Tails of Iron – Unten am Fluss, wo die Ratten wohnen

Da ich gerne Metroidvania-Titel spiele, bin ich immer auf dem Ausguck, was es so auf dem Markt gibt. Neben Metroid, Castevania und auch Indie-Perlen wie Axiomverge gibt es ja einiges in dem Genre. Und so begab es sich, dass man mir Tails of Iron mal als Tipp gegeben hat. Ein Spiel, welches bereits letztes Jahr im September auf Nintendo Switch, PC sowie Xbox- sowie PlayStation-Systemen erschien und unter meinem Radar flog.

Warum, weiß ich nicht, denn dieses Spiel braucht dringend mehr Aufmerksamkeit. Das Wichtigste vorab: Es wurde uns kein Muster der Switch-Version zur Verfügung gestellt.

Aber eine Warnung sei ausgesprochen: Dieses Spiel ist nichts für Zartbesaitete! Auch wenn es nicht direkt mit Watership down / Unten am Fluss vergleichbar ist, hatte ich doch ein kribbeln beim Spielen gefühlt, welches ich sonst nur bei besagtem Film hatte.

Ein König, ein Held und eine Invasion

Schon lange herscht im Königreich der Ratten ein Krieg gegen die Frösche. Erst durch König Rattus wurden die Invasion der Frösche zurückgeschlagen und Frieden herrschte im Königreich. Aber je Älter der König wurde, desto unsicherer fühlen sich die EInwohner. Eines Tages musste ein Nachfolger auserwählt werden.

Wir sind Redgi, einer der Söhne des Königs Rattus, bestimmt die Krone an uns zu nehmen, sofern wir uns bei einem Turnier gegen unseren groß-gewachsenen Bruder Denis behaupten können. Und während des Turniers passiert es. Redgi verliert das Bewusstsein, als die Frösche angreifen und das Königreich in Schutt und Asche legen, und auch nicht halt, vor der Rattenbevölkerung machen. 

Redgi hat irgendwie überlebt und besteigt als König den Thron des Königs, und muss in einem 2D-Metroidvania sich gegen Frösche, Larven und anderes Getier erwehren, um seinem Königreich den wiederaufbau zu ermöglichen und den Frieden wieder herzustellen.

Zerstörung und Hoffnung

Bei diesem Abenteuer bewegen wir uns von Raum zu Raum, wobei Raum hier für abgesteckte gebiete steht, ähnlich wie in Castlevania oder eben Metroid. Jedoch ist jede Passage, egal ob Wald, zerstörtes Dorf oder Wald unbeschreiblich detailliert, während Redgi, das Volk der Ratten und die Frösche glaubhaft durch die Szenerie bewegen. So sehen wir im Hintergrund oft Frösche eine Ratte durchs Gehölz jagen, während wir im Vordergrund uns gerade einiger Insekten erwehren müssen.

Dabei haben wir ähnlich wie in Dark Souls die Möglichkeit mit einem Trank unsere Lebensenergie wieder aufzufüllen und durch das ausnehmen von Insekten oder an Fässern mit Insektensaft wieder aufzufüllen. Auch erhalten wir mit der Zeit zugriff auf andere Boni, etwa einen Koch der uns ein Mahl zubereitet und uns so noch gestärkt in den Kampf entlässt.

Wir haben dabei auch stets ein Auge auf unsere Ausrüstung, wobei bei Waffen in unterschiedlichen Kategorien unterschieden wird. Waffen etwa gibt es Schwerter, Äxte und Speere, wobei da wiederum in Einhändig und Zweihändig unterschieden wird. Einhändige Waffen können mit Schilden kombiniert werden, welche uns das Parieren ermöglichen. Rüstungen in verschiedenen Gewichtsklassen geben unterschiedliche Verteidgungs Boni und auch extra Schutz, etwa gegen Waffen von Fröschen.

Dazu kommt das Gewicht, welches bestimmt, wie Flink wir uns bewegen können. Fatroll wie aus Dark Souls? Möglich, aber nicht unbedingt eine gute Idee! Bögen gibt es dann auch noch, aber ihr versteht: Im Laufe des Abenteuers erhaltet ihr immer mehr Waffen mit unterschiedlichen Stati und ihr passt Redgi eurem Spielstil an, und entscheidet im Kampf, wie ihr eure Gegner ausschaltet.

Dabei haben die Gegner zwar eine Überschaubare Palette von Angriffen und es gibt auch nur drei Alarmsignale, die sich zeigen. Und an euch liegt es dann entsprechend zu reagieren. Angriffen, die nicht pariert werden können, schnell ausweichen. Aber dann? Angriff auf den Schildträger, welcher nach diesem kurz inne hält und verteidigungslos ist? Oder doch lieber auf den Bogenschützen, welcher euch von der Seite des Bildschirms beharkt, sodass ihr gefühlt dauernd das Schild oben haben müsst, um dessen Pfeile zu blocken?

Das Spiel stellt uns oft in Arenen, wo wir es mit verschiedenen Arten von Gegnern zu tun bekommen, und auch oft sterben werden. Jedoch ist Tails of Iron recht großzügig mit den Sitzgelegenheiten, an welchen wir unser Spiel speichern können.

Während dessen können wir immer irgendetwas beobachten. Etwa Langschwanzdorf, wo wir bald hin reisen, um die Frösche zu vertreiben, wo sich die Leichen der Ratten türmen, während wir uns um die Frösche kümmern, welche gerade die Ranger der Armee hinrichten wollen. Später kommen wir auch zurück, und beobachten, wie der Ort wieder aufgebaut wird, und nicht mehr den Regen des Wasser mit Blut vermischt.

Die Atmospähre passt, und auch wenn Redgi seinen Speer durch die Kehle seines Gegners rammt, ist es ungemein befriedigend. Aber durch die Thematik des Krieges und der Darstellung fühlte es sich auch wieder sehr Dreckig an. Erzählt wird die Geschichte nicht nur durch einen guten englischen Sprecher und deutschen untertiteln, auch die Ratten kommunizieren mit uns in Flötentönen, wobei uns als SPrechblase mit Bild dargestellt wird, dass man unseren Bruder, den Koch, gesehen hat. Und zwar wie Frösche ihn auf den Bauernhof verschleppt haben um ihn dort als Geisel zu halten.

Für das Königreich!

Da ich bisher nicht viel mit Souls-Spielen am Hut hatte, sondern eher nur passiv zugeschaut habe, wenn Freunde oder Streamer sich an diesen Spielen versuchten, würde ich durch den angezogenen Schwierigkeitsgrad behaupten, dass Souls-Spieler durchaus ihre Freude an dem Tails of Iron haben werden. Im Metroidvania-Stil erhalten wir auch immer mehr Möglichkeiten, um bisher unzugängliche Gebiete zu beschreiten. Etwa hölzene Barrikaden lassen sich aushebeln, sobald wir Zweihänder Waffen haben oder können uns später durch Räume mit Giftwolken bewegen und so auch bisher unerreichte Ecken der Karte untersuchen.

Dabei müssen wir auch Stets unsere Ausrüstung im Auge behalten, welche wir an Truhen wechseln können, oder ziehen Ausrüstung direkt an, sobald wir sie finden. SIe kann zwar nicht kaputt gehen, aber bei jedem Gegner lohnt es sich vielleicht doch weniger Gewicht am Leib zu haben, um schneller ausweichen zu können, oder aber vielleicht doch mit mehr Schaden uns auf die Feinde zu stürzen. 

Dabei nehmen wir abseits der Hauptquest auch kleinere Aufgaben an, um unseren Rattenuntertanen unter die Arme zu Greifen. Leider fühlt es sich oft repetetiv an und stellenweise auch sehr schwer, aber als ich nach neun Stunden das Ende der Geschichte erreicht hab, war ich alles andere als Enttäuscht. Und wir reden hier vom normalen Schwierigkeitsgrad, wobei auch ein leichter und einer mit dem Titel “Blutende Schnurrhaare”.

Ein kleiner König im Genre

Wer sollte sich also unbedingt Tails of Iron anschauen? Frustresistente Entdecker, welche auch beim siebten Mal gegen den Frosch mit dem Speer ihn liegen sehen wollen. Nur um am Ende mit genugtuung ihm das Schwert durch die Kehle zu jagen… und dann kurz im prasselnden Regen zu verweilen, um zu realisieren, was man gerade getan hat. Und das, während das eigene Fell vom Blut des Gegners befleckt ist.

Zu plastisch dargestellt? Dabei habe ich mich aber immer wieder erwischt, und das wird auch sicher einigen zu viel in der darstellung sein. Immerhin geht es hier nicht um niedliche Ratten… sondern Ratten, die sich einer Invasion von Fröschen erwehren möchten um nicht weiter Sinnlos abgeschaltet zu werden.

Tails of Iron erschien am 17. September 2021 für Nintendo Switch, PC, Xbox-Systeme sowie PlayStation 4 und PlayStation 5. Für 24,99 € wechselt das Spiel den Bessitzer. Zum Zeitpunkt dieses Testes befindet sich Tails of Iron noch im Angebot für nur 16,74 €.

85/100
Total Score

Pro

  • Liebevoll und detaillierte Grafik
  • Stimmige Atmosphäre in Ton und Bild
  • Forderndes und befriedigendes Gameplay
  • Viele Speicherpunkte

Contra

  • Lange Ladezeiten bei Reisen in andere Teile des Königreiches
  • Etwas hakelige Steuerung beim EInsammeln von Beute
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