Ab ins Multiversum in Bayonetta 3

Bei DC und Marvel längst ein alter Hut, wird das Konzept eines Multiversums, das heißt die Existenz vieler, paralleler Welten, heutzutage in immer mehr Franchises etabliert und genutzt. Auch die Umbra-Hexe Bayonetta findet sich damit nun in ihrem dritten spielbaren Ableger konfrontiert, mitsamt einer neuen Gefahr, die natürlich eben jenes Multiversum an sich auszulöschen droht. Und jetzt viel Spaß mit meiner Review zu Bayonetta 3!

Für die, die noch nie etwas von der Serie gehört haben, was aufgrund überschaubarer Verkaufszahlen trotz hervorragenden Kritiker- und Spielerbewertungen des Franchises nicht unwahrscheinlich ist, hier eine kurze Übersicht:

Bayonetta ist im Kern ein waschechtes Hack’n’Slay und steht für over the top Actionszenen, einem schnellen und tiefgründigen Gameplay mit einer wahnwitzigen Inszenierung, anzüglichen Szenen und vollgestopft mit feindlichen Dämonen und Engeln. Dabei hat jede Mission einen arcadelastigen Anstrich, der sowohl die Kämpfe innerhalb eines Kapitels jeweils mit einer Abschlussbewertung versieht, als auch die Summe daraus am Kapitelende als Endnote vergibt – was dem geneigten Spieler den Ansporn gibt, die Missionen immer und immer wieder zu spielen, um den eigenen Highscore oder auch den anderer Spieler zu knacken.

In gewisser Weise wird also definitiv eine Nische bedient, die nicht unbedingt viele Spieler anspricht. Wer aber dem Genre generell nicht abgeneigt ist, kommt eigentlich nicht um die Marke herum.

Ob ihr euch nun aber auch Bayonetta 3 genauer ansehen solltet, erfahrt ihr in diesem Test.

Hex, hex! (Sorry… der musste sein…)

Das Spiel beginnt mit dem Tod. Bayonetta wird tatsächlich von einem übermächtigen Gegner besiegt und mit ihr, scheinbar auch ihr ganzes Universum. Nur die Hexe in Ausbildung Viola schafft es durch Magie in eine andere Welt zu springen – die Welt der bisherigen Bayonetta Spiele – um die dortige Bayonetta und ihre Verbündeten vor eben jener Bedrohung zu warnen, die auch ihr Universum heimgesucht hat.

So viel sei zur Story im Detail gesagt, denn das passiert im Prolog. Alles weitere möchte ich nicht spoilern.

Die Motivation ist also klar und Bayonetta stürzt sich erneut ins Gefecht.

Dabei fällt früh im Spiel auf, dass die Spielewelt etwas größer ausfällt als in den Vorgängern, was umso mehr zum Erkunden einlädt und dies auch mit vielen, sammelbaren Items belohnt. So kehrt eigentlich alles zurück, was man aus den Vorgängern kennt: Itemboxen, kleine Rätsel/Barrieren die es zu überwinden gibt, als auch kleine Parcoursläufe bei denen man innerhalb eines Zeitlimits einige in der Luft schwebende Items einsammeln muss, um an den eigentlichen Inhalt der Truhe zu gelangen.

Auch die Herausforderungsportale zum Sammeln von Hexenherzen und Mondperlen, um Lebens- und Magiekraft dauerhaft zu stärken sind wieder vorhanden.

Ein neues Element sind dabei Hinterlassenschaften von Humonkuli (die neuen Gegner im Spiel), die es einem ermöglichen, die Zeit in einem bestimmten Areal kurz vor oder zurückzudrehen, um dort das Areal selbst zu verändern und in Form von Ceresa (Bayonatta als Kind) innerhalb eines Zeitlimits ein besonderes Item einzusammeln.

Die bereits bekannten Umbratränen kehren ebenfalls mit einer Neuerung zurück: Es gibt sie dieses Mal nicht nur in der Form von rot leuchtenden Krähen, sondern ebenfalls in Katzen und Krötengestalt. Alle davon gilt es pro Level einmal zu finden und zu fangen (was sich je nach Kreatur anders darstellt), um eine alternative Herausforderung bestreiten zu können.

Auch gibt es erneut Kämpfe, die man beim Durchspielen eines Kapitels verpassen kann, sucht man die Gegend nicht vollständig ab. Dank der neuen Option sich den richtigen Weg zum weiterführen des Levels per klick des linken Sticks anzeigen zu lassen, fällt es in Bayonetta 3 aber erfreulich einfacher, nicht versehentlich den nächsten, zwingenden Kampf und damit einen Point of no Return zu triggern, um somit die Gegend zuvor vollständig zu untersuchen, was durchaus für weniger Frust sorgt und gerade in Verbindung mit den größeren Arealen eine sinnvolle Dreingabe ist.

Madama Butterfly bekommt Konkurrenz

Schlagen, Treten, Schießen… Beschwören?

Das Kampfsystem und das Kämpfen an sich machen wie gewohnt sehr viel Spaß und sind auch relativ zugänglich. 

Bayonetta schlägt mit den Waffen in den Händen zu, tritt auf die Gegner ein oder feuert einige Salven aus sicherer Entfernung und natürlich darf auch die Hexenzeit nicht fehlen, die Gegner für kurze Zeit quasi erstarren lässt, wenn man mit richtigem Timing deren Angriffen ausweicht.

Aber eines sollte klar sein: Wer sich einfach nur durch die Story und Missionen prügeln möchte, wird dies sicherlich relativ souverän meistern können auf den Schwierigkeitsgraden Easy und Normal, wer aber die Herausforderung auf Schwer sucht, wird aber schon etwas tiefer in die Materie eintauchen müssen. (Einen vierten Schwierigkeitsgrad gibt es nach dem Durchspielen der Story obendrauf) Und auch für eine Reinplatin-Abschlusswertung – also der höchsten Kür für maximale Combos, kürzeste Zeit der Kämpfe und keinen, erlittenen Schaden – der wird auch spätestens auf Normal schon etwas genauer auf die Mechaniken und gewählten Angriffe achten müssen. Versierte Spieler des Genres werden hier ihre wahre Freude mit den teils komplexen als auch kompliziert auszuführenden Comboangriffen haben.

Es gibt in Bayonetta 3 übrigens nicht mehr die Option, Hände und Füße mit unterschiedlichen Waffen auszustatten, sondern nur Komplettsets, wovon sich 2 per kurzem Tastendruck durchschalten lassen. Die Waffen selbst spielen sich dabei angenehm unterschiedlich und kommen auch mit einem jeweils eigenen Skilltree daher auf dem man gegen Blutstränen (Erhalt durch Besiegen von Gegnern – je nach Performance ergattert man mehr davon) neue Comboangriffe für Bayonetta freischalten kann.

Dabei ist jede Waffe noch an einen dämonischen Begleiter gekoppelt, dessen Aktionspool man dort ebenfalls erweitern kann. Ebenso bestimmt die Waffe Bayonettas tierische Form und damit auch die Bewegungsaktionen, wenn sie sprintet oder springt. Etwa Fliegen, durch die Luft schießen oder an einem Spinnenfaden entlang schwingen.

Apropos… das ist ohnehin die größte und einschneidendste Neuerung in Bayonetta 3: Die verbündeten Dämonen wie etwa Madama Butterfly oder Gomorrha lassen sich im dritten Abenteuer der Hexe nicht nur für Abschlusskills beschwören, sondern – sofern das Areal groß genug ist – auch jederzeit in jedem Kampf. Diese benötigen jedoch Energie von unserer Magieleiste und verschwinden mit dem Erlöschen dieser, oder auch wenn Bayonetta im Kampf getroffen wird. Denn da die Gegner weder Engel noch Dämonen sind, haben Bayonettas Gefährten keine besondere Motivation diese zu vernichten und zu verspeisen, weshalb Bayonetta während dem Wirken der mächtigen Dämonen eine Art Beschwichtigungstanz aufführen muss, der sie schutzlos macht. Dafür bekommen wir als Spieler jedoch die vollständige Kontrolle über die Dämonenwesen und mischen damit die Gegnerschar so richtig auf. Das Kämpfen auf dieser Ebene macht zwar absolut Spaß und gibt dem Kampf einen ganz neuen Spielfluss, da man etwa auch einfach zur Neupositionierung kurz einen Dämonen rufen und die Gegner damit treffen kann, fühlt sich aber im Vergleich zur Steuerung von Bayonetta etwas träge und gemächlicher an und teilweise scheint sich das auch in niedrigeren FPS zu äußern. 

Davon abgesehen bedarf es etwas an Gewöhnungszeit, sich an die Steuerung und den richtigen Einsatz der Dämonen zu gewöhnen, hat man den Dreh allerdings raus, ist es eine wirklich gute Ergänzung zum bisherigen System. Einzig die Kameraeinstellungen lassen uns teilweise etwas übersichtslos im Kampfgeschehen zurück.

Es gibt sogar kleine Abschnitte mit “mega” Versionen der Bestien, die sich anfühlen, als würde man mit Godzilla selbst in die Schlacht ziehen.

Die Kaijukämpfe sind zwar schwerfällig, wirken aber umso imposanter!

Ebenfalls neu, zumindest was das Hauptspiel anbelangt, ist, dass Bayonetta nicht die einzige steuerbare Figur im Spiel ist. Zum Einen übernimmt der neue Charakter Viola ebenfalls einige Abschnitte, zum Anderen spielt man auch mit der Hexe Jeanne.

Während Violas Steuerung auf der gleichen Ebene wie die von Bayonetta stattfindet, spielt man Jeanne dabei in Minigame artigen 2D Sidescrollmissionen. 

Die Abschnitte beider Figuren spielen sich dabei angenehm anders und erfrischend, als die mit der Hauptheldin. 

Viola nutzt lediglich ihr Katana und ihre Fäuste im Kampf, spielt sich aber, trotz vergleichsweise eingeschränktem Moveset, sehr angenehm und flüssig. Außerdem kann sie ihren Dämon, die Grinsekatze, aufs Feld rufen und dabei weiterhin aktiv im Kampfgeschehen mitmischen. Man findet also spielerisch nicht nur eine weitere Bayonetta mit einer Waffenvariation, sondern auch leicht anderen Mechaniken vor.

Jeanne fühlt sich spielerisch dabei schon eher wie Bayonetta an, aber aufgrund des Designs ihrer 2D Missionen und damit einhergehenden, eingeschränkten magischen Fähigkeiten, spielen sich ihre Missionen dennoch ganz anders und bieten eine willkommene und sich gut einfügene Ergänzung zur eigentlichen Bayonettaformal.

Zusätzliche spielerische Vielfalt durch neue Charaktere

Größer, Frischer, Besser?

Insgesamt lässt sich sagen, dass Bayonetta 3 das bisher ambitionierteste Abenteuer der Umbrahexe darstellt und das nicht nur auf die Prämisse der Story bezogen.

Die Areale sind größer, die Zwischensequenzen sind länger und erstmals auch vollständig durch animiert, anstatt hin und wieder auf Standbilder zurückzugreifen, was es zumindest für mich sehr viel greifbarer macht.

Es gibt sowohl eine angenehme, spielerische Vielfalt als auch genug Neues, um für frischen Wind zu sorgen und die Spieler in ein bildgewaltiges Actionspektakel hineinzuversetzen.

Allerdings stößt die Nintendo Switch wirklich hier und da an ihre Grenzen, was sich sowohl grafisch, als auch frameratetechnisch durchaus bemerkbar macht, allerdings in keinerlei spiel störendem Ausmaß. Dennoch fallen Flackern und unsaubere Kanten vor allem in einigen Sequenzen stark auf, wo man sich denkt, dass eine vorgerenderte Sequenz sinnvoller gewesen wäre.

Stark sind dafür die Ladezeiten, die sich im Vergleich zum Vorgänger reduziert anfühlen und auch die Screen Transitionen sind optisch sehr elegant umgesetzt, was dennoch nicht ganz über hin und wieder leicht verwaschene Darstellungen hinwegtrösten kann.

Orientierungsverlust im Kampf kann auch eine kleine Nebenwirkung der größeren Areale und nicht immer optimale Kameraausrichtung sein. Vor allem für Neueinsteiger und den generellen Einstieg in das Spiel, bedarf es hier unter Umständen etwas Gewöhnungszeit.

Es gibt eine Menge an Sammelbaren Items für tatsächlichen Ingamenutzen, Hintergrundinformationen zur Welt und deren Kreaturen, als auch Kostüme und Farben für Bayonetta und sogar für ihre Haarfarbe, wodurch ein 100% Durchlauf des Spiels einiges mehr an Arbeit erfordert und Spieler mit einem Spielstand von Bayonetta 1 und/oder 2 bekommen Bonusitems, als netten Fanservice spendiert.

Fanservice – auf eine andere Art und Weise – wird ja in Bayonetta ohnehin seit jeher groß geschrieben und auch davon, also… viel nackte Haut, gibt es im dritten Teil wieder viel zu sehen. Wem das allerdings zu viel wird, kann den neuen “Naiven Engel” Modus aktivieren, um sowohl Nacktheit, als auch Gewalt zu reduzieren. Na, wer es denn braucht…

Unterm Strich bleibt uns das wohl stärkste Abenteuer, das wir mit Bayonetta bisher erleben durften und es dürfte spannend bleiben, was uns in einem neuen Teil überhaupt noch erwarten soll… sofern es einen weiteren geben wird.

Eine kleine, sehr subjektive Anmerkung meinerseits an dieser Stelle noch:

Bayonetta – die Hexe – sah in keinem anderen Spiel besser aus! Ihr neues Design steht für mich klar an erster Stelle der gesamten Reihe und auch dank insgesamt grafisch besseren Charaktermodellen, macht sie hier einen unglaublich guten Eindruck!

Übrigens: Wer im Vorfeld die Problematik mit Hellena Taylor, der ursprünglichen englischen Synchronsprecherin von Bayonetta, mitbekommen hat, weiß, dass die Hexe im aktuellen Teil nun von Jennifer Hale gesprochen wird. Ohne dabei auf die Kontroverse eingehen zu wollen, will ich lediglich anmerken, dass auch Hale einen ausgezeichneten Job macht.

Hätte ich von diesem kleinen Geplänkel im Vorfeld nichts mitbekommen, hätte ich einen Wechsel der Stimme gar nicht bemerkt, so ähnlich sind sie sich. Man muss sich also keine Sorgen machen, sich komplett umzugewöhnen, was bei etablierten Stimmen in einem Franchise meistens durchaus ärgerlich ist.

Bayonetta sah nie besser aus!

Alles bestens im Multiversum?

Bayonetta 3 bleibt sich selbst und der Reihe treu, indem es spektakuläre und absurde Actionszenen on masse abfeuert in einem vielleicht nie dagewesenem Ausmaß.

Trotz einigen grafischen und technischen Schwächen, die wohl hauptsächlich, wenn nicht gar exklusiv der in die Jahre gekommenen Hardware anzulasten sind, muss sich das Spiel keineswegs verstecken. 

Es sieht fantastisch aus, spielt sich dabei noch besser und bietet eine Tiefe, die man im Genre sonst kaum noch wiederfindet und genug Herausforderung für versierte Spieler. Zudem wird die bekannte Bayonettaformel mit frischem Wind versehen, was dem Spiel definitiv zu Gute kommt. Mit dabei im Gepäck ist die vielleicht interessanteste, wenn nicht beste Story der gesamten Reihe. 

Somit ist für mich klar: Bayonetta ist und bleibt der Genrekönig! Und Teil 3 ist dabei die höchste Krönung. Großes Lob an Platinum Games und Nintendo – Weiter so!

Und auch wenn Bayonetta 3 aufgrund seiner Natur nicht unbedingt jeden anspricht und einige Bayonetta-Veteranen aufgrund des höheren Fokus auf Erkundung gegenüber den Vorgängern vielleicht nicht ganz so angetan sein werden, spreche ich hiermit eine klare Spielempfehlung für alle aus, die zumindest dem Action Genre nicht abgeneigt sind. 

Bayonetta 3
95 100 0 1
Ein spielerisch so glatt geschliffenes Spiel, verdient einfach jede Aufmerksamkeit, die es bekommen kann und eigentlich ist es eine Schande, dass die Reihe sich verkaufszahlentechnisch bisher eher bedeckt halten musste. Schlagt zu!
Ein spielerisch so glatt geschliffenes Spiel, verdient einfach jede Aufmerksamkeit, die es bekommen kann und eigentlich ist es eine Schande, dass die Reihe sich verkaufszahlentechnisch bisher eher bedeckt halten musste. Schlagt zu!
95/100
Total Score

Pro

  • Abgefahrene Action im typischen Bayonettastil
  • Frischer Wind mit neuen Funktionen und spielbaren Charakteren
  • Komplexes Kampfsystem
  • Passende Schwierigkeitsgrade für Spieler aller Art
  • Dank typischen Highscores hoher Wiederspielwert

Contra

  • Optische und technische Abstriche aufgrund der Hardware
  • Kameraausrichtung in Kämpfen nicht immer optimal
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