Fünf Sekunden. So lange hat es gedauert, bis meine Gruppe im Chaos versunken ist. Kaum hatte ich den ersten Griff gesetzt, hing schon jemand an meinem Gesicht, während sich ein anderer Mitspieler ins Nichts katapultierte – das ist Heave Ho bzw. Heave Ho 2.
Die Mischung aus Lachen und Verzweiflung, die Heave Ho ausgemacht hat, ist auch in Heave Ho 2 wieder vorhanden. Da meine Freunde jedoch noch keine Berührungspunkte hatten, stürzten wir uns zunächst in das wirklich hilfreiche Tutorial des Spiels.
Worum geht’s überhaupt
Heave Ho 2 ist der Nachfolger von Le Cartels Party-Hit aus Frankreich, erscheint am 16. Juli 2026 (also heute) für PC, Nintendo Switch sowie Nintendo Switch 2 und kostet gerade mal 9,99 Euro. Man steuert – wie im Original – nur einen Kopf mit zwei überlangen Armen, keinen Körper, keine Beine, und muss sich mit bis zu drei weiteren Spielern als wacklige Menschenkette durch die Level hangeln. Bis zu vier ‚Kleinstein‘ können mitspielen, entweder auf der Couch oder, und das ist die große Neuerung, jetzt auch online.

Heave Ho 2 für Nintendo Switch 2 unterstützt außerdem GameShare, sodass ein Spieler, der das Spiel besitzt, es lokal oder online mit bis zu drei weiteren Spielern teilen kann. Dazu kommt CameraPlay, womit Spieler ihr eigenes Gesicht auf die Figuren setzen können – das hätte ich zugegebenermaßen gern mal ausprobiert. Gespielt haben wir jedoch auf PC, weil das für meine Mitspieler und mich logistisch spontan etwas einfacher war.
Man spielt im Grunde – wie auch schon beim ersten Teil – eine an das Pokémon „Kleinstein“ erinnernde Figur mit fuchtelnden Armen, beim verzweifelten Versuch, sich und die anderen nicht ins Verderben zu stürzen. Im ersten Teil ging online noch gar nichts, außer man hat sich mit Steam Remote Play beholfen – quasi der Vorläufer dessen, was jetzt die GameShare-Funktion von Nintendo Switch 2 leistet.
Der erste Eindruck von Heave Ho 2
Ich hatte noch nicht genug Zeit mit dem Spiel, um ein finales Fazit zu ziehen, weshalb dies nur ein Hands-on-Bericht und kein Spieletest ist. Das soll uns aber nicht daran hindern, euch etwas zum Spiel zu erzählen. Die Steuerung ist simpel: nur Stick und Trigger, zum Schwingen, Greifen, Klettern, Abspringen. Innerhalb von Sekunden hat man das verstanden – aber die Physik im Team zu beherrschen, bleibt herrlich schwer.
Das Schwingen fühlt sich erstaunlich stimmig an, nichts wirkt schwammig oder willkürlich, man merkt richtig, wie sich der Schwung von einem Arm auf den nächsten überträgt. Aber ihr werdet dennoch oft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, wenn man im Eifer des Gefechts bemerkt, dass man eine Rechts-Links-Schwäche hat und die falsche Taste loslässt.
Die Level wirken interaktiv. Nicht nur Plattforming-Passagen, sondern das Spiel wirft ständig neue Ideen rein. So gibt es zum Beispiel Drohnen, die ihr steuern und so eure Mitspieler durch das Level manövrieren könnt, damit diese heil ins Ziel kommen. Und ja, die alte Furz-Mechanik aus Teil 1 ist zurück, und ich gebe zu, nichts war so befriedigend, wie einen Mitspieler mit einem voll aufgeladenen Furz ins Nichts zu befördern.
Steuerung und Kompatibilität
Das Spiel kann am PC mit Tastatur gespielt werden, fühlt sich dann aber alles andere als intuitiv an, weshalb ein Controller klar empfohlen wird. Der Pro-Controller meiner Nintendo Switch 2 wurde leider nicht vom Spiel akzeptiert, die Controller von Xbox und PS5 funktionierten hingegen reibungslos.
Online-Koop in der Praxis
Der Online-Modus ist für mich der eigentliche Meilenstein des Spiels. Couch-Koop bleibt für mich unschlagbar, keine Frage – aber es online mit Freunden spielen zu können, die nicht gerade auf meiner Couch sitzen, ist für ein Spiel, das komplett auf physisches Chaos in einem Raum ausgelegt war, überraschend gut umgesetzt.
Versus-Modus
Auch der Versus-Modus ist zurück, mit neuen Herausforderungen, die garantiert für Streit sorgen. Dazu kann ich aber noch nicht wirklich etwas sagen, da wir bisher kaum dazu gekommen sind.
Optik und Sound
Optisch hat Heave Ho 2 ordentlich draufgelegt: Die Umgebungen sind hübsch anzusehen, die Gesichter der Charaktere ausdrucksstark, und man erkennt insgesamt klarer, wohin man eigentlich muss. Der Cartoon-Look ist knallig und bunt geblieben, der Soundtrack lief bei mir angenehm nebenbei mit, ohne zu nerven – was bei einem Spiel, das eigentlich nur aus gegenseitigem Anschreien besteht, gar nicht so selbstverständlich ist.
Umfang
Ich habe mir sagen lassen, dass es wohl mindestens 4–5 Stunden dauert, alle Level zu absolvieren, und sogar bis zu 15 Stunden, um alle Herausforderungen zu meistern und alle Freischaltungen zu erhalten. Die Level werden zudem zufällig generiert, sodass Multiplayer-Versus- und Koop-Runden theoretisch ewig weitergehen können.
Heave Ho 2 macht für mich genau das richtig, was den ersten Teil ausgemacht hat, und packt spürbar mehr Abwechslung obendrauf. Bei 9,99 Euro ist die Einstiegshürde ohnehin minimal, und mit dem Online-Modus fällt endlich der größte Kritikpunkt am Original weg. Wer schon beim ersten Teil Spaß hatte, sich mit Freunden gegenseitig ins Verderben zu stürzen, wird hier sofort wieder reinfinden. Nur meine Freundschaften sollte ich vielleicht noch einmal überprüfen – Heave Ho 2 ist mindestens so schädlich für zwischenmenschliche Beziehungen wie die Mario-Kart-Reihe, im positiven Sinne.
Passend dazu: Le-Cartel-Mitgründer Alexandre Muttoni hat in einem Statement zum Release verraten, dass die Entwicklung des ersten Teils eineinhalb Jahre gedauert hat, die von Heave Ho 2 dagegen ganze vier Jahre – und dass er die insgesamt fünfeinhalb Jahre, die er in beinlose, furzende Figuren investiert hat, keine Sekunde bereut.
Eineinhalb Jahre, um Heave Ho zu entwickeln – und vier Jahre, um Heave Ho 2 zu entwickeln. Wir haben fünfeinhalb Jahre unseres Lebens damit verbracht, Figuren ohne Beine zu erschaffen, die furzen. Ich bereue gar nichts.
Alexandre Muttoni, Mitgründer und Art Director bei Le Cartel, sagte das auf Französisch.

Pro
- Vertraute, stimmige Physik
- Deutlich mehr Abwechslung in den Themenwelten und mit neuen Gadgets
- Online-Koop endlich vorhanden
- Sehr fairer Preis
Contra
- Möglicher Streit mit Freunden vorprogrammiert (weil einer immer zu früh loslässt)
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