugen eine einzigartige Wirkung. Der Stil erinnert teilweise an Spider-Man: Into the Spider-Verse oder die Life is Strange-Titel und verleiht dem Spiel einen traumartigen Charakter.

Skaten, Fliegen, Fotosessions in verlassenen Orten und kleine chaotische Jugendmomente werden dabei wie Erinnerungsfragmente inszeniert, die zwischen Realität und Überhöhung schwanken.

Immer wieder verschwimmt die Grenze zwischen Gameplay und Filmsequenz. Teilweise merkt man kaum noch, ob man gerade selbst spielt oder eine Zwischensequenz betrachtet.

Weniger klassisches Gameplay als erwartet

Wer allerdings komplexe Gameplay-Systeme erwartet, sollte seine Erwartungen etwas anpassen. Der Großteil des knapp 5-stündigen Spiels besteht aus Dialogen, kleineren Interaktionen und interaktiven Story-Sequenzen.

Spielerisch bleibt Mixtape daher relativ simpel. Das ist nicht zwingend schlecht, dürfte aber nicht jeden ansprechen. Der Fokus liegt klar auf Emotionen, Atmosphäre und den Beziehungen der Charaktere untereinander – nicht auf spielerischer Herausforderung.

Nostalgie mit erstaunlich viel Herz

Besonders beeindruckend ist, wie authentisch das Spiel seine Jugend-Thematik einfängt. Mixtape verlässt sich nicht einfach nur auf oberflächliche 90er-Nostalgie, sondern erzählt glaubwürdig von Unsicherheiten, Freundschaften, Ängsten und dem Erwachsenwerden.

Dabei steht vor allem die „nostalgische Planlosigkeit“ im Mittelpunkt – dieses Gefühl zwischen Unfug, Freiheit und Unsicherheit, das viele aus der eigenen Jugend kennen dürften.

Mixtape ist kein Spiel für jeden. Wer komplexes Gameplay, viel Action oder eine lange Spielzeit erwartet, dürfte hier eher enttäuscht werden. Wer sich allerdings auf eine emotionale, stilvolle und musikgetriebene Reise einlassen kann, bekommt ein recht einzigartiges Erlebnis geboten.

Ein emotionales Kunstwerk über das Erwachsenwerden

Ein emotionales Kunstwerk über das Erwachsenwerden
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Das Spiel versteht es hervorragend, dieses bittersüße Gefühl der Jugend einzufangen – die Mischung aus Freiheit, Unsicherheit, Freundschaft und der Angst davor, dass sich alles verändern wird. Genau dadurch bleibt Mixtape auch lange nach dem Abspann im Kopf.
Das Spiel versteht es hervorragend, dieses bittersüße Gefühl der Jugend einzufangen – die Mischung aus Freiheit, Unsicherheit, Freundschaft und der Angst davor, dass sich alles verändern wird. Genau dadurch bleibt Mixtape auch lange nach dem Abspann im Kopf.
90/100
Total Score

Pro

  • Emotionales Storytelling
  • Herausragender Soundtrack
  • Extrem stilvolle audiovisuelle Präsentation
  • Authentische Coming-of-Age-Atmosphäre

Contra

  • Wenig spielerische Tiefe
  • Sehr lineares Gameplay
  • Nicht jeder wird mit dem filmischen Stil etwas anfangen können

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