Das ewige Sterben – Disgaea 6: Defiance of Destiny

Die Disgaea Reihe ist nun in ihrer sechsten Runde, 18 Jahre nach dem ersten Teil. Nachdem die Reihe Höhen und Tiefen hatte, waren die Fans überaus glücklich, dass es nun einen neuen Teil geben wird. Disgaea 6: Defiance of Destiny wird erstmalig volle 3D-Modelle bieten und hat auch einige andere neue Funktionen, die das Leben vereinfachen. Wie sich der neue Titel schlägt, erfahrt ihr in unserem Spieletest

Zombie tot, Zombie lebendig

In Disgaea 6: Defiance of Destiny begleitet ihr Zed, einen untoten Zombie. Zed hat geschworen den ultimativen Feind, den Gott der Zerstörung zu vernichten. Sonderlich erfolgreich ist er bislang nicht gewesen, da er schon über 100000 Millionen Mal wiederbelebt wurde, um seine Aufgabe zu erfüllen. Durch einen Pakt ist es Zed möglich eine Super-Reinkarnation zu vollziehen, wo er wiederbelebt wird, allerdings in einer komplett neuen Welt. Im Verlaufe seiner Odyssey trifft Zed viele neue Mitstreiter. Einige davon sind extrem sympathisch, andere jedoch merkwürdig. Im vierten Kapitel trifft Zed zum Beispiel auf Piyori, welche die Anführerin der Ultra Chroma Power Squad Prism Rangers ist. Irgendwo haben wir das Konzept dieser Prism Rangers doch schon einmal gehört!? Auch wenn Disgaea normalerweise nicht mit seiner Story glänzt, so geht Disgaea 6: Defiance of Destiny in eine erfreuliche Richtung und strotzt nur so vor Humor. Ebenfalls erfreulich ist die unglaublich gute Synchronisation, welche wahlweise in Englisch oder Japanisch eingestellt werden kann. Wer den Humor von Disgaea mag, der macht mit dem neustem Teil nichts falsch und wird sich sofort pudelwohl fühlen.

Optik ist nicht alles

Die Grafik von Disgaea Titeln konnte bis jetzt als relativ simpel beschrieben werden. Schlachtfelder sind in sogenannte Tiles eingeteilt und ursprünglich wurden die Charaktere mit Sprites dargestellt. Diese sahen zwar immer sehr gut aus, allerdings wurde dadurch die Optik sehr simpel gehalten. Disgaea 6: Defiance of Destiny hingegen wagt den ersten Schritt und bietet für jeden Feind, Freund und andere Dinge, welche in der Unterwelt wandeln, wunderschöne 3D-Models. Dadurch ist es nun auch endlich möglich pompöse Spezialangriffe zu gestalten, welche auch ziemlich genial aussehen. Der Charme der Hauptcharaktere ist in jedem Spezialangriff zu erkennen und es macht Spaß diese zu begutachten. Allerdings werden diese beim Grinden auf Dauer schnell nervig. Aber hier haben die Entwickler mitgedacht mit einer Option, um alles deaktivieren zu können, was Animationen betrifft. Ebenfalls lassen sich Kämpfe beschleunigen, was eine erfreuliche Funktion ist. Doch wie sieht das Spiel nun speziell auf Nintendo Switch aus? Disgaea 6: Defiance of Destiny bietet 3 Grafikmodi, welche die Auflösung und die Bildrate beeinflussen. Grafik, Balanced und Performance steht zur Auswahl, wobei Grafik extrem scharf und gut aussieht, allerdings wird der Titel dann nur noch mit 30 Bildern die Sekunde gerendert. Balanced ist ein wenig unschärfer, allerdings manchmal auch schneller als die 30 FPS. Performance hingegen hält zu 90% die 60 FPS im Spiel, allerdings auf Kosten einer sehr niedrigen Auflösung. Auf dem Fernseher sieht es noch ganz ok aus, im Handheldmodus erkennt man jedoch fast gar keine Details der Models mehr. 

Zwischensequenzen profitieren leider nicht von den neuen 3D-Modellen, allerdings lebt der Charme der Charaktere von den (äußerst detailliert) gestalteten 2D Modellen. Positiv zu erwähnen ist, dass die Schrift immer sehr gut und deutlich lesbar ist, selbst im Handheldmodus. Gerade bei einem Strategiespiel mit sehr viel Text wäre es fatal, wenn man den Text nicht lesen könnte. 

Über 9000? Eher über 9000000

Disgaea liebte schon immer die lächerlich hohen Zahlen. Sei es der Schaden oder auch die Level, man konnte seine Charaktere stets unmenschlich stark werden lassen. Disgaea 6: Defiance of Destiny wirft das Konzept quasi über Bord und probiert eine komplett neue Idee aus. Jederzeit könnt ihr, sofern ihr natürlich Mana habt, eine Super-Reinkarnation ausführen und euren Charakter auf Stufe 1 zurücksetzen. Als Belohnung erhaltet ihr Karma, welches ihr für dauerhafte Werteverbesserungen nutzen könnt. Somit kann man sich den ultimativen Charakter bauen, sofern man natürlich die Zeit und den Elan mitbringt zu Leveln und noch mehr zu Leveln. Charaktere können bis Level 9999 erreichen (soweit wie ich gespielt habe zumindest). Die ersten 1000 Level sind relativ flott erreicht. Frische Charaktere erreichen nach einem Kampf schon Stufe 120. Auch wenn es quasi nur eine Inflation der Level darstellt, ist durch das Reinkarnationssystem viel Entwicklungsspielraum gegeben. Schon zu Beginn des Abenteuers sind Schadenszahlen fünfstellig und werden relativ schnell sechs und gar siebenstellig. Dementsprechend haben die Charaktere auch sehr viele Lebenspunkte, damit es ausgeglichen bleibt. Um hohe Level erreichen zu können, muss man in Disgaea 6: Defiance of Destiny eins tun – und zwar Grinden.

Zum Glück gibt es im sechsten Teil allerdings zahlreiche Funktionen, die das Leben erleichtern und den Job des Grindens (also Wiederholung von Missionen) angenehmer gestalten. Zum Einen wäre da das schon oben erwähnte automatische Kampfsystem, welches die Charaktere nach ihrem eigenem Ermessen agieren lässt. Normalerweise gewinnt man jeden Kampf dadurch. Allerdings gibt es Situationen, wie zum Beispiel Kämpfe auf giftigen Böden, die man verliert, da die KI Gift nicht aufhebt. Auch sollte man bei Bosskämpfen den Autokampf deaktivieren, da diese oft andere Strategien erfordern. Um dies ein wenig zu umgehen, kann man jedem spielbaren Charakter eine Dämonische Intelligenz programmieren. Wer schon einmal Final Fantasy 12 mit den Gambits gespielt hat, weiß genau auf was er sich einlässt. Man hat ein Raster mit Slots zur Verfügung und kann dann über Bedingungen (zum Beispiel Werte), Situationen (Schatztruhe) und Aktionen ein Verhalten programmieren. Als Vorgabe gibt es die D.I., wo sich der Charakter einer Schatztruhe nähert, falls eine vorhanden ist. Normalerweise ignoriert jeder diese Schatztruhen und ihr geht meistens leer aus. Gerade in der Item-Welt, wo ihr eure Items über zufällige Dungeons trainieren könnt, sind die Truhen extrem wichtig und sollten niemals ausgelassen werden. 

Feinste Strategiekost

Disgaea 6: Defiance of Destiny hat an dem eigentlichem Kampf nicht grundlegend viel geändert. Ihr könnt eine bestimmte Anzahl an Einheiten auf dem Feld haben und sollte eine sterben, könnt ihr sofort Nachschub entsenden. Es gibt wieder die üblichen Klassen (Krieger, Prinny, Heiler) und auch einige, für die Reihe, komplett neue. Eines der interessantesten Features der Reihe ist das Lift-System, wo man Einheiten aufheben und werfen kann. Dies kann man soweit treiben, dass man einen Haufen von 10 Gegnern/Spielern hat. Zwar kriegt man – sofern man sie nicht abwirft – Schaden, manchmal muss man das aber in Kauf nehmen für bestimmte Kämpfe. Gerade wenn es um die farbigen Kampfflächen geht. In einigen Kämpfen sind die Felder farblich kodiert und bieten positive oder auch negative Effekte. Diese kann man über Geo-Pyramiden manipulieren oder gar zerstören. Schafft man es zum Beispiel in einer einzigen Runde alle Farben über das Zusammenketten von Pyramiden zu entfernen, erhält man extrem viel Bonuserfahrung und tötet wahrscheinlich alles, was auf den Feldern stand. Durch diese besonderen Features sticht die Disgaea Reihe schon seit dem ersten Teil aus den üblichen Strategietiteln heraus. 

Auch die Item-Welt ist hier noch einmal zu erwähnen. Gegenstände haben in Disgaea 6: Defiance of Destiny Level und eine Seltenheit, welche man über die Item-Welt verbessern kann. Dort betritt man nämlich einen Dungeon innerhalb des Gegenstandes und muss versuchen so weit wie möglich vorzudringen. Je besser man sich anstellt, umso besser wird der Gegenstand, welchen man verbessern möchte. Auch relativ neu in der Reihe sind die sogenannten Quests, welche meistens simpel gestrickt sind (Töte x Gegner), allerdings viele Belohnungen und unter anderem auch Klassen bieten. Ebenfalls gibt es den sogenannten „Cheat-Händler“. Dort könnt ihr gewisse (nachteilige) Cheats aktivieren oder auch die Verteilung der Belohnungen ändern. Zum Beispiel kann man die erhaltene Erfahrung auf 70% reduzieren und dafür 130% Geld erhalten, dadurch kann man auch das Grinden erleichtern, wenn man etwas Bestimmtes trainieren möchte. 

Fazit: Disgaea gelingt der Schritt in eine neue Dimension

Disgaea 6: Defiance of Destiny
85 100 0 1
Ursprünglich hatte ich Angst ob Disgaea 6: Defiance of Destiny langsam Ermüdungserscheinungen auslösen würde, da es immerhin der sechste Teil der Reihe ist. Zum Glück wurde dem Titel eine ausreichend große neue Palette an Features gegeben, welche sinnvoll und praktisch zugleich sind. Gerade die neuen 3D-Modelle lassen den Charme der Charaktere 1:1 wie bei den Sprites aufblühen. Wenn man von der leicht niedrigen Auflösung im Performance-Modus absieht, bekommt man einen wunderbaren Strategietitel, der besonders für eine schnelle Runde unterwegs gedacht ist. Wer den Abspann sehen möchte, muss allerdings mindestens 40-50 Stunden einplanen. Leider gibt es den Titel auch nur mit englischen Texten, was für Fans zwar inzwischen normal ist, allerdings heutzutage eigentlich nicht mehr tragbar ist.
Ursprünglich hatte ich Angst ob Disgaea 6: Defiance of Destiny langsam Ermüdungserscheinungen auslösen würde, da es immerhin der sechste Teil der Reihe ist. Zum Glück wurde dem Titel eine ausreichend große neue Palette an Features gegeben, welche sinnvoll und praktisch zugleich sind. Gerade die neuen 3D-Modelle lassen den Charme der Charaktere 1:1 wie bei den Sprites aufblühen. Wenn man von der leicht niedrigen Auflösung im Performance-Modus absieht, bekommt man einen wunderbaren Strategietitel, der besonders für eine schnelle Runde unterwegs gedacht ist. Wer den Abspann sehen möchte, muss allerdings mindestens 40-50 Stunden einplanen. Leider gibt es den Titel auch nur mit englischen Texten, was für Fans zwar inzwischen normal ist, allerdings heutzutage eigentlich nicht mehr tragbar ist.
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