Der Super Mario Galaxy Film Filmkritik: Wunderschön, emotional – aber erzählerisch weiter ein Problemkind?

Ich war am 1. April ganz regulär im Kino – keine Pressevorführung, kein Branchenpublikum. 20:15 Uhr, gemischtes Publikum. Der Eintritt wurde im Vorfeld für mich und meine Begleitung netterweise von der zuständigen Agentur übernommen, die restlichen Besucher haben aber den vollen Eintritt gezahlt und sich daher auf einen netten Filmabend gefreut. Trotz der späten Uhrzeit saßen einige Kinder im Saal, die immer mal wieder laut aufgelacht haben und es war mal ein lautes „Eww“ (ein Ausruf des Ekels) zu hören. Genau in diesen Momenten wird schnell klar: Der Super Mario Galaxy Film funktioniert. Zumindest für die Zielgruppe.

Für alle anderen wird es etwas komplizierter.

In Der Super Mario Bros. Film gab es verschiedene Anspielungen auf dessen Sequel. Einerseits die offensichtliche Post-Credit-Szene mit Yoshi, andererseits aber auch eine Textstelle, bei welcher sich Prinzessin Peach und Mario den Nachthimmel anschauten:

Es gibt ein riesiges Universum da draußen – mit sehr vielen Galaxien…

Ob dieser Satz von Peach schon eine Anspielung war?

Mehr Anspruch als der Vorgänger – aber nicht konsequent zu Ende gedacht

Nach dem enormen Erfolg von Der Super Mario Bros. Film versucht Illumination sichtbar, im Sequel mehr zu liefern als nur buntes Spektakel. Der Film setzt auf zwei parallele Handlungsstränge, mehr Fokus auf Figurenbeziehungen und einen insgesamt ruhigeren, stellenweise sogar überraschend nachdenklichen Ton.

Das ist grundsätzlich die richtige Entscheidung.

Tatsächlich wirkt Der Super Mario Galaxy Film in vielen Momenten strukturierter als sein Vorgänger. Szenen gehen besser ineinander über, Figuren bekommen mehr Raum und gerade die Dynamik zwischen Mario und Luigi oder auch die familiäre Beziehung zwischen Prinzessin Peach und Prinzessin Rosalina sorgt für emotionale Ankerpunkte.

Und trotzdem: Der Film schafft es nicht, diesen Ansatz konsequent durchzuziehen.

Visuell überragend – Illumination liefert ab

Was sich kaum kritisieren lässt, ist die audiovisuelle Umsetzung. Illumination spielt hier seine größte Stärke voll aus.

Der Film wird mit einer Detailverliebtheit und Farbgewalt inszeniert, die in der aktuellen Animationslandschaft ganz vorne mitspielt. Ich habe eine 2D-Vorstellung besucht, habe mir aber sagen lassen, dass 3D durchaus eine valide Option sei.

Dazu kommt ein toller Soundtrack, der bekannte Mario-Themen neu interpretiert und dem Film genau die emotionale Grundlage gibt, die ihm erzählerisch teilweise fehlt. Besonders auffällig: Keine lizenzierte Musik wie im Vorgänger – sondern Stücke aus den Spielen.

Kurz gesagt: Das ist großes Animationskino und ein Genuss für die Ohren.

Was ich persönlich schade fand: Es gibt keinen neuen vollwertigen Song, ähnlich zu „Peaches“. Verschenktes Potenzial Jack Black und sein Gesangstalent hier nicht erneut zu nutzen. So etwas ließe sich ja relativ einfach auch als Single oder über Streaming-Dienste vermarkten, um weitere Einnahmen rund um den Film zu erzielen.

Zwischen Herz und Hektik: Die alte Schwäche bleibt bestehen

So sehr sich der Film um mehr Tiefe bemüht, so deutlich treten auch die bekannten Probleme wieder zutage.

Die Story bleibt letztlich eine funktionale Klammer, um die Figuren durch möglichst viele bekannte Settings zu schicken. Charakterentwicklungen werden angedeutet, aber selten zu Ende geführt. Besonders auffällig ist das bei zentralen Figuren, deren emotionale Bögen aufgebaut – und dann einfach fallen gelassen werden.

Hinzu kommt ein Pacing, das sich nicht ganz entscheiden kann:
Mal nimmt sich der Film bewusst Zeit für ruhige, fast schon melancholische Momente, dann wieder hetzt er in hohem Tempo von Szene zu Szene. Gerade das Finale wirkt dadurch abrupt und überraschend unsauber aufgelöst.

Auch die Zusammenführung der beiden Handlungsstränge fühlt sich eher wie ein notwendiger Schritt an als wie ein erzählerischer Höhepunkt.

Und hier setzt ein großes ABER ein… Muss es denn überhaupt eine groß aufgebauschte Geschichte geben? Die Videospiel-Vorlage kämpft ja selbst damit, etwas zu etablieren, das über eine Seite eines Bierdeckels hinausgeht. Es wäre in meinen Augen irgendwie merkwürdig, wenn die platonische Beziehung zwischen Mario und Peach plötzlich zu einem großen Liebesdrama würde, mit Verlust, Wiedervereinigung und am Ende bekommt der Böse die Prinzessin. Okay, dann wäre der Film nicht mehr ab 6 Jahren, sondern 12 oder 16.

Andere Filme haben oft nur diese eine Chance uns ihre Figuren näherzubringen und erlebbar zu machen. Das Mario-Franchise feiert jedoch bereits sein 40-jähriges Jubiläum und ich werde im September diesen Jahres ebenfalls 40 Jahre alt. Persönlich habe ich mich von der Musik und den zahlreichen Easter Eggs abgeholt gefühlt und den Film genossen.

Ein roter Faden war erkennbar, wobei es dem Film sicherlich nicht geschadet hätte, wenn er eine etwa 20 Minuten längere Laufzeit gehabt hätte. Wer die Spiele nicht genauestens kennt, vorrangig Super Mario Galaxy, Super Mario Odyssey und Super Smash Bros. Ultimate, könnte mit den schnellen Cuts zwischen den Welten und Charakteren überfordert sein.

Der Fanservice funktioniert – bei Fans

Ein großer Teil der Faszination entsteht erneut durch Fanservice. Figuren, Schauplätze und kleine Details aus den Spielen sind überall präsent und sorgen immer wieder für großen Wiedererkennungswert. Vermutlich muss man 3 bis 4 Mal ins Kino oder auf den Heimrelease warten, damit man jede Szene pausieren und in Ruhe analysieren kann.

Der Super Mario Galaxy Film setzt auch stark auf Gastauftritte und Cameos. Das funktioniert oft gut – vor allem, wenn Figuren, wie der Wolkenfuchs, organisch eingebunden sind. Manchmal wirkt es aber auch wie ein bewusst gesetzter Moment für Applaus, weniger wie ein natürlicher Teil der Geschichte. Applaus gab es am Ende sogar tatsächlich. Wenn auch nur ein kleiner, irgendwo aus der linken Ecke des Saals.

Ein klarer Gewinner ist Yoshi, der sich mit Leichtigkeit zum Publikumsliebling entwickelt und viele der besten Momente für sich beansprucht. Leider bekam ich keinen Popcorn-Eimer.

Ein reiferer Ton, der nie ganz ankommt

Interessant ist die leicht düstere Grundstimmung. Themen wie Familie, Unsicherheit oder Verantwortung schwingen immer wieder mit und geben dem Film eine neue emotionale Ebene.

Doch auch hier fehlt der letzte Schritt.

Der Film kratzt an relevanten Themen, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Das ist aber ein generelles Problem von Filmen, weshalb viele Filmfans heutzutage eher Serien auf Netflix und Co. schauen, die dann mehr Zeit für lange Erzählungen haben. Es entsteht ein merkwürdiger Spagat: Der Super Mario Galaxy Film wirkt erwachsener als sein Vorgänger, bleibt inhaltlich aber klar auf ein junges Publikum zugeschnitten oder jene die zumindest Spaß an all den teils verstecken und teils sehr offensichtlichen Referenzen haben.

Für Kinder funktioniert Der Super Mario Galaxy Film hervorragend – für erwachsene Zuschauer bleibt eventuell ein Gefühl von „Da wäre mehr drin gewesen“. Aber so ist das, wenn man erwachsen wird… Man verlernt Spaß zu haben und Dinge einfach hinzunehmen. Ich hatte meine Freude und werde gegebenenfalls nochmal auf Englisch schauen – in 3D.

Stärken & Schwächen auf einen Blick

Stärken:

  • Herausragende Animationen und visuelle Inszenierung
  • Deutlich stärkerer Fokus auf Figuren und Beziehungen
  • Hoher Unterhaltungswert für Fans der Spielewelt

Schwächen:

  • Dünne, wenig konsequent erzählte Story
  • Unausgeglichenes Pacing mit abruptem Finale
  • Charakterentwicklungen verlaufen oft im Sande

Ein besserer Film als sein Vorgänger – aber kein deutlich besseres Gesamtpaket

Der Super Mario Galaxy Film ist eine klare Weiterentwicklung gegenüber seinem Vorgänger – zumindest in der Ambition. Mehr Emotion, mehr Struktur, mehr Mut zu ruhigen Momenten. Wer Der Super Mario Bros. Film mochte, wird auch hier wieder voll auf seine Kosten kommen. Und können wir mal darüber sprechen, wie teuer Kinobesuche heutzutage sind?

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Illumination weiterhin Schwierigkeiten hat, diese Ansätze sauber in eine wirklich runde Geschichte zu überführen.

Am Ende bleibt ein Film, der audiovisuell begeistert, emotional punktuell funktioniert, aber erzählerisch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt – wenn man denn unbedingt Wert auf eine kinoreife Erzählung entführter Prinzessinen und Klempner-Helden legt.

Der ganz große Wurf fühlt sich anders an. Keine lebensverändernde Erfahrung, keine philosophische Sozialkritik und kein Thriller mit tausend unvorhersehbaren Wendungen.

Oder, um es auf meinen Kinobesuch herunterzubrechen:
Die Kinder lachten – und das Publikum ging (soweit ich das mitbekommen habe) zufrieden nach Hause. Viele sogar bereits vor der ersten von zwei Post-Credit-Szenen.

Merkt euch folgendes: Wenn das Licht im Saal noch ausgeschaltet bleibt, während der Abspann läuft, dann wird es voraussichtlich noch etwas interessantes zu sehen geben.

Der Super Mario Galaxy Film
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Kennt ihr noch den Dino aus Super Mario Odyssey? Das eingangserwähnte "Eww" hatte mit ihm und dessen Nase zutun – viel Spaß im Kino. Von mir gibt es eine klare Empfehlung, wenn auch nicht für jeden Kinogänger. Fans des Mario-Universums (egal ob jung oder alt) werden viele liebevolle Details entdecken, meiner Mutter würde ich den Film aber wahrscheinlich nicht empfehlen.
Kennt ihr noch den Dino aus Super Mario Odyssey? Das eingangserwähnte "Eww" hatte mit ihm und dessen Nase zutun – viel Spaß im Kino. Von mir gibt es eine klare Empfehlung, wenn auch nicht für jeden Kinogänger. Fans des Mario-Universums (egal ob jung oder alt) werden viele liebevolle Details entdecken, meiner Mutter würde ich den Film aber wahrscheinlich nicht empfehlen.
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