Der Kreis des Schicksals schließt sich in Legacy of Kain: Defiance Remastered

Es gibt viele Arten, wie Videospiele genossen und wahrgenommen werden. Für viele im Vordergrund der Bewertung steht sicherlich das Gameplay, anderen etwa ist die Grafik sehr wichtig. Sicherlich fallen jedem spontan eine Reihe cooler Spiele ein, die sie anhand einer dieser Metriken hoch in ihrer Gunst einstufen.

Legacy of Kain ist dabei eine Spielereihe, um die wir nicht herumkommen, setzen wir diesen Fokus auf Story.

Legacy of Kain: Defiance Remastered erschien am 31. März 2026 für Nintendo Switch. Es gibt eine native Unterstützung für Nintendo Switch 2, einschließlich höherer Grafikauflösung und besserer Leistung, sowie verbesserte Qualität der Spielmodelle und Texturen.

Mit insgesamt fünf Spielen, die die Hauptgeschichte umspannen, hat man ein Epos geschaffen, der einzigartig in der Gaminglandschaft ist. Über Schicksal, freien Willen, Zeitreise und Paradoxien umspannt die Reihe eine packende Erzählung über die Geschichte der fiktiven Welt Nosgoth. Mit den zentralen Hauptfiguren, dem Vampir Kain, Namensgeber der Reihe, und Raziel, dessen ursprünglichem Statthalter, der vom Vampir zum Racheengel und Seelenräuber wurde.

Legacy of Kain: Defiance stellt dabei das bisherige Finale der Reihe dar und außerdem den dritten Ableger im Bunde, der ein HD Remaster erhalten hat. Zuvor bekamen wir die unmittelbaren Vorgänger mit Hauptfigur Raziel, Soul Reaver 1 und 2 im Doppelpack spendiert. Ob wir auch die anderen beiden Ableger Blood Omen 1 und 2 mit Kain als Protagonisten als Remaster erleben werden, steht derweil noch in den Sternen.

Doch kann Defiance heutzutage überhaupt noch punkten und als Spiel überzeugen?

Das gute, alte Nosgoth

Storytechnisch beginnen wir direkt nach dem Ende von Soul Reaver 2, nachdem Raziel von seinem ehemaligen Herrn und Meister Kain unwillentlich mit dem legendären Schwert, dem Soul Reaver, erstochen wurde.

Während Kain an Ort und Stelle verblieb und nun die Festung der Sarafanen – die menschlichen Vampirjäger dieser Zeitepoche – infiltriert, um deren Anführer Möbius zu finden und zu verhören, tauchte Raziel durch seinen physischen Tod in die Unterwelt hinab und verharrte dort in Erschöpfung und Resignation 500 Jahre. In steter Gegenwärtigkeit seines neuen, vermeintlichen Meisters, der ihn einst angeblich vor dem Tod als Vampir bewahrte und als seelenraubenden Diener wiederbelebte. Doch als Meister sieht Raziel diesen düsteren Gott, der sich wie ein gigantischer Tintenfisch präsentiert, schon lange nicht mehr. Denn sowohl Kain als auch Raziel wurden und werden stets nur von allen um sie herum manipuliert und beeinflusst, während beide nach ihrer wahren Bestimmung suchen.

Die Story verläuft dabei linear. Wir starten mit Kain und wechseln nach dem Erreichen des aktuellen Ziels zu Raziel. Jeder Abschnitt führt uns dabei in neue, wenn auch leicht bekannte Gebiete, wie etwa den Schauplatz der zentralen Storyelemente, die Säulen von Nosgoth.

Nach und nach decken wir neue Prophezeiungen auf, lüften Rätsel der Geschichte und verstricken uns in neue Mysterien, die es aufzuklären gilt. Dabei treffen sie auf eine Reihe alter Bekannter und Vertrauter, die ebenfalls eine Version dessen, was sie für die wahre Bestimmung und das Schicksal halten, an die beiden Protagonisten weitergeben.

Wie auch schon in den beiden vorangegangenen Remastern können wir in Defiance jederzeit über Knopfdruck zwischen der aufgepeppten und der originalen Grafik wechseln. Ein cooles Feature, was viele Spieler, inklusive mir, über die Jahre schon bei einigen Remaster-Spielen zu schätzen gelernt haben.

Allerdings tut sich Defiance hier ähnlich wie schon die Soul Reaver 1+2 Remasters keinen allzu großen Gefallen in Bezug darauf, dass der Spieler so leicht sehen kann, was genau grafisch aufgepeppt wurde. Denn auch in Defiance, möchte ich meinen, hat man sich nicht gerade übermäßig viel Mühe gegeben. Im Prinzip wurde hier nur das Nötigste getan: höher aufgelöste bzw. überarbeitete Texturen. An einigen wenigen Stellen möchte man sogar meinen, hatte die Originalversion ein paar mehr Details oder im Falle von altertümlichen Wandfreskos einen glaubwürdigeren, weniger sauberen Look. So habe ich während des Hin- und Herwechselns der Grafikmodi oft nicht bemerkt, dass ich gerade noch in der Originalgrafik umherwanderte. Meist fiel mir dies dann erst durch einen Blick auf den optisch deutlich anders gestalteten Lebensbalken auf.

In einem Punkt jedoch wurde sich etwas mehr Mühe gegeben: die Charaktermodelle. Vom gefangenen NPC hin zu den Hauptcharakteren des Spiels wurde ordentlich an den grafischen Stellschrauben gedreht und auch das gesamte Lighting wurde überarbeitet.

Man kann dieses überarbeitete Lighting übrigens auch wahlweise in der nicht geremasterten Grafik aktivieren und sieht sogleich noch weniger optische Unterschiede…

Was allerdings als gravierend positiver Aspekt zu betrachten ist, ist die Möglichkeit, per Knopfdruck auf eine freie Kameraperspektive zu wechseln. Denn der meist feste Kamerawinkel, der sich nur leicht schwenken ließ, war die größte spielerische Last im Original, was nicht nur irritierend wirkte und ein deutlicher Rückschritt zum Vorgänger Soul Reaver 2 war, sondern auch spielerisch einige Jump-’n’-Run-Passagen deutlich schwerer machte, als sie hätten sein müssen. Eine deutlich spürbare Aufwertung des Spiels!

Die Charaktermodelle machen einen klaren Schritt voran, die Hintergründe wirken deutlich austauschbarer.

Verbessertes Gameplay, weichgespülte Rätsel-Einlagen

Spielerisch gesehen – so muss ich leider eingestehen – stach Legacy of Kain nie wirklich hervor. Gameplay, wenn auch durchaus spaßig und im schwächsten Fall mindestens funktionabel, war doch meist eher Mittel zum Zweck. Während man den spielerischen Tiefpunkt in Blood Omen 2 erreicht hatte, konnte Soul Reaver 2 wieder eine Schippe drauflegen, blieb aber dank spaßigen Block-Mechaniken hinter Soul Reaver 1 zurück. Der Fokus lag immer schon auf Atmosphäre, Weltdesign und eben der komplex erzählten Story mit tiefgründigen und gut geschriebenen Dialogen.

Defiance geht dabei für mich als die gameplay-technische Speerspitze der Reihe hervor. Wir haben einen leichten und einen schweren Angriff, können mit Hilfe von Telekinese angreifen, Spezialattacken aufladen und abfeuern und dazu entweder athletisch rollend ausweichen (Raziel), oder überlegen dominierend durch leichtes “Phasing” gegnerischen Attacken entgehen (Kain).

Zudem erhalten wir durch besiegte Gegner erstmals in der Spielereihe Erfahrungspunkte, die uns einige Level-ups gewähren, wodurch wir eine Handvoll neue Angriffskombinationen erlernen.

Dieses System motiviert entsprechend anfangs, die Gegner auch wirklich zu bekämpfen und nicht einfach nur stehen zu lassen – was man in den Vorgängern an den meisten Stellen einfach tun konnte, um schneller voranzukommen. Leider geht das System nicht sehr weit in die Tiefe, sodass man lange vor Spielende das maximale Level erreicht haben sollte.

Einen Grund gibt es jedoch auch mit maximalem Level, hin und wieder Gegner in optionalen Kämpfen zu besiegen: Wie in den Vorgängern verlieren Kain und Raziel nämlich nach und nach ihre Lebenspunkte, auch wenn sie nur untätig herumstehen. So muss Kain sich als Vampir hin und wieder am Blut seiner Feinde laben, um sich zu heilen bzw. am Leben zu bleiben, während Raziel deren Seelen aufsaugt. Alternativ stehen auch hin und wieder Gefäße mit Blut oder… Seelenenergie in der Gegend herum, aus denen sich beide bedienen können. Die maximale Lebenskraft, als auch die Menge an Energie, die für die telekinetischen Fähigkeiten gebraucht wird, lassen sich durch das Finden von Artefakten im Spiel erhöhen. Diese sind absolut optional und teilweise versteckt, sodass der Spieler beim Erkunden der Welt angehalten ist, etwas genauer die Augen offen zu halten. Auch hier gibt einem die freie Kamera das Gefühl von Erleichterung.

Das Duell des Schicksals.

Während die spielerischen Episoden von Kain vor allem zu Beginn den Fokus auf die Kämpfe legen, darf Raziel sich etwas mehr mit Rätseln herumschlagen, wie auch schon in seinen vergangenen Abenteuern. Die Rätsel jedoch wirken teilweise ziemlich entschärft und verlangen dem Spieler weniger ab, sind dabei allerdings auch weniger reine Fleißaufgaben, wie zum Teil in Soul Reaver 1 und 2, wodurch der Spielfluss insgesamt smoother wirkt. Natürlich darf aber ein essentieller Teil nicht fehlen: die Fähigkeit Raziels, aufgrund seiner… noch… toteren Natur als die des untoten Kains, zwischen dem Reich der Lebenden und der Geisterwelt bzw. Spektralebene hin- und herzuwechseln. Der Wechsel ist nicht nur essentiell, um durch einige Passagen zu gelangen – etwa eine veränderte Umgebung oder die Möglichkeit, nur in der Spektralebene durch Gitterstäbe hindurch zu phasen (eine Fähigkeit, die Kain übrigens auch in der realen Welt besitzt). Auch die Gegnerkulisse ändert sich im Reich der Geister und sie dient außerdem als quasi zweite Chance bzw. Puffer, sollte Raziel im Reich der Lebenden besiegt werden. So heißt es hier nicht Game Over, denn stattdessen taucht man erst in jene Geisterwelt hinab und hat dort die Chance, seine Lebensenergie durch frische Seelen wieder aufzufüllen und erneut die reale Welt zu betreten.

Was Kain und Raziel auf ihrer Reise gemein haben, ist, dass sie ihre jeweilige Version des Schwertes Soul Reaver, in Kains Fall die physische Manifestation des Schwertes, in Raziels Fall die geisterhafte Manifestation eben jener Waffe, durch Artefakte stärken. Dabei muss Kain Bruchstücke des Symbols des Gleichgewichts aufspüren und Raziel seinen Reaver in dafür gefertigten Schmieden neue Macht einhauchen lassen.

Die Schmieden folgen hier leider einem einzigen Copy-and-paste-Design. Zwar sind die zu lösenden Aufgaben leicht unterschiedlich, aber optisch gibt es kaum Unterschiede. Im Gegensatz zu Soul Reaver 2, wo jede Schmiede nicht nur mit größeren, abwechslungsreicheren und dadurch interessanteren Rätseln aufwarten konnte, sondern auch über ein distinktives, eigenes Design verfügte. Noch dazu bereist man mit Kain im Schnelldurchlauf ebenfalls diese Schmieden, was optisch doch recht schnell zu Ermüdungserscheinungen führen kann. Hier merkt man, dass wohl damals in der Entwicklung Zeit und Geld ein stark limitierender Faktor in der Entwicklung waren – immerhin haben wir im Hauptmenü des Defiance Remasters, wie auch schon im Soul Reaver 1+2 Remaster, die Möglichkeit, einige frühe Levelentwürfe für das Originalspiel auszuwählen und zu erkunden. Dort sehen wir deutlich andere Versionen der Schmieden. Diese sind trotz unfertigem Zustand größer, individueller und optisch stärker auf Linie mit denen vergangener Spiele.

Schön, diesen Einblick serviert zu bekommen, wenngleich auch mit dem traurigen Wissen, dass das Spiel vor allem in der visuellen Darstellung und Abwechslung hätte um einiges besser sein können.

Einer der vielen, sammelbaren Skins.

Was gibt es noch…?

Wie schon erwähnt, liefert das HD Remaster von Defiance uns einige Einblicke in die Lost Levels der frühen Entwicklung. Zusätzlich bekommen wir etliche Entwicklungsskizzen zu Orten oder Charaktermodellen, aber auch viele Zusatzinformationen rund um das Spiel und die Story in Textform. Dafür benötigt man allerdings ein paar Englischkenntnisse, da diese nicht auf Deutsch vorliegen.

Außerdem finden sich im Spiel selbst eine Handvoll sammelbarer, alternativer Skins für Raziel und Kain. Ein nettes kleines Feature und definitiv ein Bonus und Mehraufwand gegenüber den Soul Reaver Remaster-Teilen. Schöner wäre es allerdings aus meiner Sicht gewesen, hätte man die Skins von Anfang an auswählen können, denn so bekommt man einige erst sehr spät im Spiel und kann sie somit gar nicht richtig erleben ohne einen erneuten Spieldurchlauf und manche findet man womöglich einfach gar nicht.

Zudem wirken gerade ein paar der Kain-Skins auf mich etwas deplatziert, was deren Optik bzw. Stil angeht. Einige der Raziel-Modelle haben dabei das Problem, dass das Gesicht voll ausmodelliert ist (Raziels Figur hat eigentlich keinen Unterkiefer mehr und trägt daher einen Schal vor seinem Gesicht… wie spricht er eigentlich…?), dann aber in den Zwischensequenzen keinerlei Mundbewegungen animiert wurden. Das wirkt aus heutiger Sicht sehr merkwürdig beim Ansehen. Zudem verfügen nicht alle seine Modelle über Flügel. Daher wirkt das Gleiten über Abgründe auch etwas unglücklich. Und gerade bei dem Raziel-Skin, der ihn als Vampir und Statthalter Kains zeigt, wären die Flügel, die er zu Beginn von Soul Reaver 1 in der Einführungs-Videosequenz präsentiert, sehr willkommen und sinnvoll gewesen. Leider hat man hier also ein wenig die Liebe zum Detail vermissen lassen.

Alles in allem habe ich dennoch das Gefühl, dass wir mit dem Defiance Remaster etwas mehr Arbeit seitens der Entwickler spendiert bekommen haben als noch mit Soul Reaver 1+2 – abgesehen davon, dass es zwei Spiele sind, im Gegensatz zum Einzeltitel Defiance.

Was sagt der mächtige Vampir Vorador?

Vom Schicksal akzeptiert?

Legacy of Kain: Defiance HD Remaster macht einen recht guten Job, den alten Spieleklassiker optisch in die heutige Gaming-Landschaft zu transportieren. Auch heute noch fesselt die Geschichte, sind die Dialoge intelligent geschrieben und schön in Szene gesetzt, sucht der Art-Style seinesgleichen und lässt einen durch die generelle, distinktive Atmosphäre der Welt von Nosgoth perfekt in das Erlebnis eintauchen.

Die spielerische Neuerung der frei beweglichen Kamera spült den schärfsten Kritikpunkt am Gameplay des Originals souverän über Bord.

Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass hier optisch hätte einfach mehr getan werden können, wie auch schon in den Remastern zu Soul Reaver 1 und 2, und hier erneut nur ein Testballon losgelassen wurde, um das generelle Interesse der heutigen Gamer an der Reihe zu erfahren. Entsprechend hoffe ich, dass es ausreichte, um uns künftig eine richtige, moderne Fortsetzung spendieren zu wollen.

Davon abgesehen wirkt das generelle Gameplay und Leveldesign heutzutage wahrhaft eingestaubt an mehreren Stellen. Ob also mit dem Remaster neue Fans erschlossen werden können, würde ich eher kritisch beäugen…

Für Kenner und Fans der Reihe gibt es allerdings eine klare Empfehlung.

SPEZIAL

Da eine Wertung in Zahlen eher nüchtern ausfällt, möchte ich hier untypischerweise kurz genauer erläutern, wie ich einzelne Bereiche etwa bewerte und warum Defiance dennoch ein Videospiel-Diamant ist. Die einzelnen Bereiche sind unterschiedlich gewichtet, sodass das endgültige Ergebnis rein rechnerisch etwas abweicht.

Story 10/10
Gameplay 6/10
Grafik 7/10
Soundtrack 8/10

75/100
Total Score

Pro

  • Gut gelungene, neue Charaktermodelle
  • Endlich eine freie Kamera
  • Komplexe Story, atmosphärisch präsentiert
  • Gefühlter Mehraufwand gegenüber früheren Remastern

Contra

  • Angestaubtes Gameplay und Leveldesign
  • Keine weiteren Gameplay Quality of Life Anpassungen
  • Hier und da ein Spielabsturz

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