Beinahe 20 Jahre ist es her, dass es einen neuen Hauptableger in der Onimusha-Reihe vom Spieleentwickler Capcom gegeben hat. Vor zwei Jahren wurde aber endlich ein neuer Ableger angekündigt und im Rahmen der Sommerdirect von Nintendo sogar für Nintendo Switch 2 bestätigt.
Ursprünglich sollte der Titel am 25. September 2026 erscheinen, doch Capcom hat die Veröffentlichung um 3 Wochen auf den 4. September 2026 gelegt. Nachdem der Spieleentwickler dieses Jahr schon gut vorgelegt hat mit Pragmata, Resident Evil Requiem und auch Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection, waren wir also sehr gespannt, ob diese Qualität auch im neuesten Onimusha-Ableger halten kann. Reist mit uns also in das alte Kyoto der Edo-Periode in Japan.

Ein Handschuh um sie alle zu Knechten
In der Onimusha-Reihe schlüpft ihr in der Regel in die Rolle einer aus der Geschichte bekannten Person, natürlich für die Titel passend abgewandelt. In Onimusha: Way of the Sword erlebt ihr die Abenteuer von Miyamoto Musashi, einem Samurai in der Edo-Periode von Japan. Talentiert, gleichzeitig aber auch tollpatschig, kann sich Musashi aus fast jeder Lage hinausbringen.
Doch sein Glück währt nicht ewig, denn er wird von einer Gruppe von Dämonen, sogenannten Genma, überrannt und somit getötet. Im Jenseits wird er von einem Mann in Weiß angesprochen und gleichzeitig zu einem Vertrag gezwungen, womit er wieder von den Toten wiederbelebt wurde. Jedoch muss er als Ausgleich einen Oni-Handschuh tragen, welcher seine Kräfte enorm verstärkt, nach und nach aber zu einem Monster werden lässt. Musashi versucht also irgendwie, den Oni-Handschuh loszuwerden, allerdings würde es ihn theoretisch umbringen.
Nach seiner Wiederbelebung wird er von einer unbekannten Person in das alte östliche Kyoto geführt und dort wird enthüllt, dass es sich bei der Person um Ono no Takamura handelt. Dieser stellt sich kurz danach ebenfalls als ein Onimusha vor, wobei seine Aufgabe darin besteht, das Tor zur Dämonenhölle zu bewachen. Mit ihm lebt auch das junge Mädchen Izumo no Okuni zusammen, und gemeinsam unterstützen sie Musashi bei seiner Reise, den Handschuh loszuwerden.

Als Onimusha hat unser Protagonist aber nichts an seinem Charme verloren. Was nämlich absolut hinaussticht, ist der Humor von Musashi. Manchmal hatten wir das Gefühl, dass er die Ernsthaftigkeit seiner Situation nicht ernst nimmt und einfach denkt, alles sei nur ein Spiel. Gerade die Einführungssequenz von Onimusha: Way of the Sword hat uns den ein oder anderen Lacher beschert und erinnerte eher an einen Slapstickfilm als an einen brutalen Samurai-Film in Japan.
Das ist jedoch nichts Negatives und macht gerade das Spiel so besonders in der Geschichte. Die Zwischensequenzen sind hierbei besonders gut gestaltet und, ohne viel verraten zu dürfen, sind besonders gegen die anderen großen Feinde ein absolutes Fest. In dem Oni-Handschuh von Musashi ist der Geist einer Frau beherbergt, welche nach wenigen Spielstunden zum Begleiter von unserem Onimusha wird. Sie gibt nicht nur wertvolle Tipps für die Reise und Kämpfe, sondern neckt Musashi dann, wenn es mal nötig ist.

Dynamisches Kampfgameplay für jeden Spieler
Das Kampfsystem wirkte anfangs sehr eintönig und kam noch nicht wirklich zum Tragen, doch nach wenigen Spielstunden kamen mehr Features mit dazu, welche das Erlebnis abgerundet haben. Ihr könnt mit der Y-Taste horizontale einhändige Hiebe durchführen und mit der X-Taste zweihändige vertikale Hiebe durchführen. Durch Variation der Combos könnt ihr je nach Situation am besten reagieren, um so mehr Schaden auszuteilen.
Doch die Genma schauen natürlich nicht tatenlos zu und lassen sich einfach so umbringen. Kleine Fische lassen sich in der Regel mit normalen Angriffen zum Straucheln bringen und können somit schnell erledigt werden, doch mächtigere Genma erfordern wesentlich mehr Strategie.
Über die L-Taste könnt ihr jederzeit mit eurem Schwert Schaden blocken. Dies verbraucht jedoch wertvolle Ausdauer von Musashi und kann im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass er für wenige Sekunden betäubt ist, um diese zu regenerieren. Gerade bei mächtigen Angriffen ist die Frage wichtig, ob wir lieber blocken oder doch ausweichen möchten.
Über die A-Taste kann der Onimusha ausweichen, gelingt es euch sogar direkt vor einem Angriff eines Gegners, führt ihr ein Instinktausweich-Manöver durch. Dieses füllt eine Anzeige, womit ihr bei kompletter Füllung einen starken Angriff auf einen Gegner durchführen könnt. Wehrt ihr einen Angriff rechtzeitig mit der Block-Taste ab, so leitet ihr den Angriff des Gegners um und könnt ihn von hinten angreifen. Bei größeren Feinden ist es eventuell nötig, dass ihr diese Prozedur öfter wiederholt.
Ein erfolgreiches Ablenken eines Angriffes füllt eure Lohe-Anzeige. Ist diese gefüllt, entfacht eure Klinge und für einen gewissen Zeitraum führt ihr stärkere Angriffe durch.

Nach einigen Spielstunden erhaltet ihr ebenfalls die Möglichkeit, Angriffe zu parieren, während ihr blockt. Ist dies erfolgreich, so verliert der Feind einen Großteil seiner Ausdauer. Gerade bei Bosskämpfen ist dies besonders wichtig, da diese euch selten offene Zeitfenster für Angriffe bieten.
Ich persönlich habe eine gemischte Spielweise aus Parieren und Ablenken gewählt, da dies für mich am besten funktioniert hat. Spieler, die lieber auf Risiko stehen, können sich auch an der Technik des Issen versuchen. In einem extrem kurzen Zeitfenster vor einem gegnerischen Angriff könnt ihr durch Betätigen einer Angriffstaste einen Issen-Konter durchführen. Ist dieser erfolgreich, so weicht ihr sofort aus und führt einen starken Konterangriff durch. Dadurch, dass das Zeitfenster sehr gering ist, kann es auch passieren, dass ihr einen sehr starken Treffer einstecken müsst.
Leuchten Genma im Kampf blau auf, so versuchen sie, einen Greif-Angriff auf Musashi durchzuführen. Über den Ausweich-Knopf könnt ihr bei perfektem Timing diesen Angriff (meist mit sehr witzigen Animationen) kontern und den Gegner für einige Sekunden betäuben und für Angriffe anfällig machen. Vielleicht ist es aber auch nötig, etwas für Musashis Lebensbalken zu tun und ein Heilgegenstand zu verwenden. Heilgegenstände könnt ihr an jedem Spiegelschrein regenerieren oder auffüllen.

Während eines Kampfes gegen die Genma lassen die Dämonen verschiedene Seelen fallen: Rote Seelen, Gelbe Seelen und Blaue Seelen. Die Roten Seelen sind eine der Währungen, um Upgrades für Fähigkeiten oder Talismane zu kaufen. Somit hat unser Onimusha bessere Chancen, im Kampf erfolgreich zu sein.
Gelbe Seelen füllen euren Lebensbalken wieder auf, doch Vorsicht, denn auch Gegner können diese Seelen absorbieren, um somit stärker zu werden. Wenn ihr Seelen seht, absorbiert diese mit eurem Oni-Handschuh schnellstmöglich. Blaue Seelen füllen die Oni-Kraft von den mächtigen Oni-Waffen auf, welche ihr während eurer Reise findet.
Zum Start erhaltet ihr zwei kleine Schwerter, die eine mächtige Kombo auf einen Gegner entfesseln. Später stehen euch noch weitere Waffen zur Verfügung, wie zum Beispiel ein Speer, der verheerenden Flächenschaden ausführt, oder ein paar Hämmer, die den Ausdauerbalken eurer Gegner dezimieren. Durch die Vielzahl an Möglichkeiten des Blockens und Verteidigens kann also jeder Spieler selber entscheiden, welche Spielweise am besten geeignet ist.
Sortiert von Komplexität und Timing:
- Blocken
- Ausweichen
- Ablenken
- Parieren
- Issen-Konter

Perfekte Balance zwischen Linear und offene Welt
Die Reise durch das östliche Kyoto und die umliegenden Orte haben die Entwickler gut gelöst und meine Angst, dass es sich bei Onimusha: Way of the Sword um einen großen Open-World-Titel handeln könnte, schnell dezimiert. Die ersten zwei Gebiete sind sehr linear, sind aber dennoch offen genug, dass fündige Spieler geheime Schätze und Orte finden können. Dort findet ihr wertvolle Upgrade-Materialien, welche Musashis Reise leichter machen können.
Als sich das östliche Kyoto zum ersten Mal ein wenig offenbart hat, lächelte mich auf einmal eine große „offene“ Spielwelt an. Doch diese war nicht, wie bei anderen Titeln, mit Symbolen vollgekleistert (ja, ich schiele zu Assassin’s Creed hinüber). Während Musashis Reise offenbart sich nach und nach eine größere Karte, doch nur in einem Rahmen, sodass es nicht überwältigend wirkt.
Es gibt neben Schätzen natürlich auch kleinere andere sammelbare „Gegenstände“, die zu zahlreichen Belohnungen führen. Genma findet ihr überall verteilt im östlichen Kyoto, und diese erscheinen auch nach einer gewissen Zeit wieder. Es besteht aber natürlich auch die Möglichkeit, einfach an den Gegnerhorden vorbeizulaufen, denn die roten Seelen hat man ab einem gewissen Zeitpunkt gut im Überfluss.
Doch Kyoto nach seltenem Upgrade-Material zu untersuchen, ist besonders wichtig. Mithilfe von dem Oni-Handschuh könnt ihr über die Oni-Sicht sogar versteckte Schatztruhen aufspüren. Der Handschuh vibriert und leuchtet, solltet ihr euch in der Nähe einer solchen Schatztruhe befinden.

Ein wahres Highlight von Onimusha: Way of the Sword sind die Bosskämpfe. Ob kleine Gegner oder auch große Dämonen, jeder Kampf fühlt sich komplett anders an, und man braucht erst mal eine Weile, um herauszufinden, wie der Gegner genau seine Angriffe durchführt. Kämpfe laufen an sich wie immer ab, doch mächtige Feinde haben in der Regel mehr als eine Phase, und eure Ausdauer und Geduld wird häufig zur Probe gestellt.
Wenn ihr die Ausdauerleiste eines Bosses leert, so habt ihr mehrere Möglichkeiten, ihn zu attackieren. Zum Beispiel könntet ihr den Schweif einer Echse abschlagen, damit dieser euch im Kampf nicht mehr mit angreift, oder direkt den Körper der Echse für mehr Schaden angreifen. Überlegt euch also gut, welches Körperteil angegriffen werden soll.
Apropos Ausdauer: Diese regeneriert sich nicht nur bei Musashi, sondern natürlich auch bei Feinden, und je länger ihr mit Angriffen oder Manövern wartet, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Boss wieder eine volle Ausdauerleiste besitzt und ihr quasi von vorne beginnen müsst.

Falls eure Fähigkeiten nicht zufriedenstellend sind, bietet das Spiel auch noch eine Übungsarena an, wo ihr nicht nur die normalen Spielmechaniken üben könnt, sondern auch Bosskämpfe wiederholbar sind. Gerade zum Ausprobieren von neuen Fähigkeiten oder Oni-Waffen lohnt sich der Gang zur Übungsarena. Doch nicht nur das, ihr erhaltet auch Materialien für das Absolvieren von Übungseinheiten.
Im schlimmsten Fall könnt ihr auch über einen Spiegelschrein den Schwierigkeitsgrad des Spiels komplett verändern. Der Story-Schwierigkeitsgrad zeigt euch sogar an, wenn der Ausweichzeitpunkt erfolgt, und ist somit zugänglicher.

Humor, Charme und Atmosphäre von Japan
Wie auch die anderen Titel von Capcom in der RE Engine macht Onimusha: Way of the Sword ein fantastisches Bild auf Nintendo Switch 2. Die düstere Atmosphäre des dunklen Japans kommt sehr gut herüber, und die Licht- und Schatteneffekte machen besonders was her. Gerade in einem gewissen Bereich im mittleren Spielverlauf dienen die Schatten sogar als Element für Rätsel und Präsentation.
Zwar habt ihr nicht wie in der PC-Version mehrere Auswahlmöglichkeiten, was die Grafikeinstellungen angeht, allerdings könnt ihr, bei Bedarf, die Bildrate auf 30 fix setzen oder auch Motion Blur deaktivieren. Allgemein ist die Bildrate sehr gut und fällt niemals unter 30 Bilder je Sekunde. In der Regel schwankt diese, wie auch bei Pragmata, zwischen 40 und 50 FPS. Häufig erhaltet ihr sogar durchgehende 60 FPS, jedoch eher selten im östlichen Kyoto.
Die Effekte in Onimusha: Way of the Sword sind sehr bombastisch, und gerade normale Kämpfe wirken dadurch sehr überzeugend. Wenn ich durch das östliche Kyoto laufe, habe ich mir häufig die Umgebung genau angeschaut, da vieles so extrem authentisch wirkt und Lust dazu macht, Japan einmal direkt zu besuchen.

Die Musik im Spiel ist sehr östlich angehaucht und passt zu der Thematik. Klassische japanische Instrumente zieren Kämpfe gegen starke Feinde und runden die Atmosphäre, zusammen mit der Grafik, auch perfekt ab.
Die Sprachausgabe braucht sich auch überhaupt nicht verstecken. Natürlich kommt der Titel auf Japanisch wesentlich besser herüber, doch die deutschen Synchronsprecher haben fabelhafte Leistungen vollbracht und sind durchweg gut. Musashi selber ist ein sehr witziger Charakter, und dies wird durch seine Stimme noch einmal unterstrichen.
Negativ sei jedoch zu erwähnen, dass im östlichen Kyoto einige Anmerkungen von Musashi sich recht häufig wiederholen, öfter auch direkt hintereinander. Es ist zwar schön, dass die kleinen Genma „Futter für den Handschuh“ sind, dennoch wäre es schön, wenn es nicht in jeder zweiten Gegnergruppe zu hören ist.

Großartiges Action-Spektakel
Nach 20 Jahren Wartezeit haben wir nicht nur einen neuen Hauptableger der Onimusha-Reihe bekommen, sondern gleichzeitig auch noch einen weiteren hochwertigen Titel aus Capcoms Hand. Das Abenteuer von Musashi hat viel Spaß gemacht und die perfekte Balance zwischen Kampf, Rätsel und Erkundung gehabt.
Onimusha ist zurück!
Onimusha: Way of the SwordPro
- Optik und Sound fängt die Atmosphäre gut ein
- Kampfsystem lässt einen die Spielweise selber entscheiden (Risk and Reward)
- Sprachausgabe und Musashis Humor sind top
Kontra
- Zäher Einstieg und Anfang
- Sprachausgabe im östlichen Kyoto wiederholt sich oft
- Steife Animationen von einigen NPCs
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