Dynasty Warriors 9 Empires zeigt die hässliche Seite der Burgbelagerungen

Dynasty Warriors 9 Empires erschien am 14. Februar 2022 für Nintendo Switch, Playstation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series X|S, auf dem PC (via Steam) und Google Stadia. Ich muss gestehen, mein erstes richtiges Musou-Spiel wurde von Nintendo gepublished. Das erste Hyrule Warriors zog mich damals auf der Wii U in den Bann und dadurch realisierte ich, dass auch stumpfsinniges Gameplay mit der richtigen Mischung eine Daseinsberechtigung für meinen Spiele-Alltag haben kann.

Auf der Nintendo Switch kam dann meine Musou-Hochzeit und ich habe sehr gern Fire Emblem Warriors, One Piece Pirate Warriors 3, nochmals das erste Hyrule Warriors sowie dessen Nachfolger Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung und nicht zuletzt auch Samurai Warriors 5 gespielt. Dadurch dürfte ich für diesen Test doch qualifiziert genug sein, richtig?

Gerade letzteres ist dann auch eine eigene Marke aus dem Hause Koei Tecmo, also keine andere IP, die über das Gameplay gestülpt wurde. Entsprechend war ich neugierig, wie das andere Kind aus dem Hause mich fesseln wird, denn ähnlich wie in Samurai Warriors tauchen wir wieder in ein historisches und doch etwa frei interpretiertes Setting ein. Dieses Mal ins alte China, in den Zeitraum um etwas mehr als 190 Jahre nach Christi Geburt. Was ich auf der Reise fand, war jedoch nicht, was ich erwartet habe.

Dieses Review befasst sich einzig und allein mit der Nintendo Switch-Fassung des Spiels. Einen Einblick in andere Fassungen hatte ich nicht, abseits von YouTube-Videos, die mittlerweile nach Release des Spiels einsehbar sind. Dies ist auch der Grund, weshalb dieser Test so spät erscheint. Ich wollte über den Tellerrand der Nintendo Switch etwas zur Spielegrafik sehen, Gespräche mit Kollegen suchen und mir weitere Gedanken machen. Und hier sind wir nun… Schnallt euch an und haltet euch gut fest, es wird wild!

Chinesische Geschichte und viele Waffen

Im Eroberungsmodus stellen wir uns diversen Zeitrahmen, in der Geschichte Chinas, wo es um Eroberungen geht. Jeweils mit eigenen Figuren aus eben der Geschichte und auch zufallsgenerierten Namen. 

Ja, das ist die Zusammenfassung der Geschichte. Während wir in Samurai Warriors die Beweggründe einzelner Charaktere zwischen den Schlachten erzählt bekommen, beschränkt sich Dynasty Warriors 9 Empires auf die Fakten. Da gab es einen Feldzug, der über Jahre dauerte. Wie es dazu kam, erfahren wir nicht als Geschichte, sondern durch viel zufallsgenerierten Kram, etwas Diplomatie und, ooh, ist das ein Fire Emblem-ähnliches Freundschaftssystem, welches diverse Handlungen zu eurem Vorteil auswürfeln könnte?

Nach der Auswahl des Zeitraums, den wir spielen möchten, entscheiden wir uns für eine Figur oder erstellen eine komplett eigene, was durchaus kurios wirken kann, wenn wir als zwei Meter großer Hüne mit bunter Rüstung später unserem Kriegsherren gegenüberstehen.

Viel Zeit verbringen wir während der Eroberungen in Menüs, welche doch etwas an Fire Emblem Three Houses erinnern, was nicht unbedingt verkehrt ist. Dort wählen wir unsere Schritte Monat für Monat, bis zum nächsten Kriegsrat und können uns für Diplomatie, ausspionieren, Vorräte und auch ausgiebige Spaziergänge entscheiden. Vieles, was später im Kampf wichtig ist, ergibt sich hier. Eure Truppenstärke, die Moral eurer Truppen, welche Geheimpläne umsetzbar sein werden und und und.

Zwischendrinnen passiert auch mal eine Schlacht, wo wir oft auch die Teilnahme ablehnen können. Wenn wir uns verweigern, sieht das diplomatisch nicht so toll bei den befreundeten Fraktionen aus, aber vielleicht positiv bei der anderen Fraktion. Auch knöpfen wir via Diplomatie ein Band knüpfen, wie etwa mit anderen namhaften (und zufallsgenerierten) Figuren, welche dann mit genug Freundschaftsleveln uns auf dem Schlachtfeld beistehen.

Auf einem Spaziergang können wir dann in einer Open World eine riesige Karte erkunden und Wildtiere wie Banditen für extra Ressourcen ablaufen und andere Städte besuchen. Das klingt jetzt romantischer, als es letztlich ist. Denn ohne meinen Worten zur Grafik gleich was vorwegnehmen zu wollen: Hübsch ist das nicht und der Sinn der Open World erschloss sich mir nach einigen Stunden noch immer nicht.

Orte sind auf der Karte sichtbar, aber eine Schnellreise dürfen wir erst machen, wenn wir mal selber dort hingeritten sind und wenn wir den Schnellreise Punkt aktiviert bekommen. “Wenn”… ist hier das Schlüsselwort. Viele Städte haben ihre Tore geschlossen und nur innerhalb der Stadtmauern lässt sich eben diese Schnellreise scheinbar freischalten.

Die Schlachten selber sind taktischer, als man gewohnt ist. So verteidigt man seine Belagerungswaffen vor dem Gegner, während man die des Gegners versucht so gut es geht auszuschalten. Steigen wir in Rängen auf, können wir auch auf weitere Arten ins Geschehen eingreifen und auch unserem Herren alternative Pläne unterbreiten.

So können wir, entsprechend dem Rang, nach einer gewonnenen Schlacht entscheiden, was mit den gegnerischen Befehlshabern passieren soll. Lassen wir sie laufen? Nehmen wir sie gefangen? Sollen sie mit uns kämpfen? Oder sollen diese exekutiert werden um ein Exempel zu statuieren? Fehlt uns der Rang, werden diese Entscheidungen vom Spiel getroffen. Verlieren wir eine Schlacht, droht uns dasselbe Schicksal und wir sind der KI ausgeliefert, ob sie nun unsere Freunde hingerichtet oder nicht.

Feudale Kunst sieht schöner aus

Egal auf welcher Plattform Dynasty Warriors 9 Empires erschien, es läuft kaum zufriedenstellend, was jammerschade ist. Etwa gibt es scheinbar selber auf der Playstation 5 Framerateeinbrüche im Performance-Modus des Spiels, wenn man eine Figur während des Spaziergangs anspricht. Texturen laden nicht nur gerne krümelig und langsam nach, aber insbesondere auf der Nintendo Switch war für mich bisher einzigartig, dass komplette Bäume verschwinden, wenn wir den Rücken der Kamera nur kurz zum Baum drehen und danach wieder zum Baum schauen. Ein Schritt weiter weg ließ ihn erst wieder erscheinen.

Es scheint, als ob man versucht hat, das Spiel für die Nintendo Switch zu optimieren, und es dabei eigentlich noch viel schlimmer gemacht. Selten wird selbst in stillen Sequenzen eine stabile Framerate erreicht und im Kampf stolpern wir nicht häufig über die 20 FPS, was sich auch in der Steuerung bemerkbar macht. Da lenken wir gerne mal plötzlich unseren Spezialangriff in die komplett falsche Himmelsrichtung.

Ebenso fehlt auf Nintendo Switch ein richtiges Treffer-Feedback, welches vielleicht aber auch einfach nur deutlich zurückgefahren wurde. Es fühlt sich halt nicht gut an, wenn die Treffer landen. Egal ob wir mit einem riesigen Schwert oder Morgenstern die Gegner aufmischen. Visuell sieht es da wiederum bei den großen Konsolen objektiv gesehen besser aus ohne, wie erwähnt, selber Hand angelegt haben zu können.

Der Ton macht die Musik

Tontechnisch hingegen gibt es nichts zu beanstanden. Schöne Musik, saftige Soundeffekte und Sprachausgabe sind vorhanden und stehen im starken Kontrast zur visuellen Präsentation, welche durchaus das Potenzial hat Musou-Fans abzuschrecken. Ob dies wirklich so gewollt war wage ich zu bezweifeln. Wir haben mit Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung eine bunte Welt, welche zugegeben auch mal ruckelt, aber bei weitem hübscher anzusehen ist. Mit mehr Schmackes in den Effekten, als Dynasty Warriors 9 Empires sich auch nur ansatzweise wagt zu zeigen.

Im direkten Kontrast sei mal gerade jedoch Pokémon: Legenden Arceus gestellt, welches grafisch auf dem ersten Blick für einige nicht viel besser aussieht, aber auch nicht auf schnelle Kämpfe ausgelegt ist und vor allem Sichtbarkeit ausgelegt ist. Während ich in Musou-Games von links nach rechts wusle, erkenne ich im aktuellen Pokémon-Ableger weiter weg noch immer einzelne Pokémon-Arten. Bei Dynasty Warriors 9 Empires erkenne ich auf weiter Flur nur Pixel, welche eine Armee erahnen lassen – ganz gruselig.

Ja, die Pokémon schalten in Pokémon-Legenden: Arceus mit genug Abstand ihre Animationen in einen 5-Frames-per-Second-Modus. Das ist aber auch bei Shin Megami Tensei V der Fall, um Performance zu sparen, was auch völlig in Ordnung ist. Dennoch nutzt Pokémon-Legenden: Arceus eben seine Möglichkeiten besser, während Koei Tecmo bei Dynasty Warriors 9 Empires gefühlt zu sehr an der Schraube gedreht hat und damit dem Spielspaß stark entgegengearbeitet wurde.

Konfuzius denkt nach

Im Groben und Ganzen ist Dynasty Warriors 9 Empires sicher kein schlechtes Spiel. Taktischeres Vorgehen und vor allem umsichtigere Planung zum Kampf sind durchaus interessante Aspekte, bevor man in die Schlacht reitet. Auch macht es Laune, seine Geheimpläne in die Tat umzusetzen, oder einen Schlachtplan so abändern zu können, den Gegner nachts zu überraschen. Dennoch tut es mir weh zu sagen, dass die Präsentation des Spiels auf der Nintendo Switch nicht abschreckender sein könnte.

Bei der deutschen Lokalisierung wurde größtenteils gute Arbeit abgeliefert. Aber leider gibt es dann doch ein paar seltsame Schnitzer. So werden wir zum Beispiel zum Beginn einer Schlacht mit dem Wort “Abgeschlossen” zum Bestätigen gedrängelt, was einen eher suggeriert, dass die Schlacht schon vorbei ist.

Ansonsten wird viel mit Textskalierung gearbeitet, damit lange deutsche Wörter in bestimmte Tabellen passen. Es ist alles kein Beinbruch unterm Strich, dennoch empfehle ich eher das Spiel auf Englisch zu spielen, da auch so noch immer einige Begriffe auf Englisch auftauchen. Selbst wenn ihr auf Deutsch spielt, stehen im deutschen Tutorial-Text andere Namen, als die englischen Begriffe, die letztlich gezeigt werden.

Mehr fällt mir gerade nicht wirklich zu dem Spiel ein, außer dass sich hier ein “Okay-es” Spiel unter einem schlechten grafischen Mantel, in einem noch schlechteren technischen Gerüst, befindet, was den Spielspaß unerwartet runterzieht.

swi

Bloß nicht auf der Switch

Wer Interesse an Dynasty Warriors 9 Empires hat, sollte auf einen Sale zum Spiel warten und unbedingt nach Möglichkeit dabei die Fassung auf der Nintendo Switch meiden. Das Konzept des Spiels ist nicht durchweg verkehrt, jedoch auch kein Heilsbringer, wird aber gerade durch die grafische Aufarbeitung auf der Nintendo-Konsole mehr als auf eine Probe gestellt. Es gibt eine Demo zum Spiel, welche leider nicht viel Einblick bietet, also auch nicht wirklich helfen kann, herauszufinden, ob das Spiel etwas für einen ist oder nicht.

Es ist WIRKLICH schön, dass Nintendo-Konsolen endlich ernst genommen werden und auch zeitgleich mit den anderen Systemen ihre eigene Fassung eines AAA-Spiels erhalten. In diesem Fall hätte man es sich aber zweimal überlegen müssen, ob solch ein desaströs hässliches Spiel wirklich hätte erscheinen dürfen. Im Nintendo eShop kostet Dynasty Warriors 9 Empires satte 69,99 €. Die Deluxe-Edition sogar 114,99 €. Dieses Geld solltet ihr vielleicht eher in andere Spiele stecken und auf ein Dynasty Warriors 10 hoffen, welches dann hoffentlich mit mehr Liebe portiert wurde, was einen entsprechenden Preis wert ist.

Ich persönlich bin gespannt, ob hier per Patch nachgebessert werden kann. Gelinde gesagt widerstrebt es mir selber sehr, dem Spiel wegen der grafischen Umsetzung nicht mehr Prozente geben zu können. Auf der anderen Seite freue ich mich schon auf Fire Emblem Warriors: Three Hopes und sollte wohl endlich mal Fire Emblem Three Houses beenden. Verdammter Pile of Shame!

55/100
Total Score

Pro

  • Taktischeres Musou für mehr Anspruch
  • Netter Charakter Editor
  • Viel Umfang

Contra

  • Schlechte visuelle Umsetzung
  • Hakelige Steuerung wegen instabiler Framerate
  • Ziemlich tote (und hässliche) Open World - auf Nintendo Switch
Ein Kommentar
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Trustpilot