Als Kind der 80er und 90er hatte man viele Hobbys. Eines davon war Anime, entweder durch Detektiv Conan, Pokémon oder Digimon auf RTL 2, oder die kultigen Nächte auf VOX mit zum Beispiel Neon Genesis Evangelion, oder auch Captain Future im ZDF.
Entsprechend haben sich dieser Style und Soundtrack in mein Hirn gebrannt, und ich wippe noch heute los, wenn mich ein zufälliger Ohrwurm von Shaman King oder Slayers erwischt. Und auf die Gefahr hin, alt rüberzukommen: Anime waren ein Happening und nicht so einfach zu schauen – mangels Netflix, Crunchyroll oder gar der Sendezeiten von analogen TV-Sendern. Und wehe, man kam zu spät nach Hause, um die aktuelle Folge zu schauen!
Entsprechend zog sicher nicht nur ich die Augenbraue hoch, als in der Nintendo Direct vom Februar 2026 das Spiel vorgestellt wurde. Mit seinem Artstyle will das Spiel 80s-Anime spielbar machen, und das in einem asymmetrischen Koop-Konzept, wie wir es mit It Takes Two oder Split Fiction sehr zu schätzen gelernt haben.
Aber reicht die Mischung aus 80s-Anime und Genre, um uns erneut zusammen an den Bildschirm zu fesseln? Spoiler: Aber sowas von!

Kassetten-Futurismus, but Anime
Mit einem wunderschön animierten Titelbildschirm, kleinen Animationen im Optionsmenü bis hin zu Anime-Joy-Con und Pro Controller begrüßt uns Orbitals auch mit einem Openingsong, der ebenso wie die Filmkörnung einfach nur nach den 80ern schreit – Accelerating Destiny (加速する運命) von Mami Ayukawa.
Im eigentlichen Spiel begrüßt uns eine animierte Sequenz und beleuchtet den Beginn der Odyssee im Weltraum, wo die beiden Hauptfiguren Maki und Omura von einem Mann und einer Frau, welche wir später als Togen und Kinakoko kennenlernen, in Sicherheit gebracht werden. Wobei sich die beiden nicht unbedingt einig sind, was sicher für die beiden Kinder ist.
Nach einer Explosion springen wir 15 Jahre in die Zukunft, wo die beiden ihr kleines Raumschiff einweihen und kurz darauf von Togen gebeten werden, das All jenseits der Sturmwand zu untersuchen, welche sie vor 15 Jahren an diesem Ort des Weltalls festsetzte.
Ziel ist das Beschaffen von drei Reaktorkassetten, um die Schilde der Siedlung auf Maximum zu bekommen – denn die Sturmwand bricht nicht wie geplant zusammen und die Siedlung ist in Gefahr. Damit entlässt uns das Spiel in die Welt jenseits der imposanten Sturmwand, auf den Spuren einer Welt(-all), die vor 15 Jahren noch in Ordnung war.
Aus einem Guss
Zwischen dem eben erwähnten Zeitsprung und dem Besteigen des Schiffs erwischt uns eiskalt der Übergang von der 80s-Anime-Zwischensequenz zum Gameplay, im Guten! Während die Kamera uns in butterweichen Frames folgt, sind alle Animationen unserer Figuren in 12 Frames, und die Filmkörnung sorgt für das Tüpfelchen auf dem i, um das Feeling eines alten Anime perfekt zu machen, während wir schon spielen. Umso munterer wuselt man dann durch den Anfangsbereich, bevor dem Marker zum Weitertreiben der Story überhaupt Beachtung geschenkt wird.
Als wir dann das Schiff betreten, findet gleich eine Art Tutorial statt, in dem die Werkzeuge und ein paar einfache Rätsel uns erwarten. Etwa das Öffnen von Luken mit dem Greifhaken, das Löschen von Feuer mit Flüssigkeit und das Zeigen mit dem Laser. Das erste „Denkspiel“ ohne Werkzeuge folgt auch so bald und dann werden wir endlich auf den Piloten- bzw. den Schützensitz gelassen.
Es ist nicht vorgeschrieben, wer das Schiff lenkt und wer schießt. Absprache ist bei Orbitals unerlässlich.
Dabei gibt es auf dem Schiff auch wieder unheimlich viel zu entdecken. Etwa ein Radio, die Kojen von Omura und Maki (die viel über sie selber aussagen), aber auch viele verschlossene Schotts.

Hinter diesen Schotts verstecken sich Minispiele, die im Laufe des Abenteuers von Terminals heruntergeladen werden können. Dabei können wir diese verpassen und sie erst beim wiederholten Spielen finden. Dabei überträgt sich innerhalb eines Switch-Accounts dieser Fortschritt, und beim nächsten Durchgang sind die früher gefundenen Terminals auch verschwunden. Das ist ein kleiner Dämpfer, wenn man mit jemand anderem noch einmal das Spiel erleben will. Wenn dieser dann enttäuscht von einer leeren Kammer wird – und sagt: „Da ist nichts mehr“, könnte das für kleinere Dämpfer an den Controllern sorgen.
Bevor sich Maki und Omura auf Außeneinsätze begeben, verrät uns das Spiel bereits, welche Werkzeuge wir mitnehmen müssen – wobei jeder Spieler eines auswählt. Es gibt auch keine Möglichkeit, ein Rätsel, welches für Laser und Greifhaken ausgelegt ist, mit dem Flüssigkeitswerfer zu lösen. Das ist zwar schade, tut aber dem Spielspaß letztlich keinen Abbruch, da wir ja wissen, welches Werkzeug mit von Bord gehen muss, und Frust bei einer falschen Wahl ausbleibt.
Dabei werden die Figuren unweigerlich und oft voneinander getrennt, bleiben aber stets in Kontakt zueinander und schmeißen den einen oder anderen Gag um sich, der manchmal schon so flach ist, dass es im guten Sinne cringe wirkt.
Dabei gibt es Situationen, in denen einer den Boden abkühlt, damit der andere Spieler gefahrlos den sonst viel zu heißen Boden betreten kann, oder ein Spieler begleitet eine Drohne durch einen Parcours, während der andere Spieler mit einem Laser im Raumanzug hinter einer Scheibe die Drohne auflädt, bevor diese aufgrund einer Fehlfunktion explodiert. Oder ein Spieler zeigt mit einem Laser, wo sich Plattformen sammeln sollen, während der andere Spieler mit dem Flüssigkeitswerfer Spiegel säubert, um einen Laser zum Ziel zu führen. Oder wir spielen Dance Dance Revolution, um Zugang zu einer Konsole zu erhalten. Und das sind nur wenige der zahlreichen kreativen Situationen, die uns das Spiel entgegenwirft.
Und dabei fühlt sich das nicht so random an, wie man vermuten möchte. Eher ist man immer wieder positiv überrascht, was gerade passiert ist und warum der eine Spieler nun die Plattformen eines Turms kontrollieren kann, während der andere Spieler versucht, in einer Jump-and-Run-Passage sich seinen Weg an die Spitze des Turms zu bahnen.

Die 80er haben angerufen: Sie lieben es.
Viel kann man nicht mehr zur Präsentation sagen, denn wenn es nicht schon deutlich wurde: Orbitals präsentiert sich stilsicher und nutzt einige Stilblüten, die wir aus Anime von damals kennen. Untermalt wird dabei alles von einem passenden Soundtrack, der zwar mitunter einfach nur nebenher dudelt, aber tatsächlich zum Ohrwurm werden kann.
Beleg ist hier eine Aufnahme mit meinem Streamerkumpel Blaufuchs, welcher während unserer Aufnahmen nach einer kurzen Trinkpause, eine Spielmelodie summend, wieder zu seinem Mikrofon stapfte. Guter Zeitpunkt, vielleicht auf unsere kleine Kollaboration hinzuweisen: Blaufuchs und meinereiner haben zusammen ein Let’s Play zu dem Spiel aufgenommen, welches ihr auf seinem Kanal finden könnt!
Wir sind zum Zeitpunkt dieses Textes noch nicht mit den Aufnahmen fertig geworden, aber entsprechend könnt ihr euch in den Kommentaren austoben und jeden Tag auf eine neue Folge freuen. Und vielleicht streamen wir auch das Finale!
Dennoch sei empfohlen: Schaut euch auch unbedingt selber das Spiel an!
Orbitals ist etwas ganz Besonderes!

Ein Koop-Essential
Koop-Abenteuer sind keine neue Erfindung der letzten Jahre, wenn auch ein paar herausragende Titel erst kürzlich erschienen – gerade Hazelight hat in den letzten Jahren ordentlich mit It Takes Two und Split Fiction abgeliefert. Letztlich stimmte aber jede an diesem Test beteiligte Person mir zu: Orbitals ist etwas ganz Besonderes! Wer entsprechend auch nur ansatzweise interessiert ist, sollte hier viel Spaß mit seinen Freunden haben. Nein, ich wage zu behaupten: Ihr werdet es lieben!
Dabei muss auch nur eine Person das Spiel an sich besitzen. Während der Host Orbitals in der Vollversion für Nintendo Switch 2 besitzen muss, kann der andere Spieler den kostenlosen Global Friends Pass herunterladen, um sich einklinken zu können. Auch unterstützt das Spiel Koop-Spiel über das Internet sowie Local GameShare, wobei Letzteres sogar mit einer Nintendo Switch 1 möglich ist.
Und für die Couch-Koop-Fans: Natürlich lässt sich das Spiel an ein und demselben TV erleben, was immer die beste Möglichkeit ist.
Wir danken Nintendo für die Vermittlung an Kepler und Shapefarm, die uns dieses Review ermöglicht haben, und möchten an dieser Stelle noch einmal zu diesem Koop-Meisterwerk gratulieren! Wir sind gespannt, ob hier noch weitere Hits folgen.
Orbitals erscheint am 3. September 2026 auf Nintendo Switch 2. Dabei erscheint das Spiel auch als vollständig physisches Modul und ist mit 39,99 € (49,99 € als Modul) sogar sehr preiswert zu erhalten.
Pro
- 80s-Anime-Optik perfekt getroffen, mitunter etwas Ghibli-Niveau
- Hervorragend vertont und musikalisch untermalt
- Anime-typische Geschichte
- Viel Humor und Abwechslungsreich
Contra
- Nur ein Spielstand
- Feste Vorgaben zum Lösen der Level/Rätsel
- Missable Collectibles
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