Der Rechtsstreit zwischen Nintendo und den Palworld-Machern geht in die nächste Runde. Entwickler Pocketpair weist die von Nintendo und The Pokémon Company erhobenen Vorwürfe entschieden zurück – und argumentiert, dass die beanstandeten Patente nie hätten erteilt werden dürfen.
Wie Games Fray unter Berufung auf juristische Schriftsätze berichtet, verweist Pocketpair auf eine ganze Reihe von Spielen, die zentrale Spielmechaniken und Designelemente bereits vor den 2024 eingereichten Nintendo-Patenten nutzten.
Zelda, Ark, Titanfall 2: Diese Spiele sollen Nintendo entkräften
In den von Games Fray zitierten juristischen Dokumenten argumentiert Pocketpair, dass Spiele wie Ark: Survival Evolved, Tomb Raider, Far Cry 5, Titanfall 2, Final Fantasy 14, Octopath Traveler, Pikmin 3 Deluxe, Monster Hunter Ultimate, diverse ältere Pokémon-Titel sowie die eigenen Spiele Craftopia und Pocket Souls ähnliche Mechaniken enthalten.
„Es ist seit Jahrzehnten üblich, dass verschiedene Fanggegenstände unterschiedliche Erfolgsraten haben“, heißt es in der Verteidigung.
Konkret gehe es um Mechaniken wie:
- das Werfen von Objekten (z. B. Pokébälle),
- das Freilassen von Kreaturen durch Knopfdruck,
- visuelle Fangwahrscheinlichkeiten,
- Auswahl von Zielen auf dem Spielfeld,
- Unterscheidung von Wurfobjekten mit verschiedenen Eigenschaften.
Nintendo reagierte erst nach dem Palworld-Start
Brisant: Die fraglichen Patente wurden von Nintendo erst zwischen Februar und Juli 2024 eingereicht – also nach dem Release von Palworld im Januar. Pocketpair argumentiert deshalb, dass die Patente auf bereits existierende Systeme abzielen und daher von vornherein ungültig seien.
Der wohl schärfste Satz aus den Schriftsätzen:
Es ist egal, ob Palworld das tut, was ein ungültiges Patent beschreibt – man kann ein ungültiges Patent verletzen, so viel man will.
Pocketpair stellt fest, dass Spiele wie Rune Factory 5, Titanfall 2 und Pikmin 3 Deluxe „es einfach machen zu sehen, wie ein Spielercharakter eine Aktion ausführen kann, um ein Monster oder einen Fanggegenstand (wie einen Ball) freizusetzen und in eine Richtung zu feuern, indem er eine Taste loslässt“, während Pikmin 3 Deluxe, Far Cry 5 und Tomb Raider „bereits gezeigt haben, dass es verschiedene Arten von werfbaren Gegenständen geben kann“.
Außerdem war es bei Pocket Souls, Octopath Traveler, Monster Super League und Final Fantasy 14 „leicht vorstellbar, dass man Ziele auf dem Spielfeld auswählen und dann eine Anzeige der Erfolgswahrscheinlichkeit des Fangens anzeigen kann“, und „generell ist es seit mehr als 30 Jahren ein Element der Pokémon-Serie, dass verschiedene Fanggegenstände unterschiedliche Erfolgsquoten haben“.
Wenn, wie Pocketpair glaubt, all diese Spiele bereits Nintendos Patente ungültig machen, „spielt es keine Rolle, ob Palworld das tut, was ein solches Patent beschreibt“.
„Es steht außer Frage, dass Pocketpair und seine Anwälte große Anstrengungen unternommen haben, um viele Argumente für die Ungültigkeit und Nichtverletzung zu entwickeln“, heißt es in dem Briefing von Games Fray, das von einem auf Patente spezialisierten japanischen Anwalt erstellt wurde.
Auch hier reicht ein einziges solches Argument für ein bestimmtes Patent aus, um in Bezug auf dieses Patent freigesprochen zu werden. Nintendo klagt jedoch wegen drei Patenten, und Pocketpair wird nicht wegen eines einzigen Patents verlieren wollen.
Rechtslage bleibt angespannt
Laut Games Fray ist Nintendo derzeit mit drei Patentklagen gegen Pocketpair aktiv. Sollte Pocketpair nur eine davon verlieren, könnte das empfindliche rechtliche oder finanzielle Folgen nach sich ziehen. Dennoch zeigen die vorgelegten Argumente: Die Verteidigung ist breit aufgestellt und stützt sich auf ein tiefes Verständnis früherer Spieledesigns.
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