Nintendo gibt Einblicke in die globale Entwicklung von Nintendo Classics

Nintendo hat im Rahmen einer Recruiting-Reihe auf der eigenen Karriereseite neue Details zur Entwicklung von Nintendo Classics veröffentlicht, dem in Nintendo Switch Online enthaltenen Dienst, mit dem sich klassische Titel von Konsolen wie unter anderem dem Nintendo Entertainment System, dem Game Boy und Game Cube auf Nintendos aktuellen Plattformen spielen lassen. Zu Wort kommt dabei Funato-san, seit 2024 als Quereinsteiger in der Abteilung für Planung und Produktion bei Nintendo tätig und dort als Projektmanagement für die Entwicklungssteuerung von Nintendo Classics verantwortlich.

Unterschiedliche Anforderungen je nach Hardware und Spiel

Laut dem Bericht bringt die Entwicklung von Nintendo Classics neben Unterschieden zwischen den einzelnen Hardware-Plattformen auch von Titel zu Titel unterschiedliche Anforderungen mit sich. Als Beispiel genannt wird die zum Switch-2-Launch hinzugefügte Funktion „Steuerung anzeigen/ändern“, mit der sich die Tastenbelegung des Controllers einsehen und nach eigenen Vorlieben anpassen lässt. Für die Umsetzung solcher Funktionen sei neben einem an die jeweilige Hardware angepassten UI/UX-Design auch eine sorgfältige, pro Spieltitel einzeln durchgeführte Aufbereitung der Bedienungsinhalte sowie Mehrsprachigkeit notwendig.

Internationale Teamstruktur

Am Projekt sind Mitarbeiter aus Standorten auf der ganzen Welt beteiligt. Während der japanische Standort die Entwicklungsrichtung vorgibt, übernehmen Programmierer an ausländischen Standorten die Umsetzung von Funktionen sowie die Titelentwicklung, während wiederum andere ausländische Standorte für Lokalisierung und Debugging zuständig sind. Entsprechend muss beim Projektmanagement nicht nur die räumliche Distanz, sondern auch Zeitverschiebung, Sprache, Kultur sowie unterschiedliche Feiertage berücksichtigt werden.

Ein typischer Arbeitstag wird im Bericht so beschrieben: morgens eine Videokonferenz mit dem US-Team, tagsüber Abstimmungen mit dem japanischen Team, abends Diskussionen mit Programmierern aus Europa und Asien – ein Tagesablauf, der sich mitunter anfühle, als würde man einmal um die ganze Welt reisen. In einem solchen räumlich getrennten Umfeld könnten schon kleine Nuancenunterschiede zu größeren Missverständnissen führen. Wie sich eine riesige Arbeitslast mit Mitarbeitern unterschiedlichster Hintergründe bündeln lässt, ohne dass die Distanz zum Problem wird, wird im Bericht als eine der größten persönlichen Herausforderungen beschrieben.

Persönliches Treffen mit Diskussion

Herausforderung vor dem Switch-2-Launch

Besonders in Erinnerung geblieben ist laut dem Bericht die Vorbereitung auf eine öffentliche „Nintendo Switch 2 Erlebnispräsentation“ vor dem Konsolenstart, bei der Nintendo Game Cube – Nintendo Classics gezeigt werden sollte. Da die Funktion zur Steuerungsänderung zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Entwicklung steckte, musste innerhalb kurzer Zeit eine spielbare Fassung entstehen.

Der erste Schritt bestand darin, gemeinsam mit Direktoren sowie den Umsetzungsverantwortlichen in Europa und Asien in mehreren Abstimmungsrunden genau festzulegen, was, in welcher Reihenfolge und in welchem Umfang umgesetzt werden musste. Die einzelnen Arbeitsschritte wurden sorgfältig aufgelistet, priorisiert und den jeweiligen Zuständigkeiten zugeordnet – unterstützt durch ein Tool zur Zeitplan- und Aufgabenverwaltung, mit dem sich das Projekt im Überblick behalten ließ.

Als Ergebnis entschied sich das Team dazu, für die Präsentation vorrangig den grundlegenden Bedienablauf umzusetzen, den Besucher zwangsläufig durchlaufen würden: aktuelle Tastenbelegung ansehen, gewünschte Taste auswählen, neue Aktion festlegen, Änderung bestätigen. Die Funktion zur Anzeige der ursprünglichen Controller-Belegung wurde dagegen als ergänzendes Feature zurückgestellt und für die finale Produktversion vorgesehen.

Gemeinsame Bildschirme statt Missverständnisse

Im weiteren Entwicklungsverlauf wurde jeder beteiligte Standort mit einer eigenen Nintendo Switch 2 ausgestattet, sodass sich Bildschirme teilen und einzelne Verhaltensweisen gemeinsam Schritt für Schritt überprüfen ließen. Da die betroffene Funktion viele verschiedene Tasten umfasste, ließ sich dadurch sofort klären, von welchem Bildschirm und welcher Taste gerade die Rede war – Missverständnisse gingen dadurch deutlich zurück, die Arbeitseffizienz stieg spürbar.

Die Kommunikation lief grundsätzlich über Dolmetscher, wobei laut Bericht bei Bedarf auch auf Englisch erklärt wurde, damit auch die ausländischen Programmierer die Entscheidungen wirklich nachvollziehen konnten. Zwischen den Entwicklungsphasen kam es zudem vor, dass gemeinsame Online-Partien von Nintendo GameCube-Spielen über den GameChat-Dienst überprüft wurden – woraus sich mitunter spontan kleine, ausgelassene Spielerunden entwickelten. Solche eher beiläufigen gemeinsamen Momente hätten spürbar dazu beigetragen, die Distanz im Team zu verringern und ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen.

Nach Abschluss der Entwicklung kamen von den internationalen Kollegen Rückmeldungen wie „Die Prioritäten waren klar, dadurch konnte ich mich voll auf die Arbeit konzentrieren“ oder „Ich würde gerne irgendwann persönlich vorbeikommen und gemeinsam arbeiten“ – ein Moment großer Erfüllung, der zeigte, dass die bisherige Arbeit tatsächlich angekommen war.

Flexibles Projektmanagement statt starrer Methodik

Aus dieser Erfahrung lässt sich vor allem eines mitnehmen: Auch innerhalb desselben Projekts gebe es keine feste, immer gültige Vorgehensweise. Je nach Fachgebiet der beteiligten Mitarbeiter, der jeweiligen Situation und der aktuellen Entwicklungsphase verändere sich der optimale Weg ständig. Genau diese Fähigkeit, die jeweilige Lage richtig einzuschätzen und den eigenen Ansatz flexibel anzupassen, sei entscheidend dafür, dass räumlich getrennte Teams gemeinsam ohne Umwege vorankommen.

Projektmanagement wirke auf den ersten Blick vielleicht eintönig, biete in der Praxis jedoch stets Raum für Verbesserungen und eigene Gestaltungsmöglichkeiten – und damit auch eine kreative Seite der Arbeit. Vor allem aber sei es eine große Freude, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt etwas zu erschaffen, das Kunden Freude bereitet – ein Gefühl, das man allein niemals erleben könne.

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