Als Eltern besorgt bei Nintendo anriefen, weil sie Animal Crossings Gyroiden für etwas ganz anderes hielten

Als familienfreundliches Unternehmen setzt sich Nintendo immer wieder ungewöhnlicher Kritik aus – manchmal berechtigt, manchmal ziemlich missverständlich. Eine kürzlich wiederentdeckte Geschichte aus dem Jahr 2004 zeigt ein besonders amüsantes Beispiel für Letzteres.

Wie zunächst von Sasha’s Retrobytes entdeckt und anschließend von GamesRadar+ verifiziert, enthielt die August-2004-Ausgabe des Magazins Electronic Gaming Monthly ein Interview mit dem ehemaligen Nintendo Game Counselor Rick Sandbom. Darin erzählt er von einer auffällig häufigen Beschwerde, die er während seiner Zeit an der Nintendo-Hotline entgegennahm – rund um den Release von Animal Crossing für den GameCube in den USA.

Das Problem mit den Gyroiden

Wer das originale Animal Crossing damals gespielt hat, weiß: Das Spiel legt Spielern nahe, vor dem Ausschalten zu speichern, um dem gefürchteten Signor Resetti aus dem Weg zu gehen – dem cholerischen Maulwurf, der Spieler beim nächsten Start des Spiels zur Rede stellt, wenn zuvor nicht gespeichert wurde.

Um zu speichern, müssen Spieler mit dem freundlichen Gyroiden vor ihrem Haus sprechen – und genau hier lag das Problem. Besorgte Eltern, die ihre Kinder beim Spielen dieses niedlichen Tiersimulators beobachteten, waren schockiert, als sie die Gyroiden mit etwas deutlich Erwachseneren verwechselten.

Sandbom erinnerte sich:

Wir bekamen viele wütende Anrufe wegen Animal Crossing. Ein hautfarbener Hydrant im Spiel sorgte bei Eltern für Aufregung, die dachten, er sähe aus wie [etwas Anzügliches].

Die Beschwerden häuften sich derart, dass Nintendo intern sogar eine offizielle Vorgehensweise für den Umgang mit diesen Anrufen ausarbeitete. Laut Sandbom habe es dafür sogar eine eigene Seite in der internen Datenbank gegeben, wobei er selbst nie das Vergnügen hatte, einen dieser Anrufe anzunehmen, da diese stets an erfahrenere Hotline-Mitarbeiter weitergeleitet wurden.

Der wahre Ursprung der Gyroiden

Was Nintendo den besorgten Eltern damals genau geantwortet hat, ist leider nicht überliefert. Interessant wäre gewesen, ob das Unternehmen die tatsächliche Inspiration hinter den mysteriösen Figuren offengelegt hat: Gyroiden basieren nämlich auf den japanischen Haniwa-Statuen und werden in der japanischen Version der Spiele sogar direkt so genannt. Es handelt sich um Tonfiguren, die im historischen Japan zu Ehren Verstorbener gefertigt wurden, in dem Glauben, sie würden die Seelen der Toten beschützen.

Wer sich für die vollständige, deutlich morbidere Entstehungsgeschichte der Gyroiden interessiert, findet hier eine ausführliche Analyse (in Englisch).

Ob diese Erklärung die besorgten Eltern damals tatsächlich beruhigt hätte, bleibt fraglich.

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