Ubisoft hat einen umfassenden organisatorischen, operativen und strategischen Neustart angekündigt. Ziel des sogenannten „Major Reset“ ist es laut Unternehmen, die kreative Führungsrolle zurückzugewinnen, agiler zu werden und mittelfristig wieder profitables Wachstum zu erzielen. Im Zuge dieser Neuausrichtung wurden sechs Spiele eingestellt, darunter auch das Remake von Prince of Persia: The Sands of Time.
Gleichzeitig erhalten sieben weitere Spiele zusätzliche Entwicklungszeit, um höhere Qualitätsstandards zu erreichen.
Drei Säulen der Neuausrichtung
Der Reset basiert auf drei zentralen Maßnahmen:
- Ein neues Operating Model
- Ein neu fokussiertes Portfolio mit überarbeitetem Drei-Jahres-Fahrplan
- Eine organisatorische Verschlankung (Rightsizing)
Ubisoft begründet diesen Schritt mit einem zunehmend selektiven AAA-Markt, steigenden Entwicklungskosten und einem immer härter umkämpften Shooter-Segment. Gleichzeitig seien erfolgreiche AAA-Produktionen finanziell wertvoller denn je – allerdings nur bei entsprechend hoher Qualität und Effizienz.
Sechs Projekte eingestellt – Prince of Persia betroffen
Nach einer umfassenden Überprüfung der internen Projektpipeline im Dezember und Januar hat Ubisoft entschieden, sechs laufende Projekte einzustellen, da sie den neuen Qualitäts- und Priorisierungskriterien nicht mehr entsprachen.
Konkret betroffen sind:
- Prince of Persia: The Sands of Time Remake
- Vier unangekündigte Titel, darunter:
- drei neue IPs
- ein Mobile-Spiel
- Ein weiteres, nicht näher benanntes Projekt
Parallel dazu werden sieben Spiele verschoben, um zusätzliche Entwicklungszeit zu ermöglichen. Darunter befindet sich auch ein bislang unangekündigter Titel, der ursprünglich im Geschäftsjahr 2026 erscheinen sollte und nun auf das Geschäftsjahr 2027 verschoben wurde.
Ubisoft betont, dass diese Maßnahmen der langfristigen Qualitätssteigerung und Wertschöpfung dienen sollen.
Neue Struktur: Fünf Creative Houses
Kernstück der neuen Strategie ist ein dezentrales Organisationsmodell, das ab April in Kraft tritt. Ubisoft strukturiert sich künftig in fünf sogenannte Creative Houses, die jeweils komplette Verantwortung für Entwicklung, Publishing, Markenführung und wirtschaftliche Ergebnisse tragen.
Die Creative Houses sind thematisch nach Genres und Marken ausgerichtet:
- Creative House 1 (Vantage Studios)
Fokus auf etablierte Blockbuster-Marken: Assassin’s Creed, Far Cry, Rainbow Six - Creative House 2
Wettbewerbs- und Koop-Shooter: The Division, Ghost Recon, Splinter Cell - Creative House 3
Live-Service-Titel: For Honor, The Crew, Riders Republic, Brawlhalla, Skull & Bones - Creative House 4
Fantasy- und narrative Welten: Anno, Might & Magic, Rayman, Prince of Persia, Beyond Good & Evil - Creative House 5
Casual- und Family-Games: Just Dance, Hungry Shark, Uno, Hasbro-Titel
Zusätzlich befinden sich laut Ubisoft vier neue Marken in Entwicklung, darunter das Projekt March of Giants.
Fokus auf Open-World und Games-as-a-Service
Strategisch konzentriert sich Ubisoft künftig auf zwei Kernthemen:
- Open-World-Adventures
- GaaS-native Experiences (Games as a Service)
Unterstützt wird dies durch gezielte Investitionen in Technologie, Spezialisierung und unter anderem auch in spielerorientierte Generative-AI-Systeme.
Die neuen Creative Houses sollen schneller entscheiden können, näher an den Spielerbedürfnissen arbeiten und Verantwortung über den gesamten Produktlebenszyklus übernehmen – von der Entwicklung bis zur Vermarktung.
Studioschließungen und Kostensenkungen
Im Zuge der Restrukturierung beschleunigt Ubisoft auch sein Sparprogramm. Bereits geschlossen wurden:
- das Mobile-Studio in Halifax
- das Studio in Stockholm
Weitere Restrukturierungen betreffen unter anderem Standorte in Abu Dhabi, RedLynx und Massive. Insgesamt will Ubisoft seine Fixkosten bis 2028 um rund 500 Millionen Euro reduzieren.
Finanzielle Auswirkungen
Kurzfristig rechnet Ubisoft mit deutlichen finanziellen Belastungen. Für das Geschäftsjahr 2025/26 erwartet der Konzern unter anderem:
- sinkende Netto-Buchungen
- ein negatives operatives Ergebnis
- einen negativen Free Cashflow
Die bisherige Finanzprognose für 2026/27 wird verworfen und im Mai 2026 neu bewertet.
Ubisoft-CEO Yves Guillemot spricht von einem „entscheidenden Wendepunkt“ für das Unternehmen. Der Reset sei notwendig, um langfristig wieder nachhaltiges Wachstum, kreative Stärke und wirtschaftliche Stabilität zu erreichen.
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