Rustler im Test: Mittelalterlicher GTA-Schabernack für Nintendo Switch

Wer sich aus irgendwelchen Gründen immer schon mal fragte, wie sich GTA (Grand Theft Auto) wohl im Mittelalter anfühlt… der soll in Rustler seine Antwort bekommen! Zünftig auf die Nuss geben, Pferde stehlen und Polizeireiter abhängen… das ist das Leben in “GTA: Medieval Edition”! Naja… also ich meine natürlich; in Rustler.

Aus den glorreichen Tagen an denen GTA noch Top Down gespielt wurde.

Ein Gangster namens Guy

Nach einem schön trashigen Intro mit echten Menschen, Kostümen und Statisten (ein Seltenheitswert!), landen wir mit unserer Spielfigur (genannt Guy – Verwandtschaft oder Schwägerschaft zu Guybrush Threepwood ungewiss) nach einer weiteren, durchzechten Nacht am Boden hinter der Taverne. Der Schädel brummt, der Filmriss ist vorbestimmt und wie kam eigentlich die Kuh aufs Dach? Man sieht bereits: Rustler nimmt sich selbst nicht allzu ernst und weiß diesem Tester – also mir – damit auch zu gefallen. 

Apropos Kuh auf dem Dach. Das gefällt einem Bürger nicht, welcher uns daraufhin direkt in den ersten Faustkampf verwickelt. Die Kampfmechaniken sind einfach erklärt: draufgehauen wird mit ZR, halten wir den Knopf gedrückt, laden wir einen starken Angriff auf. Mit ZL blocken, oder kontern, wir im richtigen Moment. Dabei haben wir einen Ausdauerbalken, welcher sich nach Angriffen leert und natürlich einen Lebensbalken.

Abgesehen von der mächtigen Faust stehen uns im Verlauf des Spiels aber auch noch körperfremde Waffen zur Verfügung. Von einem einfachen Stock aus Holz über eine Armbrust bis hin zu einer Hellebarde ist alles dabei, was das Ritter beziehungsweise Banditenherz begehrt.

Die Texte werden mit murmelnden, grummelnden Geräuschen vertont, was die gewollte, eher heitere Atmosphäre des Spiels unterstützt.

Es gibt sogar eine Handlung!

Die Handlung taugt sicherlich nicht, um einen bestseller Roman zu erzählen, aber sie ist zweckdienlich: Unser Gangsterboss möchte, dass wir ein großes Turnier gewinnen und dabei die Ritterschaft übertrumpfen.

Damit unser Charakter dafür auch taff genug ist, gibt es einen kleinen Skilltree, den wir mit der Zeit ausbauen und damit natürlich unsere Werte verbessern können. Somit ist für eine gewisse Motivation gesorgt, die Charakterentwicklung voranzutreiben.

Das nötige Kleingeld erwerben wir durch das Bestreiten der Haupthandlung als auch durch das erledigen einiger Nebenaufgaben. Die Aufgaben selbst sind dabei relativ abwechslungsreich und erfreulich wenig repetitiv. (Natürlich kommt es dennoch das eine oder andere Mal zu einem Scharmützel!)

Die Geschichte selbst wird humorvoll und mit zwar bizarren, aber gleichermaßen ulkigen Details ausgeschmückt. So gräbt man in der Strafanstalt etwa bei der Minenarbeit ein halbes T-Rex Skelett aus, welches von einer Wache für eine große Kuh und von einem Insassen für einen Drachen gehalten wird. Auch finden sich unter anderen einige Monty Python Anspielungen. Mit solchen Kniffen weiß die Story also durchaus zu unterhalten.

Man sei aber gewarnt: Die Dialoge sind selten zimperlich in der Wortwahl – eine USK 16 gibt es also auch nicht ohne Grund. Dennoch schwingt immer genug Witz mit, um den geneigten Spieler bei Laune zu halten. 

Um von einem Ort zum anderen zu kommen, hilft außerdem eine Minimap. Leider kann man dort jedoch keine individuellen Wegmarkierungen setzen.

Für Freunde von Zahlen gibt es außerdem eine abrufbare Statistik, die auflistet, wie oft man gestorben ist, wie viele Pferde entwendet wurden, wie viele Wachen oder Bürger man getötet hat etc.

Die Qual der Wahl. Skilltrees forever!

Das allgemeine Spielgefühl

Aufgrund der Perspektive fühlt man sich direkt in die goldene Zeit des 2D GTAs zurückversetzt. Die Grafik ist stimmig, sieht gut aus und auch die Atmosphäre weiß zu gefallen. Ebenso stimmt ebenso die allgemeine Performance. (Dazu sei erwähnt, dass das Spiel bereits mit dem Day 1 Patch getestet wurde – man hat hier wohl noch an der anderswo kritisierten Performance schrauben können)

Angenehm zur Atmosphäre tragen übrigens Barden am Wegesrand bei, welche sanfte, mittelalterliche Klänge anstoßen, oder auch… “moderne” Stücke. Gefällt einem die gerade gespielte Melodei jedoch nicht, kann man einen Wechsel des Musikstückes erzwingen indem man die Barden selbst anstößt… also… mit der Faust! (Oder für die weniger Hartgesottenen unter euch: mit einem Klick auf den unteren Button unter dem Linken Stick.)

Die Steuerung wirkt insgesamt allerdings etwas schwammig. Auf dem Pferd mehr, als zu Fuß, aber man findet sich damit zurecht. Relativ schwierig sind die Verfolgungsjagden im GTA-Stil, wenn man bei einer Straftat erwischt wird, denn die Verfolger haben schnelle Pferde, die meist nur abzuhängen sind, indem man sie mit ein wenig Geschicklichkeit gegen Hindernisse laufen lässt, um dann genug Boden zu ihnen gut zu machen. Immerhin: Es gibt keine Helikopter…

Zum Glück beseitigt das Abreißen eines Fahnungszettels allerdings jeweils einen Verfolger, was eine Flucht erheblich angenehmer gestaltet. Aber auch eine wenig intelligente Gegner KI ist dabei durchaus hilfreich…

Generell kann es aber in den Missionen oftmals zu Frustmomenten kommen, wenn man (mehrfach) scheitert, weil einem die Steuerung einen Strich durch die Rechnung macht und man neustarten darf. Die Kontrollpunkte sind zwar meist fair gesetzt, aber bei durchaus länger zurück zu legenden Wegen kommt man schon gelegentlich in die Versuchung es dem Spiel gleich zu tun und ihm derbe Sprache gegen den virtuellen Kopf zu schmettern.

Man legt nicht allzuviel Wert auf historische Authentizität und streut stattdessen einige Anspielungen auf die moderne (Pop)Kultur ein.

Wo speicher ich noch gleich…?

Relativ ärgerlich an Rustler ist auch, dass das Speichern nicht zu jeder Zeit möglich ist. Sollte einem, wie schon erwähnt, eine Mission mal nicht gelingen, oder gar das Spiel abstürzen (was mir ein paar Mal passiert ist) muss man unter Umständen eine ganze Menge nachholen.

Man kann zwar mit der Zeit einige… Immobilien erwerben bei denen man speichern kann, aber den Spielstand zu sichern überall und zu jeder Zeit wäre dennoch die wünschenswertere Option gewesen. Immerhin kann man das Spiel auch unterwegs mit Nintendo Switch oder der Lite-Variante spielen und möchte ungern Fortschritt verlieren.

Manche Häuser zum Speichern, bringen uns außerdem ein regelmäßiges Einkommen oder andere Boni.

Nebentätigkeiten

Wer zusätzlich zur Haupthandlung und den Nebenquests noch etwas unausgelastet ist, kann sich an kleinen Nebenschauplätzen vergnügen.

Dazu gehören illegale Pferdekutschen Rennen, Kämpfe Mann gegen Mann (oder gegen Männer) im eisernen Käfig (oder wie es das Spiel einem suggerieren möchte: Mittelalterliche Kampfkunst!) oder auch kreativeres wie etwa das Sammeln von Leichen oder mittelalterliche Taxifahrten. Zu gewinnen gibt es hier hauptsächlich Geld, gegebenenfalls aber auch Waffen oder Skillpunkte.

Verkleidet als Sensenmann die Leute erschrecken – meine Lieblingsmission!

Wird Rustler am Galgen hängen, oder gelingt der große Coup?

Rustler
70 100 0 1
Sein wir ehrlich: Wer damals GTA 1, 2 oder London gespielt hat, der spielte es in der Regel nicht der Handlung wegen, oder um es durchzuspielen. Die meisten spielten es, um möglichst viel Chaos zu stiften und so richtig den beinharten Schwerverbrecher heraushängen zu lassen. Darauf zielt Rustler nicht so sehr ab. Man kann natürlich Schabernack mit Passanten treiben und die Wachen vermöbeln, aber so chaotisch wie das Vorbild wird es dabei nie. Wer also dies erwartet, dürfte eher enttäuscht sein. Alle anderen jedoch finden in Rustler ein durchaus spaßiges, wenn auch kurzweiliges Spiel, welches in einem mittelalterlichen GTA-Light-Gewand daherkommt, dabei aber nicht sein volles Potential entfalten und gelegentlich auch für Frust sorgen kann.
Sein wir ehrlich: Wer damals GTA 1, 2 oder London gespielt hat, der spielte es in der Regel nicht der Handlung wegen, oder um es durchzuspielen. Die meisten spielten es, um möglichst viel Chaos zu stiften und so richtig den beinharten Schwerverbrecher heraushängen zu lassen. Darauf zielt Rustler nicht so sehr ab. Man kann natürlich Schabernack mit Passanten treiben und die Wachen vermöbeln, aber so chaotisch wie das Vorbild wird es dabei nie. Wer also dies erwartet, dürfte eher enttäuscht sein. Alle anderen jedoch finden in Rustler ein durchaus spaßiges, wenn auch kurzweiliges Spiel, welches in einem mittelalterlichen GTA-Light-Gewand daherkommt, dabei aber nicht sein volles Potential entfalten und gelegentlich auch für Frust sorgen kann.
70/100
Total Score

Pro

  • Eine gute Prise Humor
  • Motivierender Skillbaum
  • Angenehme, fast mittelalterliche (da historisch inkonsistente) Atmosphäre
  • Hübsch anzusehen
  • Versteckte, popkulturelle Anspielungen

Contra

  • Veraltetes Speichersystem
  • Etwas schwammige Steuerung, besonders zu Pferde
  • Eher bescheidenes Kampfsystem
  • Schwache Gegner KI
  • 30 Euro etwas viel, auf Steam weniger als die Hälfte
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